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Sommer im Mai

Tief „Wilma“ bringt laut Vorhersage Hitze und Gewitter mit. Den trockenen Böden nutzt das aber nur wenig.

© Archivfoto: dpa

Von Anja Ehrhartsmann

Osterzgebirge. Eis essen, im Wasser planschen, die Sonne genießen – mit Spitzentemperaturen von 32 Grad hat Sachsen am Montag den bisher heißesten Tag des Jahres erlebt. Und das, obwohl der Sommer erst am Freitag beginnt, zumindest für die Meteorologen. Doch die Wetterlage bringt auch ihre Schattenseiten mit sich. Hitze, anhaltende Trockenheit und drohende Gewitter machen Landwirten und Revierförstern vielerorts Sorgen. Das sind die Probleme.

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Trockenheit: Den jungen Bäumen im Landeswald fehlt das Wasser

Die lange Trockenphase macht sich im Wald bemerkbar. Vor allem bei den frisch gepflanzten Bäumchen, die das Wasser dringend nötig haben, um Blätter und Nadeln auszutreiben und richtig anzuwachsen. Kurze Regenschauer sorgten örtlich für etwas Entspannung, aber insgesamt führt die Trockenheit wahrscheinlich zum Ausfall zahlreicher Jungpflanzen, so Kristina Funke, Sprecherin des Sachsenforsts im Forstbezirk Bärenfels. „Insbesondere Pflanzungen auf trockenen, besonnten Hängen zeigen bereits deutliche Trockenschäden.“ Ein Landregen wäre mehr als willkommen. Die ausgewachsenen Bäume zeigen noch keine Hitzeschäden. „Damit sich die Situation im Wald spürbar verbessert, benötigen wir schon mal über mehrere Tage immer wieder auftretenden Regen“, sagt Kristina Funke. Landregen sickere nach und nach in den Boden ein und werde so für Pflanzen und Bäume verfügbar. „Gewitterregen bringt hingegen in sehr kurzer Zeit viel Regen. Dieser kann so schnell gar nicht vom Boden aufgenommen werden und fließt größtenteils in Bäche und Flüsse.“

Waldbrandgefahr: Hölzer können schnell Feuer fangen

Für den halben Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gilt die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe. Damit schätzen Staatsbetrieb Sachsenforst und Deutscher Wetterdienst die Gefahr in der Region als hoch ein, dass sich trockene Hölzer und Pflanzenmaterial im Wald entzünden. Für den Landeswald gilt damit ein beschränktes Betretungsrecht: In Waldgebieten sollten Straßen und Wege aller Arten nicht verlassen werden, sagt Kristina Funke. Offenes Feuer ist im Wald grundsätzlich ganzjährig verboten. Darunter fallen Rauchen, Grillen, Anzünden von Lagerfeuern, aber auch das Aufsteigenlassen von Himmelslaternen. Im Forstbezirk Bärenfels gilt die Gefahrenstufe vier vor allem für die tieferen Lagen, also das Gebiet südlich von Dippoldiswalde bis Wilsdruff. Hier gab es in den vergangenen Tagen Temperaturen bis 30 Grad und mehr. „In Verbindung mit keinen bis sehr geringen Niederschlägen führt das zum Austrocknen der Bodenvegetation“, sagt Kristina Funke. Dass durch die Stürme „Herwart“ und „Friederike“ geworfene Reisig tue sein Übriges, um die Situation zu verschärfen.

Schädlingsbefall: Optimale Bedingungen für Borkenkäfer

Die derzeitigen Bedingungen bieten optimale Voraussetzungen für manchen Schädling. „Die Borkenkäferarten lieben das trocken-warme Wetter und entwickeln sich rasant“, sagt Kristina Funke. „Erste Fangzahlen an den Monitoringstandorten lassen hohe Schädlingsdichten erwarten.“ Vor allem das Bruchholz, das nach den Stürmen „Herwart“ und „Friederike“ zum Teil noch in den Wäldern liegt, und Nadelbäume, die durch Wurzelabrisse vorgeschädigt sind, bieten beste Bedingungen für rindenbrütende Borkenkäfer wie den Buchdrucker. Ein besonderes Hauptaugenmerk der Förster liegt dieses Jahr darauf, befallene Stämme rechtzeitig zu erkennen und aus dem Wald zu bringen.

Ernteeinbußen: Beim Getreide machen sich erste Trockenschäden bemerkbar

Auch in der Landwirtschaft spitzt sich die Situation weiter zu. „Erste Trockenschäden beginnen sich abzuzeichnen, hauptsächlich beim Wintergetreide“, sagt Sylvia Konrad, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Es ist zwar noch nicht zu spät, aber jetzt, da die sogenannte Kornfüllungsphase ansteht, bräuchten Getreide und Raps dringend Wasser, damit die Körner ordentlich wachsen. Entspannter ist die Lage noch bei Mais, Kartoffeln, Erbsen und Sommergetreide. „Bei den Jungpflanzen sieht alles noch grün aus.“ Obwohl es örtlich etwas Regen gab, fehlt den Landwirten quer durch den ganzen Kreis Wasser für die Felder. „Man kann sich nur den Regen wünschen, mehr kann man nicht tun“, sagt Sylvia Konrad. Vielmehr als die Trockenheit beschäftige sie aktuell aber das steigende Gewitterrisiko. Denn heftiger Gewitterregen

mit Hagel könne noch weit größeren Schaden anrichten und etwa dafür sorgen, dass ganze Felder weggeschwemmt werden.