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Sommer der Zecken

In Dresden ist die Zahl der Borreliose-Fälle gestiegen. Nicht nur Menschen sind gefährdet.

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© dpa

Von Thomas Drendel und Jana Mundus

Die Zecken sind auf dem Vormarsch in Dresden. Sie sitzen im Gras oder in Büschen auf der Lauer. Die Milbenart hat es auf Blut abgesehen. Wenn sie zubeißt, kann es für ihre Opfer gefährlich werden, denn Zecken gelten als einer der gefährlichsten Überträger von Krankheiten. Vor allem die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose sind auf ihre Bisse zurückzuführen. Die Folgen können lebensbedrohlich sein. Der kurze und warme Winter lässt das Zeckenproblem in Dresden nun größer werden.

In der Dresdner Heide und den umliegenden Waldgebieten sollten Spaziergänger, Wanderer oder Radfahrer in diesem Jahr besonders aufmerksam sein. Nach Angaben von Heiko Müller, Leiter des Staatsforstbetriebes beim Forstbezirk Dresden, fanden die Blutsauger in diesem Jahr besonders gute Startbedingungen vor. „Die lange Trockenheit, der milde Winter und auch die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen kommen den Zecken sehr entgegen“, so der Experte. „Es könnte sein, dass wir in diesem Jahr in der Dresdner Heide und den umliegenden Waldgebieten eine besonders große Population an Zecken erleben.“

Die Infektionszahlen von Borreliose liegen in diesem Jahr bereits sehr hoch. Einen erheblichen Anstieg verzeichnet auch Dresden. Nach Angaben von Jens Heimann, Leiter des Gesundheitsamtes, gibt es in diesem Jahr bis jetzt 39 gemeldete Fälle an Borreliose. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden zwölf Fälle gemeldet. Da die Ämter auf Meldungen von Ärzten angewiesen sind, dürfte es eine wesentlich höhere Dunkelziffer geben. Wichtig sei deshalb, sich nach Aufenthalten im Freien gründlich nach Zecken abzusuchen und diese zu entfernen.

Oberarzt Andre Koch vom Friedrichstädter Krankenhaus kann zumindest etwas beruhigen. Nicht jede Zecke, die den Menschen beißt, ist auch wirklich mit Borrelien infiziert. Vor Kurzem beteiligte sich die Klinik an einer Studie für ein neues Zeckenmittel. Demnach wären nur 12,5 Prozent der Blutsauger überhaupt potenzielle Überträger. Und selbst die würden die Keime nicht in jedem Fall weitergeben. „Die Infektionsquote liegt lediglich zwischen einem und fünf Prozent.“ Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht.

Trotzdem sollten die Dresdner nach Zeckenbissen die Einstichstelle genau beobachten. Entsteht eine mehrere Zentimeter große Rötung rundherum, ist eine Borreliose nicht auszuschließen. „Ob eine Infektion vorliegt, kann dann mittels einer Blutuntersuchung geklärt werden“, so Koch. Die Borreliose ist danach gut mit einem Antibiotikum behandelbar. Gefährlich wird sie allerdings, wenn sie längere Zeit unentdeckt bleibt. Dann wären Hautveränderungen die Folge, und es könnten auch Lähmungserscheinungen auftreten. „Bei diesem chronischen Verlauf hilft dann leider auch kein Antibiotikum mehr.“ Auch deshalb sei es wichtig, Zecken immer zu entfernen. Das geht am besten mit einer spitzen Pinzette oder einer Nadel. „Wichtig ist, den Körper zu entfernen“, macht der Arzt deutlich. Selbst wenn der Stechapparat in der Haut bleibt, wäre das kein Problem. Zur Not könnte der Zeckenkörper auch mittels eines Rasierers entfernt werden.

Die Hunde sind dem Menschen in Sachen Borreliose einen Schritt voraus. Auch Haustiere können schließlich von Zecken gebissen werden. „Für Hunde gibt es seit einiger Zeit eine Impfung dagegen“, erklärt Tierärztin Tanja Schewe, die eine mobile Tierarztpraxis in Dresden betreibt. Die Gefahr einer Infektion ist für Bello größer als beispielsweise für Katzen. Trotzdem sollten alle Haustiere nach dem Spaziergang auf Zecken kontrolliert werden. „Eine Borrelioseerkrankung ist nämlich auch bei ihnen nur sehr schwer feststellbar.“

Das Risiko einer Ansteckung mit FSME durch eine Zecke ist in der Dresdner Region hingegen eher gering, so der Mediziner Andre Koch. „Mir ist bisher auch noch kein Patient mit dieser Krankheit begegnet“, erklärt er weiter. Im Gegensatz zur Borreliose kann sich jeder Bürger gegen FSME impfen lassen. Für eine Grundimmunisierung sind drei Impfungen nötig, eine Auffrischung sollte alle fünf Jahre erfolgen. Die meisten Versicherungen übernehmen die Kosten auch für Versicherte, die nicht in einem offiziellen Risikogebiet leben.