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Spätes Geständnis

Er hatte Hunderte Dateien mit Kinderpornografie auf seinem Computer – aber beschuldigte seine Angehörigen.

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© Symbolbild: imago/Sven Ellger

Von Alexander Schneider

Es ist schon ziemlich dreist, wie ein 50-jähriger Mann die Justiz zum Narren gehalten hat. Der einschlägig wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Fotos und Videos vorbestrafte Mann hatte unter laufender Bewährung einfach weitergemacht. Kaum hatte die Polizei jedoch 2013 zum zweiten Mal auf dem Computer des Mannes Hunderte Fotos und Videos mit Kinderpornografie sichergestellt, beschuldigte er seinen Bruder, seine Söhne und andere, um den Verdacht von sich abzulenken. Als auch das nicht mehr funktionierte, wollte er sich begutachten lassen, schwänzte aber die Termine. Wieder verstrichen Monate. Erst in seinem Prozess am Mittwoch am Amtsgericht Dresden rang sich der Angeklagte, ein promovierter Physiker, zu einem Geständnis durch.

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Er leide an Depressionen und nehme seit zehn Jahren starke Antidepressiva, sagte er. In Verbindung mit Alkohol habe er sich dazu hinreißen lassen. Er habe sexuelle Befriedigung gesucht, aber nicht wirklich gefunden. Die Antworten zeigten, dass er noch immer nicht einsieht, dass er selbst die Fehler begangen hat. „Sie versuchen, an allen möglichen Stellen Rettungsanker zu werfen“, sagte Gerichtspsychiaterin Kerstin Buchholz. Gleichwohl sei der Angeklagte nicht pädophil veranlagt.

Die Justiz hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Der Angeklagte wurde erstmals 2010 per Strafbefehl zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten verurteilt. Kein Richter hatte sich ihn aus der Nähe angesehen. Ohne Hauptverhandlung war er auch nicht gezwungen, sich mit den Taten und einer möglichen Therapie auseinanderzusetzen. Kurz: Es wurde ihm leicht gemacht, die Dinge auf sich beruhen zu lassen – und irgendwann weiterzumachen.

Im Februar 2013 stieß ein Schweizer Internet-Polizist auf anrüchige Dateien, die er vom Rechner eines Deutschen heruntergeladen hatte. So kam der Physiker zu seinem zweiten Verfahren. Noch ehe die Dresdner Kripo bei ihm klingelte, hatte der Täter von den Ermittlungen erfahren. Offenbar hatte sich jemand im Gericht verquatscht. Dennoch waren die Beweise klar, es fanden sich über 800 Dateien auf dem Laptop.

Die Staatsanwältin forderte eine Haftstrafe von 16 Monaten ohne Bewährung. Der Angeklagte habe bewusst gehandelt. Täter wie er seien für den schweren Missbrauch dieser Kinder – vom Krippenalter an – mitverantwortlich. Richterin Annegret Lissel verurteilte den Mann zu 16 Monaten auf Bewährung, einer Geldauflage von 4 000 Euro und einer Psychotherapie. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.