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Sparkasse will Kunden vor Niedrigzinsen schützen

Mehr Kredite, weniger Personal, mehr Online: Das Kreditinstitut stellt sich auf die Zukunft ein.

© dpa

Von Sebastian Beutler

Oberlausitz. Von einem Scheitern wie vor zwei Jahren spricht der Vorstandschef der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, Michael Bräuer, nicht mehr. Doch anlässlich der Bilanz des Kreditinstitutes für das vergangene Jahr heißt es in einer Pressemitteilung von ihm: „Die Sparkasse ist bestrebt, ihre Kunden vor den Auswirkungen der EZB-Zinspolitik zu schützen. Das wird aber von Jahr zu Jahr schwieriger.“ Was die Sparkasse damit meint: Durch die Niedrigzinsphase und die Regulierungen, denen das Bankwesen nach der Finanzkrise unterworfen wurde, müssen die Geldhäuser immer öfter Kosten an die Kunden weitergeben. Das gebührenfreie Konto gibt es schon seit Langem nicht mehr, ob weitere oder höhere Gebühren demnächst fällig werden für Dienstleistungen der Sparkasse – Stichwort Negativzinsen – lassen die Vorstände mit der Formulierung offen.

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Trotz der Probleme hat die Sparkasse ihren Überschuss mit 4,4 Millionen Euro 2017 etwa auf Vorjahresniveau halten können. Befürchtet worden war eigentlich ein Rückgang. Dass es doch anders kam, sieht Bräuer am guten Kostenmanagement der Sparkasse: die Ausgaben für Personal und Sachkosten blieben stabil bei rund 43,5 Millionen Euro. Dazu hat das wachsende Onlinegeschäft beigetragen, aber auch, dass mit 514 Mitarbeitern die Sparkasse 19 weniger beschäftigte als noch zwölf Monate zuvor. Und bis 2020 will die Sparkasse sechs ihrer gegenwärtig 37 Filialen schließen, nämlich die in Uhyst, Leutersdorf, Görlitz-Hagenwerder, Görlitz-Südstadt, Zittau-Süd und Obercunnersdorf.

Schon traditionell werden Landkreis und Stadt Görlitz als Träger der Sparkasse vom Überschuss zusammen eine Million Euro überwiesen bekommen, wenn die Zweckverbandsversammlung im Sommer das beschließt. Doch das ist eine Formsache. Die restlichen über drei Millionen Euro sollen in die Reserven der Sparkasse fließen. Die sind vor allem für die höheren Eigenkapital-Anforderungen nötig. Dadurch sollen die Geldhäuser besser gegen Krisen gewappnet sein. Doch gibt es eine Diskussion darüber, ob die erhöhten Anforderungen auch bei Sparkassen oder Volksbanken nötig sind, bei denen die Risiken gerade aus dem Investmentbanking deutlich geringer ausfallen. Gelder, die im Eigenkapital stecken, können eben nicht für andere Dinge ausgegeben werden. Trotzdem bleibt die Sparkasse einer der großen Förderer von Vereinen und der Zivilgesellschaft. 1,32 Millionen Euro gab sie direkt, über die Stiftung der Sparkasse wurden weitere Projekte im Landkreis gefördert.

Nachdem 2016 die Sparkasse einen ziemlichen Einbruch bei neuen Krediten erlebte, kann sie nun auf neue Kredite in Höhe von knapp 190 Millionen Euro verweisen. 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist auch im Vergleich mit den anderen elf sächsischen Sparkassen eine stolze Leistung. Denn alle Sparkassen im Freistaat vermeldeten nach Angaben des Ostdeutschen Sparkassenverbandes einen leichten Rückgang bei der Vergabe neuer Darlehen. Vor allem Unternehmen und Selbstständige erhielten neue Kredite von der Sparkasse, auf private Kreditnehmer entfielen knapp 30 Prozent der Gesamtsumme, vorrangig in Form von Wohnungsbaukrediten. Vor allem bei der Inanspruchnahme von Förderkrediten für energieeffizientes Bauen und Sanieren sowie für Investitionen in die kommunale Infrastruktur sei die Sparkasse Marktführer im Landkreis. „Dafür wurden wir kürzlich auch von der Landesbank Baden-Württemberg als ,Premium-Partner Förderberatung‘ ausgezeichnet“, erklärt Vorstand Frank Hensel. Insgesamt verwaltet die Sparkasse nun einen Kreditbestand von 806 Millionen Euro.

Auch wenn diese Summe stetig wächst, sie bleibt deutlich hinter den Kundeneinlagen zurück. Die Kunden brachten ungeachtet des Nullzinsniveaus neu rund 162 Millionen Euro zur Sparkasse, so dass die Einlagen nun auf rund drei Milliarden Euro stiegen. Hensel sieht darin einen „großen Vertrauensbeweis unserer Kunden gegenüber dem Geschäftsmodell der Sparkasse und der guten Arbeit unserer Berater“. Die Gelder legen die Kunden zunehmend in Wertpapieren an, weil klassische Sparanlagen kaum noch Zinsen abwerfen.