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Solo zum Gipfel

Nairo Quintana gewinnt den Bergsprint der Tour de France. Auf den 65 Kilometern klärt sich die Hierarchie beim Sky-Team.

© REX/Shutterstock

Von Christoph Leuchtenberg, Emanuel Reinke und Tom Mustroph

Chris Froome atmete tief durch, dann verneigte sich der wohl entthronte Herrscher der Tour de France vor seinem Nachfolger. „Geraint fährt hier absolut brillant und hat Gelb völlig verdient. Ich drücke die Daumen, dass er das jetzt bis Paris durchbringt“, sagte der Titelverteidiger, nachdem er beim höllischen Pyrenäen-Bergsprint die womöglich entscheidende Niederlage gegen seinen Teamkollegen Geraint Thomas kassiert hatte.

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Attacke erfolgreich beendet: Nairo Quintana bei der Zieldurchfahrt.
Attacke erfolgreich beendet: Nairo Quintana bei der Zieldurchfahrt. © REX/Shutterstock

Froome war mit der Hoffnung auf seinen historischen fünften Gesamtsieg angetreten. Spätestens seit der 17. Etappe am Mittwoch, als der 33-Jährige beim Sieg des Kolumbianers Nairo Quintana schwächelte und erneut Zeit verlor, ist klar: Der Traum wird aller Voraussicht nach unerfüllt bleiben. Froome war beim brutalen und spektakulären Bergsprint durch die Pyrenäen der klar unterlegene Fahrer der Doppelspitze beim Team Sky.

Vor der Fahrt vom charmant verblühten Bergkurort Bagneres-de-Luchon hoch zur Skistation am Col Du Portet hatten die meisten Fahrer Respekt, auch Froome. „Das ist eine sehr kurze, sehr explosive Etappe“, hatte er mit einer Mischung aus Neugier und Anspannung auf diesen Tagesabschnitt geblickt. Am Ende erreichte der Titelverteidiger das Ziel auf 2 215 Metern Höhe 48 Sekunden nach dem Tagesdritten Thomas. Mehr noch: Der langjährige Dominator der Frankreich-Rundfahrt verlor auch den zweiten Platz in der Gesamtwertung an Tom Dumoulin, der sich offenbar mehr von der Etappe versprochen hatte. „Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Ich muss zufrieden sein“, sagte der Niederländer vom deutschen Team Sunweb.

An den steilen Hängen der Pyrenäen vollzog sich der schleichende Machtwechsel beim Sky-Team endgültig. Als Thomas auf den letzten Metern der 65 km kurzen Etappe sogar noch selbst attackierte, war Froome, als unumstrittener Kapitän ins Rennen gegangen, längst hechelnd zurückgefallen. Thomas wollte daraus aber keine Vorentscheidung ableiten.

„Ich schreibe ihn nicht ab. Chris ist ein Kämpfer, er wird es bis zum Ende probieren“, sagte der Waliser, der über den Sieg in Paris auch deshalb „noch nicht nachdenken“ wollte: „Ich nehme es wirklich Tag für Tag.“ Die härteste Prüfung vor dem Tour-Finale am Sonntag hatte Thomas allerdings bravourös gemeistert.

Die Zahlen des Tages waren schwindelerregend: Von den 65 Kilometern gingen – verteilt auf drei anspruchsvolle Anstiege – 38,3 Kilometer bergauf. Insgesamt mussten die Fahrer auf der kurzen Distanz 3 126 Höhenmeter überwinden. Für Sprinter bedeutete die Etappe mit Sägezahn-Profil maximale Anstrengung. „Schon das Gruppetto muss da richtig arbeiten, um noch im Zeitlimit zu bleiben. Wer herausfällt, weil er zu früh am Berg abreißen lässt, hat eigentlich keine Chance mehr“, prognostizierte Marc Sergeant. Der Teamchef von Lotto Soudal kann dem annoncierten Sprinter-Sterben mittlerweile gelassen zugucken. Mit André Greipel ist sein bester Fahrer längst weg. Ihn ereilte dieses Schicksal schon in den Alpen. Im deutschen Fernsehen klagte Greipel danach über die Härte des Parcours.

Die bekam am Mittwoch auch Weltmeister Peter Sagan zu spüren. In der zweiten Abfahrt des Tages stürzte der 28 Jahre alte Slowake und erreichte mit Schürfwunden und Beulen das Ziel. Mit einem bandagierten Bein absolvierte er das Trikot-Zeremoniell humpelnd und sichtbar mit Schmerzen. Ob der Träger des Grünen Trikots weiterfahren kann, entscheidet sich erst am Donnerstag, teilte Sagans deutscher Rennstall Bora-Hansgrohe mit.

In Bagneres-de-Luchon bewiesen die Tour-Veranstalter, dass sie immer mal für Innovationen gut sind. Mit einer neuen Startvariante ähnlich dem Prozedere in der Formel 1 oder im Motorradsport hatten die Organisatoren der Etappe zusätzlich Würze verleihen wollen. „Die Fahrer stellen sich in der Reihenfolge des Klassements auf. Weil es vom Start weg gleich nach oben zur Montée de Peyragudes geht, haben manche Helfer vielleicht gar nicht die Chance, schnell genug zu ihren Kapitänen zu kommen. Wir versprechen uns viel Spannung davon“, erklärte Thierry Gouvenou, Chefplaner der Tour, das Vorhaben.

Nachhaltigen Eindruck hinterließ die Idee nicht. Nachdem um 15.15 Uhr die Ampel auf Grün geschaltet hatte und das Rennen freigegeben worden war, etablierte sich im Peloton umgehend die gewohnte Formation mit der Sky-Mannschaft an der Front. Keiner der Favoriten geriet auf den ersten beiden der drei Berge in Schwierigkeiten. Das sollte sich erst am Schlussanstieg ändern. (sid, mit dpa, SZ)