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Kamenz

Späte Anerkennung für Kamenzer Archivar

Der viel zu früh verstorbene Dr. Matthias Herrmann sorgt derzeit deutschlandweit für Furore. Mit seiner Doktorarbeit von 1994 zum Reichsarchiv in Koblenz.

Matthias Herrmann im Jahr 2006 im Kamenzer Lessing-Museum.
Matthias Herrmann im Jahr 2006 im Kamenzer Lessing-Museum. © Archivfoto: Matthias Schumann

Kamenz. Die FAZ titelte dieser Tage „Kamenz statt Koblenz“. Dabei war nicht das Dorf Koblenz bei Hoyerswerda gemeint, sondern die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel weit im Westen. Dort ist der Sitz des Deutschen Bundesarchivs, das auch Rechtsnachfolger des vor 100 Jahren gegründeten Reichsarchivs ist. Und um Letzteres geht es dieser Tage verstärkt. Und da kommt auch der frühere Kamenzer Archivar, der viel zu früh an Krebs gestorbene Dr. Matthias Herrmann ins Spiel. Vor allem seine Dissertation, die er 1994 an der Humboldt-Uni in Berlin mit „summa cum laude“ verteidigte, der bestmöglichen Note für Doktorarbeiten.

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Sie hat die gesamte Geschichte des Reichsarchivs als Thema – ein bis heute „auch im Westen unerfülltes Desirat“, wie die FAZ feststellte. „Herrmann hatte die 1989 gewonnene Reisefreiheit genutzt, um westdeutsche Archive aufzusuchen“, heißt es. Die besten Experten auf diesem Gebiet bewerteten die 681 Seiten in zwei Bänden und stellten eine Veröffentlichung in der Schriftenreihe des Bundesarchives in Aussicht. „Das wäre ein Ritterschlag gewesen“, schreibt die FAZ. Warum es nicht dazu kam, ist nicht mehr restlos aufzuklären, aber „der Verweis auf das in einigen Bibliotheken tatsächlich vorhandene Typoskript (der Doktorarbeit – d.A.) ist ein beredetes Zeugnis von Unkenntnis über die Wissenschaft in der DDR“, heißt es weiter. Das Jubiläum der Reichsarchivgründung wurde jetzt in Berlin gefeiert. Eine Veröffentlichung der Disseration sei „derzeit“ aber nicht geplant, erfuhr man auf Nachfrage.

Veröffentlichung des Textes geplant

Und da kommt nun Kamenz ins Spiel. In der Schriftenreihe des Stadtarchivs wird nämlich die Veröffentlichung zu den Lessing-Akzenten im Februar vorbereitet, bestätigt Stadtarchivar Thomas Binder. „Wir greifen auf eine schon von Dr. Herrmann für den Druck gekürzte Variante zurück.“ Der frühere Kamenzer Dirk Ullmann, jetzt Berliner, hat das Lektorat inne. Carsta Off sorgt derzeit für die Endkorrektur. Noch offen ist die Auflagenhöhe und auch der Preis. Das auch durch die FAZ gespiegelte Interesse am Thema sorge schon jetzt für eine erfreuliche Nachfrage, so Binder.

Das freut auch Roland Dantz. Der OB hat das Wirken von Dr. Herrmann immer hoch geschätzt. „Es ist gut, dass dessen Leistung jetzt wenigstens posthum in ganz Deutschland die verdiente Anerkennung erfährt.“ Allerdings werde damit die Frage erneuert, warum DDR-Doktorarbeiten überhaupt „so schwer in die gesamtdeutsche Wissenschaftslandschaft finden“.

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