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Spätzünder am Limit

Andreas Katz überrascht als Achter bei der Tour de Ski mit seinem besten Karriere-Ergebnis.

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Von Gerald Fritsche

Der deutsche Männer-Langlauf ist der Weltspitze bei der Tour de Ski völlig unerwartet wieder nähergekommen. In Oberstdorf gelang Andreas Katz am Mittwoch als Achter des 15-Kilometer-Massenstartrennens ebenso seine beste Weltcup-Platzierung wie tags zuvor Sebastian Eisenlauer als Sprint-Sechster. „Man freut sich normalerweise über die Plätze eins bis drei, doch wir sind auch über einen sechsten und achten Rang glücklich“, sagte Herren-Coach Janko Neuber. Zwei Top-Ten-Plätze innerhalb von 24 Stunden, dazu weitere zwei Platzierungen unter den besten 20 – die Umstrukturierungen zeigen Wirkung.

„Das war einfach ein arschgeiles Rennen“, sagte der zuvor wie entfesselt laufende Katz nach seinem besten Karriere-Ergebnis: „Ich habe die ganze Zeit die Fans an der Strecke schreien gehört, das hat mich brutal motiviert.“ Auf der vorletzten Schleife führte der Baiersbronner das Feld aller Weltklasseathleten eine halbe Runde lang an. „Ein unvergesslicher Moment“, gestand die „Rennkatze“. Dabei war er aufgeregter als sonst am Start. „Ich hatte gehörigen Respekt vor der Strecke und war heilfroh, wenn ich die Abfahrten sturzfrei runtergekommen war“, bemerkte er. Vor der Entscheidung hatte er kurz durchgezählt, mit wie viel Konkurrenten er es überhaupt zu tun hatte. „Aber ich war am Limit, hätte nicht mehr attackieren können.“

Auf eigene Kosten in den Weltcup

Vor der Saison war der 27-Jährige aus dem Kader geflogen und hatte sich auf eigene Kosten ins Weltcup-Team zurückgekämpft. Jonas Dobler aus Traunstein hielt sich wie Katz vorn auf und wurde mit Platz 14 belohnt. „Mir hängt noch der Sturz von Lenzerheide an. Der Minute, die ich dort eingebüßt habe, laufe ich jetzt hinterher“, bemerkte Dobler.

Auch bei den Damen zeigt die Formkurve nach oben. Sandra Ringwald und Denise Herrmann hatten sogar ein Team-Rennen bestritten. „So etwas kann man vorher nicht planen, das entwickelt sich. Wir haben versucht, mit der Gruppe mitzugehen“, berichtete Herrmann, die im Massenstart als Zehnte beste DSV-Starterin war. Ringwald verpasste zwar einen Tag nach ihrem siebten Platz im Sprint über zehn Kilometer einen Top-Ten-Platz knapp, verbesserte sich aber auf Rang 13.

Die Entscheidung in der Tour spitzt sich derweil wieder zu. Bei den Frauen verkürzte Siegerin Therese Johaug den Rückstand auf Ingvild Flugstad Oestberg auf zwölf Sekunden. Bei den Männern erlebte Spitzenreiter Martin Johnsrud Sundby einen rabenschwarzen Tag. Sein Vorsprung schmolz um eine knappe Minute auf nur noch 47 Sekunden. Der Kasache Alexej Poltoranin gewann nach Zielfotoauswertung vor dem Schweizer Dario Cologna. (dpa)