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Sorgen im Stall

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Osteuropa aus. Tierhalter aus dem Landkreis Bautzen fordern mehr Weitblick von der Politik.

© dpa/Gregor Fischer

Von Miriam Schönbach

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Bautzen / Königswartha. Ohne Arbeitsbekleidung und Gummistiefel geht es an dieser Stelle keinen Schritt weiter. Hinter dem Bürogebäude der Saritscher Agrar GmbH gleich am Ortseingang von Königswartha reihen sich 13 Schweineställen aneinander. Schnell wechselt Geschäftsführer Stefan Triebs in grüner Kombi noch die Schuhe. Eine Schleuse führt in den Weißbereich des Schweinemastbetriebs. An der Wand hängen Notfallpläne und -nummern für Krankheits- und Seuchenfälle, Hinweise zur Desinfektion und zum Arbeitsschutz. „Wir schützen unsere Bestände schon immer vor Krankheiten und Seuchen. Wegen der Afrikanischen Schweinepest sind wir nun noch aufmerksamer“, sagt der Landwirt.

Stefan Triebs ist Chef der Saritscher Agrar GmbH. Das Verbotsschild am Tor seiner Schweinemastanlage hat derzeit einen noch ernsteren Hintergrund als gewöhnlich.
Stefan Triebs ist Chef der Saritscher Agrar GmbH. Das Verbotsschild am Tor seiner Schweinemastanlage hat derzeit einen noch ernsteren Hintergrund als gewöhnlich. © Uwe Soeder

Stefan Triebs läuft mit großen Schritten über den betonierten Weg. Kurz nickt er zum Hochbehälter gleich am Anfang der Anlage. „Unser Getreideschrott wird direkt vom Lkw ins Silo gefüllt. Von dort führen Rohrleitungen zu den Futterautomaten in jeden Stall“, sagt er. Dieses geschlossene System verhindere, dass das Futter seines Bestands mit Wildschweinen in Berührung kommt. Zudem umschließt die Anlage ein Zaun, die Türen an den Ställen sind immer geschlossen. Köderboxen sorgen dafür, dass Mäuse und Ratten draußen bleiben.

Verfüttern von Küchen- und Speiseabfällen verboten

Diese Schutzmaßnahmen fordern die Tierseuchenkasse sowie das Verbraucherschutzministerium von Schweinemastbetrieben wie von Hobby- und Kleinsthaltern. In einem Schreiben heißt es: „Sollte es zu einem Ausbruch der ASP bei Haus- und Wildschweinen kommen, sind alle Schweinehalter in einem Restriktionsgebiet von den Anordnungen, wie Handels-, Transport- und Schlachtverboten gleichermaßen betroffen.“ Die sächsischen Behörden raten neben dem Schutz der Bestände vor Wildschweinen, zu regelmäßiger Reinigung und Desinfektion der Ställe sowie der Geräte und dem Verzicht auf Grünfutter. Regelrecht verboten ist das Verfüttern von Küchen- und Speiseabfällen.

Schließlich wird ASP nicht nur durch direkten Tierkontakt, sondern oft über achtlos weggeworfene „Wurstbemmen“ übertragen. Vermutlich wurde die Seuche über Essensreste von Schiffen 2007 erst nach Georgien und dann ins Kaukasusgebiet und Russland eingeschleppt. Von dort wandert der Virus nun gen Westen. Im Juni 2017 gab es den ersten Fund eines verendeten Wildschweins in Tschechien. Wie die örtlichen Behörden dort mitteilten, wurden in der Kernzone um den Infektionsherd inzwischen 191 Kadaver positiv auf den Virus getestet. ASP verläuft bei Haus- und Wildschweinen meist tödlich, für Menschen ist die Erkrankung ungefährlich.

Reinigen und desinfizieren

Stefan Triebs taucht seine Stiefel in eine Desinfektionswanne. Erst dann betritt er den Stall mit den Ferkeln. „Dieser Fund noch 300 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze hat die Lage nochmals zugespitzt“, sagt er ernst. Lautes Grunzen begrüßt ihn. Auf der einen Stallseite stehen ausschließlich die Sauen, gegenüber die männlichen Tiere. Sie sind etwas eher schlachtreif. 4 500 Tiere haben in der Anlage in Königswartha zeitgleich Platz, etwa 14 000 Schweine verlassen jährlich den Betrieb. Nach jedem Wechsel werden die Ställe gewaschen, gereinigt, desinfiziert und getrocknet. Zwei Arbeitskräfte und ein Lehrling kümmern sich um die Borstentiere. Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Deutschen Bauernverbands 24 000 Betriebe mit Schweinehaltung.

Sein Vize-Präsident – Werner Schwarz – mahnte zu Beginn des Jahres, dass die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines ASP-Ausbruchs kaum vorstellbar seien, da zum Beispiel schon der Befall eines Wildschweins mit einem Exportverbot einhergehe. Deshalb forderte Schwarz zum einen die konsequente Bejagung der Wildschweinpopulation, zum anderen ein bundeseinheitliches Vorgehen in der Seuchenprävention. In Sachsen würde derzeit bei einem ASP-Ausbruch bei einem Haus- oder Wildschwein das Landestierseuchenbekämpfungszentrum aktiviert.

Harte Konsequenzen

Wie Jürgen Vogels, Referent im Verbraucherschutzministerium, sagte, müssten bei einem Befall im Hausschweinebestand alle Tiere der betroffenen Bestände getötet und unschädlich beseitigt werden. Es würden großflächige Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete eingerichtet, darüber hinaus dürften weder Schweine noch deren Erzeugnissen die Betriebe verlassen. Schweinebestände wie Wildschweine in diesen Zonen würden intensiv untersucht. Zusätzlich würden umfangreiche Untersuchungen zur Einschleppung des Erregers durchgeführt werden.

Wird ein Wildschwein mit ASP-Virus entdeckt, wird ein sogenannter gefährdeter Bezirk um die Ausbruchstelle festgelegt. Die Größe des gefährdeten Bezirks beträgt in Abhängigkeit von den jeweiligen örtlichen Besonderheiten etwa 15 Kilometer“, sagt Vogels. Auch in einem solchen Fall dürften die Hausschweine den gefährdeten Bezirk nicht mehr verlassen. Sie würden jedoch nicht getötet. Das Schwarzwild wird bei Bedarf stärker bejagt, in jedem Fall aber eine Untersuchung erlegter und verendet aufgefundener Wildschweinen angeordnet, heißt es aus dem Ministerium.

Problem zu lange verdrängt



Dieses Szenario mag sich Stefan Triebs nicht vorstellen. „Was passiert denn hier, wenn wir die Tiere weder transportieren noch schlachten können und niemand mehr das Fleisch haben will“, sagt der Vorsitzende des Regionalen Bauernverbands Bautzen-Kamenz. Über die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Unternehmen würde bis jetzt keiner reden. Deshalb wünschte er sich von der Politik weitsichtiges Krisenmanagement statt überstürztes Reagieren. Über europäische und bundesweite Verordnungen müssten nachgedacht werden, zum Beispiel über eine intensivere Bejagung der Wildschweine und einer Erhöhung der Abschussprämie.

Stefan Triebs verlässt den Ferkelstall. „Die Probleme sind bekannt, aber man hat sich jahrelang um die Regelungen gedrückt“, sagt der 48-Jährige und sieht noch in den anderen Ställen nach dem Rechten. Selbst die kleinsten Veränderungen würden ihm und seinen Kollegen so auffallen. An diesem Morgen beendet er beruhigt seinen Rundgang. Durch die Schleuse geht es zurück an den Schreibtisch.