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Döbeln

Sozialverband boxt Anträge durch

Der VdK vertritt Kranke, Behinderte und EU-Rentner. Oft werden Anträge abgelehnt. Jetzt kann der Verband besser helfen.

Ute Friedrich (links) und Michaela Hustig halten ein Plakat des VdK. Am Mittwoch hat der Sozialverband sein erstes Büro in Döbeln eröffnet. Der Zugang in der Rathauspassage ist natürlich behindertengerecht.
Ute Friedrich (links) und Michaela Hustig halten ein Plakat des VdK. Am Mittwoch hat der Sozialverband sein erstes Büro in Döbeln eröffnet. Der Zugang in der Rathauspassage ist natürlich behindertengerecht. © Dietmar Thomas

Döbeln. Seit einem Verkehrsunfall vor 14 Jahren sitzt Michaela Hustig im Rollstuhl. Und seitdem engagiert sie sich auch im Sozialverband VdK. Die 63-jährige Vorsitzende des Döbelner Ortsverbands ist zuversichtlich, dass das Interesse am VdK jetzt weiter zunimmt. Am Mittwoch hat der Sozialverband in Döbeln sein erstes ständiges Büro eröffnet. 

Statt der Sprechstunden im Rathaus ist er damit in der Stadt dauerpräsent. Die Mitgliederzahlen waren schon vorher permanent gestiegen. 25 Neueintritte habe es allein in diesem Jahr gegeben, sagte Michaela Hustig. „Es treten auch wieder Leute aus, aber der Zuwachs bleibt. Die Menschen, die zu uns kommen, werden immer jünger. Vor allem die psychischen Erkrankungen nehmen zu.“

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In Döbeln hat der VdK 230 Mitglieder. Mit mehr als 21 000 Mitgliedern in Sachsen ist der Verband die größte Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen, für Senioren und chronisch Kranke. 

Häufig lassen sich Menschen beraten, die eine Schwerbehinderung, die EU-Rente oder Hilfsmittel bei der Krankenkasse beantragen wollen. Bei Mitgliedern geht das Engagement des Verbandes noch erheblich weiter – zur Not bis zur Berufungsverhandlung vor Gericht, sagte Michaela Hustig. „Wir haben dafür Anwälte, die sich damit richtig gut auskennen.“

Dass beantragte Leistungen von den verschiedenen Sozialträgern erst einmal abgelehnt werden, das passiere häufig. „Die Leute resignieren dann schnell, wenn sie mit der Sache nicht so bewandert sind. Wir versuchen, diese Menschen in ihrem Anliegen zu bestärken. Wenn wir als VdK beteiligt sind, müssen sich die Stellen bei der Begründung für eine Ablehnung mehr Mühe geben. Zaubern können wir aber auch nicht“, so Hustig. Wichtig sei vor allem die Mitwirkung der Ärzte, die zu den Anträgen eine Stellungnahme abgeben müssen.

Das Büro in der Rathauspassage am Obermarkt ist für den VdK ein Glücksfall. Er ist nämlich barrierefrei zu erreichen – und das war erst einmal die Grundvoraussetzung, sagte Michaela Hustig. „Wir waren lange auf der Suche nach einem Raum. Die meisten Häuser in der Innenstadt haben Stufen und schmale Türen.“ 

Der Landesverband des VdK finanziert das Büro. Die Einrichtung haben Geschäftsleute und Firmen spendiert. „Wir als Ortsverband halten das alles in Schuss.“ Mit dem festen Büro wird die Arbeit sehr erleichtert. Bisher hatte die Stadtverwaltung dem VdK regelmäßig einen Raum im Rathaus zur Verfügung gestellt.

 „Aber dort können wir kein Material liegen lassen. Und man kann nicht einfach sagen, man lässt am Abend alles liegen und macht am Morgen weiter.“ Ab dem kommenden Jahr soll es in Döbeln dann einen festen Beratungstermin pro Woche und einmal im Monat einen Stammtisch im neuen Büro geben.

Wie behindertengerecht sind die Städte? Auch das ist ein Thema, um das sich der VdK kümmert. In Döbeln sei in Sachen Barrierefreiheit in den vergangenen Jahren vieles berücksichtigt worden, lobte Michaela Hustig. Es gebe genügend Behindertenparkplätze und abgesenkte Bordsteine.

 Auch viele Bushaltestellen seien mittlerweile auf dem modernsten Stand. Wichtig sei das auch für die zunehmende Anzahl älterer Menschen, die mit dem Rollator unterwegs sind. „Nur die Bedürfnisse der Blinden und Sehschwachen sind oft außen vor“, so die Ortsverbandsvorsitzende. Im privaten Bereich sei das Thema behindertengerechte Zugänge problematischer. „Dabei wird der Bau nicht teurer, wenn man das von vorn herein mit einplant.“

Im kommenden Jahr wird der VdK 70 Jahre alt. Wie lange der VdK-Ortsverband Döbeln besteht, das hat Michaela Hustig noch nicht herausfinden können. „Es gibt Mitglieder, die sind seit 27 Jahren dabei.“ VdK, das steht ursprünglich für „Verband der Kriegsgeschädigten“. Diese Generation der Mitglieder stirbt aber langsam aus. „Wir haben noch zwei Kriegsopferwitwen unter unseren Mitgliedern“, sagte Michaela Hustig.