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Sowjetstärken in Radebeul

Eine Schachgroßmacht trumpft noch einmal auf. Bemerkenswert ist außerdem ein deutscher Sieg.

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© Ronald Bonß

Von Jochen Mayer

Zwei russische Mannschaften gewannen bei der Schach-WM der Senioren. Die einstigen Sowjetspieler schienen in Radebeul zu dominieren. „Der Eindruck täuscht nicht“, bestätigt Dirk Jordan, Direktor beim Welt-Schachverband FIDE für die über 50-Jährigen. Der Dresdner verweist auf das beste Schachalter: „Mit 18 bis in die 30er-Jahren sind die Spieler am leistungsfähigsten. Rechnen wir zurück: Vor drei Jahrzehnten sind wir in den 80ern. Da war die Sowjetunion die Topnation im Schach. Diese Spieler sind jetzt bei der Senioren-WM aktiv.“ Die Kräfteverhältnisse haben sich inzwischen geändert, auch im Schach. Nun machen Chinesen und Inder enorme Fortschritte, Westeuropa hat neue Talente.

Die heute Elite des Brettsports wird erst in einigen Jahrzehnten das Niveau bei der Senioren-WM mitbestimmen. Jetzt glänzen dort noch die einstigen Sowjetnationen. In den Teilnehmerzahlen drückt sich dieser Trend allerdings nicht aus. „83 Prozent aller spielaktiven Senioren sind europäisch“, brachte Dirk Jordan für die FIDE in Erfahrung. „Das deckt sich mit Erfahrungen in unserer Gesellschaft. Die ältere Generation wird immer fitter. Das merken wir ganz deutlich auch beim Schach.“

Zum Beispiel bei Teilnehmerzahlen zur Senioren-WM. Vergangenes Jahr starteten 87 Teams in Dresden. „Da wussten wir, dass wir bald an Grenzen stoßen mit dem Veranstaltungshotel“, sagt Dirk Jordan. „Die Spieler waren angetan von Dresden, die meisten wollten wiederkommen. So liebäugelten wir dieses Jahr mit 100 Teams.“ Es wurden 107. Im Radebeuler Radisson Blu bot sich der passende Rahmen. Die nächste WM richtet 2017 Griechenland aus, Dresden bewirbt sich für 2018. Die Entscheidung darüber fällt im September beim FIDE-Kongress in Baku. „Dann rechnen wir mit zehn bis 20 mehr Teams. Dafür sind bis zu 1 800 Quadratmeter Fläche nötig. Das bieten nicht viele Objekte.“

Die Besten starten für Dresden

Die WM-Überraschung war der deutsche Sieg der über 50-Jährigen mit Uwe Bönsch und Raj Tischbierek vom USV TU Dresden. Dazu gewann Bönsch Gold für die beste Leistung aller WM-Teilnehmer am ersten Brett. Beide bekommen nun Verstärkung in ihrem Bundesligateam. „Die besten Deutschen treten künftig für den USV TU an“, berichtet Dirk Jordan. Elisabeth Pähtz kehrt nach Dresden zurück und spielt künftig für den Männer-Erstligisten. Sie steht auf Rang 14 der Frauen-Weltrangliste. Eine weitere TU-Verstärkung ist Liviu-Dieter Nisipeanu, die deutsche Nummer eins.

In gut drei Wochen erlebt Dresden den nächsten Schach-Höhepunkt mit dem Sommerfestival. Bei den German Masters treten die besten deutschen Frauen an – mit Favoritin Elisabeth Pähtz.