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Sparkasse expandiert mit Crowdfunding-Portal

99Funken wurde in Dresden entwickelt und verhalf bereits gut 150 Initiativen zum Erfolg. Nun bekommen die Macher Unterstützung aus Berlin.

Von Domokos Szabó

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Heute eine Ruine, morgen eine Attraktion für die Gäste der Sächsischen Schweiz. Dieses Ziel verfolgt eine Gruppe von Freiwilligen mit den Überresten der 750 Jahre alten Burg Wehlen nahe der Elbe. Zu Sicherung und Ausbau des alten Gemäuers ist es ein langer Weg. Und ein teurer.

Einen Teil des benötigten Geldes haben sich die Ehrenamtlichen in den vergangenen Wochen über Crowdfunding organisiert. 28 000 Euro kamen bei einer Sammlung im Internet zusammen, 4 000 Euro mehr, als sich die Macher erträumt haben. 170 Unterstützer stellten unterschiedliche Summen zur Verfügung – nun kann der Startschuss für die Arbeiten fallen.

Das wäre ohne 99Funken so nicht möglich gewesen. Unter diesem Namen betreibt die Ostsächsische Sparkasse Dresden ein Crowdfunding-Portal. Der Name will suggerieren: Im Zweifel reicht nur ein Fünkchen in Form von ein paar Euro, um ein Projekt zum Erfolg zu verhelfen.

99Funken funktioniert nach dem Prinzip alles oder nichts – steuern die Unterstützer zusammen die angepeilte Summe bei, steht die Finanzierung. Wenn nicht, gehen die Beträge zurück an die Spender und der Projektinitiator leer aus.

Neu war dieses Prinzip nicht, als die Sparkasse vor vier Jahren ihr Portal startete. Doch in einem regionalen Rahmen ist die Bank die Einzige, die mit Erfolg ein Crowdfundingportal aufgebaut hat. Seit seiner Gründung stand 99Funken bei 156 Projekten finanziell Pate, 820 000 Euro flossen an die Ehrenamtlichen. Mittlerweile kopieren fünf weitere Sparkassen das Modell, darunter Chemnitz und Vogtland, aber auch die Sparkasse Oberpfalz Nord.

Mehr noch: Kürzlich bekam das Geldinstitut für seine Entwicklung den Ritterschlag, und zwar vom Ostdeutschen Sparkassenverband. „Dort ist man auf unser Portal aufmerksam geworden, auch auf die Volumina“, sagt Unternehmenssprecher Andreas Rieger. So durfte er mit den anderen Machern 99Funken am OSV-Sitz in Berlin präsentieren. Das Interesse des Verbandes mündete in einer Rahmenvereinbarung, wonach das Crowdfunding-Portal aus Dresden allen 45 Sparkassen zwischen Ostsee und Osterzgebirge zur Verfügung gestellt wird. In den nächsten Monaten sollen nun fünf bis zehn weitere Sparkassen in Ostdeutschland mit 99Funken starten. Entsprechende Verträge stünden kurz vorm Abschluss, so Andreas Rieger von der Dresdner Regionalbank.

Wer einsteigt, zahlt dafür eine Lizenzgebühr. Allerdings geht es der Sparkasse nach eignen Angaben nicht darum, mit dem Ausrollen des Modells Geld zu verdienen. „Uns interessieren die Themen Mitbestimmung und Bürgerbeteiligung“, sagt Sebastian Thielemann, bei der Sparkasse in Dresden Leiter der Abteilung für Grundsatzfragen. „Und nebenbei bekommt unsere Region ein freundliches Gesicht.“

Sponsoring und die Unterstützung von Ehrenamtlichen gehörten schon vor 99Funken zum Grundverständnis der Sparkasse. Das entsprechende Budget beträgt jährlich rund 3,5 Millionen Euro. Nun wird ein Teil dieses Engagements digitalisiert. So verdoppelt das Geldinstitut in vielen Fällen die Summen, die von privaten Spendern kommen, indem es die gleiche Summe aus eigenen Mitteln drauflegt. Im Fall der Wehlener kamen immerhin 1 000 Euro aus dem Spendentopf der Sparkasse. Gerade dieses letzte Fünkchen aus den Erträgen der Bank half in den vergangenen Jahren vielen Projekten, die Finanzierung letztlich zu stemmen. Die Misserfolgsquote war jedenfalls recht gering: Gerade mal 17 Initiativen fielen in den vergangenen Jahren durch.