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Sonnenblende mit doppeltem Schutz

© Sven Ellger

Ein Dresdner Start-up hat mit den Shade Wings eine nachrüstbare Variante für Autos entwickelt.

Von Jana Mundus

Nur wenige Sekunden reichen für die Katastrophe. Die Sonne blendet die Augen, nimmt dem Autofahrer die Sicht. Den Radfahrer vor sich sieht er nicht. Dann ist es zu spät. Ein Aufprall. In Deutschland führen genau solche Situationen zu mehr als 3 300 Unfällen jährlich. 64 Prozent aller witterungsbedingten Autounfälle sind auf direkte Sonnenblendung zurückzuführen. Obwohl das störende Licht frontal und seitlich zum Problem werden kann, gibt es im Auto für den Fahrer nur eine einzige Sonnenblende. Der muss sich entscheiden: Schützt er sich vor der Sonne von vorn oder von der Seite. Ein Dresdner Start-up will diesem Dilemma ein Ende machen. Die drei Gründer haben eine nachrüstbare Sonnenblende entwickelt, die beides kann. Ihr Produkt nennen sie Shade Wings, Schattenflügel.

Die Strecke zwischen Dresden und Freiberg kennen Stephan Schicht, Robert Schwippl und Manuel Kluge gut. Sie haben sich beim Studium an der TU Bergakademie Freiberg kennengelernt. Mit dem Auto ging es oft in die Landeshauptstadt. Auf einer kurvenreichen Landstraße mit ständig wechselnden Lichtverhältnissen. „Einmal wäre es durch blendendes Sonnenlicht beinah zum Unfall gekommen“, erzählt Stephan Schicht. Nach dem Schreck kommt die Idee. Eigentlich liegt der Gedanke nahe: eine Sonnenblende zu entwickeln, die von beiden Seiten schützt. „Die gab es noch nicht auf dem Markt.“

Fast zweieinhalb Jahre tüfteln die Drei an einem Prototyp. Die Grundlage für die Firmengründung legen sie schon mit Projektstudien und ihren Abschlussarbeiten an der Bergakademie. Die beschäftigen sich genau mit ihrem Thema. „Wir mussten schließlich herausfinden, was gesetzlich und technisch überhaupt erlaubt und machbar ist“, erklärt Manuel Kluge. Aus Pappe werden erste Modelle gefertigt. Das Ziel ist schließlich groß: Die Sonnenblende soll für alle Automarken nachrüstbar sein.

Die Shade Wings basieren auf einem Klemm- und Schiebemechanismus. Die Blende wird auf die Rückseite der bestehenden Fahrzeugblende geklemmt. Stört die Sonne, wird die Originalblende des Autos aus ihrer Halterung gedreht und zum seitlichen Schutz. Durch ein kleines Kugellager lassen sich die Shade Wings von dort aus im rechten Winkel in Richtung Frontscheibe klappen. Die Blende ist ausziehbar und kann so individuell auf die Fahrzeuge angepasst werden. Als Halterung dient die ursprüngliche Befestigung der Originalblende, in die die Shade Wings einfach eingehängt werden. Sicherheit und Funktionalität haben sich die Erfinder auch von der deutschen Automobil-Prüfgesellschaft Dekra zertifizieren lassen.

Rund um ihr Produkt haben die ehemaligen Studenten eine Firma gegründet: die Unimir GmbH. Uni steht für universal, das russische Mir für die Welt. „Wir wollen unser Produkt in die Welt hinaustragen“, sagt Stephan Schicht. Damit ihnen dort keiner Konkurrenz machen kann, haben sie sich ihre Idee patentieren lassen. Noch gibt es Shade Wings nur für den Fahrer, an einer Variante für den Beifahrer wird gearbeitet.

Die Prototypen ihrer Sonnenblende haben die Gründer noch selbst am 3-D-Drucker der TU Bergakademie Freiberg hergestellt. Familie und Freunde testeten sie ausgiebig. Die Serienproduktion sollen in Zukunft regionale Firmen übernehmen. Die sind schon gefunden, nun sammelt Unimir Geld für den Start.

Insgesamt 15 000 Euro werden gebraucht, damit die ersten Shade Wings in Serie produziert werden können. In dieser Woche hat eine Crowdfunding-Kampagne auf der internationalen Plattform Kickstarter.com begonnen, bei dem die drei die Finanzierung durch private Geldgeber schaffen wollen. Unterstützer können für 44 Euro eine Blende vorbestellen, später soll sie knapp 100 Euro kosten. Aber auch mit fünf Euro kann dem Projekt bereits geholfen werden. „Wir brauchen zwischen 300 und 400 Bestellungen, damit wir loslegen können“, rechnet Manuel Kluge vor. Ab November sollen die Shade Wings dann ausgeliefert werden.

Zweifel daran, dass ihre Geschäftsidee aufgeht, haben die Gründer nicht. Einen beruflichen Plan B haben die studierten Wirtschaftsingenieure und Betriebswirtschaftler derzeit nicht. „Brauchen wir auch nicht“, sagt Robert Schwippl zuversichtlich. Auf Messen haben sie in den vergangenen Monaten positive Rückmeldungen bekommen, auch ein paar potenzielle Investoren stellten sich bereits bei ihnen vor.

Das Projekt ist derzeit auch für futureSax, den sächsischen Ideenwettbewerb, nominiert. Die Erfinder haben es mit elf anderen Start-ups in die Finalrunde geschafft. Ob man mit der Schattenseite am Ende gewinnen kann, erfahren sie am 25. Juni bei der Preisverleihung.

www.shadewings.com