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Sorgenkinder mit Kuschelfaktor

Das Tierheim Pirna versorgt derzeit 31 Katzenbabys. Viele waren ausgesetzt worden.

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© Kristin Richter

Von Mareike Huisinga

Pirna. Tapsig läuft die kleine schwarze Katze mit dem weißen Latz dem Spielball hinterher. Jetzt hat sie ihn mit ihren Krallen gepackt und gibt das runde Ding nicht wieder her. Denn die freche Schwester will auch mitspielen. Keine Chance.

Zusammen mit ihrem Bruder waren die zwei Kätzchen vor Kurzem in einer Kiste vor dem Rathaus in Bad Gottleuba ausgesetzt worden. Mitarbeiter des Ordnungsamtes brachten die Dreierbande ins Tierheim Pirna nach Krietzschwitz, wo sie seitdem leben.Sie sind keine Ausnahme.

Momentan ist Katzenbaby-Alarm im Tierheim angesagt. Insgesamt 31 süße Schmusetiger im Alter von acht bis 16 Wochen leben in dem Heim beziehungsweise bei Pflegeeltern. „Denn die ganz jungen Kätzchen brauchen eine Rundum-Betreuung. Sie müssen alle drei bis vier Stunden mit spezieller Milch gefüttert werden. Das können wir im Tierheim gar nicht leisten“, erklärt Christel Otto, die ehrenamtlich im Tierheim mithilft. Zwölf ganz junge Katzenkinder leben deshalb bei Pflegefamilien in Coswig und Rosenthal.

Für die anderen ist Christel Otto größtenteils zuständig, die sich selber mit einem humorvollen Wimpernschlag auch ehrenamtliche Katzenstreichlerin nennt. Von einer aktuellen Katzenschwemme möchte sie aber trotz der hohen Anzahl nicht reden. „Im vorigen Jahr hatten wir sogar 48 Katzenjunge. Es hängt vermutlich mit der Paarungszeit zusammen, dass im Spätsommer vermehrt Katzenbabys bei uns abgegeben werden“, erklärt die Expertin. Ganz generell beklagt sie, dass zu wenig Katzen und Kater kastriert werden. Hier sei der Mensch in der Verantwortung.

Die meisten Kätzchen waren zuvor ausgesetzt und dann von Findern ins Tierheim gebracht worden. Aber es kommen auch Besitzer ins Heim, weil sie den tierischen Nachwuchs nicht selber vermitteln können und überfordert seien, berichtet Christel Otto. Die Katzenkinder werden im Tierheim entwurmt, entfloht und zweifach geimpft.

Vorzugsweise vermitteln die Mitarbeiter die Tiere im Doppelpack. „Damit sich bei den Jungtieren ein vernünftiges Sozialverhalten entwickeln kann“, berichtet Christel Otto, die bei zahlreichen Vermittlungsgesprächen dabei ist. Überhaupt schaue man sich die Interessenten sehr genau an. Obwohl Christel Otto ihr Herz an die jungen Vierbeiner verloren hat, freut sie sich, wenn sie eine Katze vermitteln kann, sodass das Tier eine gutes Zuhause bekommt. Nicht selten besucht sie die Katzen nach Vermittlung in dem neuen Umfeld, um sich zu überzeugen, dass es ihnen auch gut geht.

Seit fünf Jahren engagiert sich Christel Otto ehrenamtlich im Tierheim Pirna.

„Früher habe ich mich um Kinder gekümmert, jetzt um Katzen“, sagt die pensionierte Lehrerin. Schon immer habe sie ein besonderes Faible für Katzen gehabt. Fast jeden Tag fährt sie von Königstein nach Krietzschwitz, um die Kätzchen zu füttern, zu streicheln und mit ihnen zu schmusen. Selbst schwerste Fälle sind für die Katzenflüsterin kein Problem. Im vergangenen Jahr hat sie zwei wilde Katzen handzahm gemacht. Wie das? „Mit vielen Streicheleinheiten, Leckerlis, Geduld und ehrlicher Zuneigung. Das spüren die Tiere ganz genau“, weiß die Fachfrau.

Das Tierheim Pirna ist erreichbar unter der Nummer 03501783292