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Sozialwohnung soll nicht auf den ersten Blick erkennbar sein

Luxus oder Billigbau? Experten reden über Mindeststandards beim Sozialwohnungsbau und setzen auf Qualität.

© Visualisierung: Stesad

Kay Haufe

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Dresden. Stefan Forster brachte es auf den Punkt: „Obwohl es uns heute so gut geht wie kaum zuvor, wird nach schlechtem Standard gebaut“, sagt der Architekt aus Frankfurt am Main und warnt die Stadt Dresden davor, auch so vorzugehen. Forster war einer der sieben Experten, die am Dienstag vor Stadträten über Richtlinien für sozialen Wohnungsbau sprachen. Die Stadt hatte Vorschläge gemacht, die über die Kriterien des Landes hinausgehen. Nach der Anhörung wollen sich die Stadträte ein Urteil bilden, was angemessen ist.

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Um in Dresden die geplanten 8 000 Sozialwohnungen zu bauen, muss zugekauft werden. Das kann den Markt aufwirbeln.

Ziel sollte immer sein, dass Sozialwohnungsbau äußerlich nicht von Wohnungen des freien Marktes unterscheidbar ist, sagte Forster, der in seiner Heimatstadt viele soziale Wohnprojekte umgesetzt hat. „Wir bauen Zusammenleben und Stadtbild, das muss sich auch in der Qualität widerspiegeln.“ Auch sein Berliner Kollege Thomas Kaup, Mitglied der Dresdner Gestaltungskommission, betonte den Qualitätsanspruch. Er schlug vor, alle Sozialwohnungs-Projekte durch die Gestaltungskommission freigeben zu lassen. Vor zu großen Standards warnte indes der Dresdner Architekt Ludger Kilian, der kürzlich für mehrere Wohnungsgenossenschaften Neubauten entworfen hat. Um den sozialen Frieden in der Stadt zu wahren, müsse man sich auch an den Genossenschaftwohnungen orientieren, die meist nur einfache oder mittlere Standards aufweisen. Immerhin 200 000 Dresdner leben darin. Nicht jede Sozialwohnung brauche einen Balkon, vor allem die kleinen nicht. Statt eines zweiten großen Bades ab fünf Personen würde auch ein kleines Duschbad reichen. Die Grundrisse sollten flexibel sein, um später aus zwei Zimmern eins zu machen und so auf den Bedarf reagieren zu können, so Kilian.

Genossenschaftsvorstand Olaf Brandenburg von der WGS fragte, wie die Stadt eine Neiddebatte verhindern will, wenn die Sozialwohnungen besser ausgestattet sind, als die meisten seiner Häuser. Die dortige Durchschnittsmiete von rund 5,20 Euro liege zudem deutlich unter den 6,50 Euro, die für die Sozialwohnungen vorgesehen sind.

Andrej Holm, kurzzeitig Staatssekretär für Wohnen und Stadtentwicklung in Berlin, erklärte, dass die Miete von 6,50 Euro deutlich über den jetzigen Kosten der Unterkunft für Hartz-IV-Empfänger in Dresden liege und auch für die zu teuer sei, die einen Wohnberechtigungsschein haben. Um das zu kompensieren, müssten kleinere Wohnungen gebaut werden. Nachhaltigkeit und soziale Durchmischung forderte Peter Barthels vom Mieterverein.

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