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Sorge um Elbwasser wegen Goldsuche in Tschechien

Die Grünen warnen vor Verseuchung des Trinkwassers bei Havariefällen. Sachsens Umweltminister soll das Projekt stoppen.

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Von Gunnar Saft

Dresden. Die Pläne eines kanadischen Bergbaukonzerns zum Goldabbau in Tschechien sorgen auch in Sachsen für immer größere Unruhe.

Die Landtagsfraktion der Grünen hat am Freitag den sächsischen Umweltminister Frank Kupfer (CDU) aufgefordert, sich gegen das nahe des tschechischen Ortes Mokrsko geplante Projekt einzusetzen. Unmittelbar an der Moldau gelegen und etwa 50 Kilometer südlich von Prag droht nach Angaben der Fraktion der Bau einer gefährlichen Cyanid-Laugungsanlage. Dabei wird das abgebaute Gestein zunächst zermahlen und das darin enthaltene Gold später mithilfe einer giftigen Cyanid-Lösung ausgewaschen. Die Abbaureste – die Rede ist von etwa einer Tonne Gestein auf maximal zwei Gramm Gold – müssten später als Sondermüll eingelagert werden. Der Gesteinsabbau selber würde in diesem Gebiet in einem Tagebau erfolgen.

Aus Sicht der Grünen birgt das geplante Abbauverfahren große Risiken. „Eine Havarie wäre ein ökologischer Albtraum nicht nur für Mokrsko, sondern auch für Sachsen“, warnt die umweltpolitische Sprecherin Gisela Kallenbach. „In diesem Fall wäre überall die Trinkwasserversorgung in Gefahr.“ Das verseuchte Wasser könnte über die Moldau und die Elbe auch in den Freistaat gelangen. Kallenbach verweist auf ein entsprechendes Unglück im rumänischen Baia-Mare. Dort war im Jahr 2000 nach einem Dammbruch in einer Golderzaufbereitungsanlage die mit Schwermetall versetzte Lauge über mehrere Flüsse bis in die Theiß und die Donau gelangt. Nach ihren Angaben war dieser Vorfall die größte Umweltkatastrophe in Osteuropa seit dem Reaktor-Unfall 1986 in Tschernobyl.

Das sächsische Umweltministerium erklärte, man habe Kenntnis von dem geplanten Projekt, sei bisher aber noch nicht offiziell von der tschechischen Seite dazu kontaktiert worden. Das sei zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht notwendig, da gegenwärtig nur Probebohrungen geplant sind und die Entscheidung über einen möglichen Goldabbau noch nicht getroffen ist. „Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass Tschechien hier alle gültigen Regeln einhält“, hieß es. Erst wenn wirklich eine Entscheidung zugunsten des Abbaus fallen sollte, würden die üblichen Verwaltungsverfahren eingeleitet, um notwendige Auflagen für das Bergbau-Projekt festzulegen. „Wir gehen davon aus, dass der Freistaat dann im Rahmen einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung direkt beteiligt wird.“

In Tschechien selbst gibt es bereits Widerstand. Umweltaktivisten und eine Bürgerinitiative aus der Region Mokrsko wollen den geplanten Goldabbau verhindern.