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SPD sortiert sich neu

Nach dem Parteiaustritt des Ortsvereinschefs und dem Tod des Vizes soll es nun Riesas bekanntester Genosse richten.

© Lutz Weidler

Von Britta Veltzke

Riesa. Das Gerücht, die Riesaer SPD habe sich aufgelöst, kommt nicht von ungefähr. Doch das macht es noch lang nicht zur Wahrheit. Anfang März hat der Ortsvereinschef Thomas Hoffmann seinen Posten aufgegeben. Mehr noch: Der Rechtsanwalt verließ die Sozialdemokraten laut eigener Aussage nach fast 40 Jahren. Der Schritt sei ihm schwergefallen, Gründe dafür nennt er jedoch nicht. In Parteikreisen munkelt man, sein Entschluss habe etwas mit dem Eintritt der SPD in die Große Koalition zu tun. Hoffmann möchte das nicht kommentieren.

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Sein Ausscheiden aus dem Ortsverein war nicht der einzige Rückschlag für die Riesaer SPD in jüngster Vergangenheit. Ende Februar starb der Vize-Ortsvereinschef Joern Kladen an einer schweren Krankheit. Als erster Bevollmächtigter der IG Metall in Riesa und Dresden war der 49-Jährige auch als Gewerkschafter bekannt in der Region.

Probleme in der SPD hatte es auch schon vor der Ära Hoffmann gegeben. Hoffmanns Vorgänger Udo Röhl war dafür kritisiert worden, dass er sich zu wenig für die Partei eingesetzt und keine neuen Mitglieder gewonnen habe. Die Unzufriedenheit hatte 2015 zum Rücktritt des kompletten Vorstandes geführt. Der zurückgebliebene Röhl wurde dadurch faktisch entmachtet. Er war zu diesem Zeitpunkt nicht mal ein Jahr lang im Amt.

72 CDU-Mitglieder, 2 Grüne

Die CDU hat 72 Mitglieder in ihrem Stadtverband (Riesa plus Strehla).

Die Linke hat 53 Mitglieder in ihrem Ortsverband Riesa, zu dem auch Zeithain und Strehla gehört.

Die AfD hat keine Riesa-Ortsgruppe.

Die FDP hat 26 Mitglieder im Ortsverband Riesa, in den auch Strehla und Stauchitz eingegliedert sind.

Die Grünen sind im Regionalverband Riesa-Großenhain organisiert. Dieser hat zwölf Mitglieder, zwei aus Riesa.

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Nicht nur in Riesa, sondern in ganz Ostdeutschland schwächelt die SPD. Sachsens Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Martin Dulig wurde von seiner Partei jüngst zum Ostbeauftragten gewählt. In diesem Zusammenhang schrieb er gemeinsam mit der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, in einem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung über den Zustand der Partei im Osten: „Vielerorts kann von einer organisierten SPD angesichts fehlender Mitglieder kaum mehr die Rede sein.“

Das bestätigt auch Klaus Hirschnitz, Regionalgeschäftsführer Ost der SPD. „Es gibt Orte, in denen überhaupt keine Ortsvereine mehr vorhanden sind. In Sebnitz oder Neustadt zum Beispiel.“ Ganz so schlimm sei es in Riesa nicht. Aktuell bestehe der hiesige Ortsverein aus rund 20 Mitgliedern, dazu gehören allerdings auch Strehlaer und Zeithainer. Zu den besten Zeiten seien es doppelt so viele gewesen. „Im Landkreis fällt Riesa im Vergleich zu Radebeul oder Coswig/Weinböhla, was die Mitgliederentwicklung angeht, ab“, so Hirschnitz.

Doch all das hat die Riesaer Genossen noch nicht zur Kapitulation gebracht. Geht es nach Klaus Hirschnitz, soll es jetzt der wohl bekannteste Riesaer Sozialdemokrat richten: Andreas Näther. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Chef des sozialen Trägervereins Sprungbrett ist nicht nur Stadtrat, sondern seit Jahren auch Fraktionschef. Der 59-Jährige hat den Vorsitz des Ortsvereins nun erst mal bis zur nächsten Vorstandstandwahl kommisarisch übernommen. Bei den Wahlen, die Ende Mai/Anfang Juni geplant sind, für den Vorsitz zu kandidieren, schließt Näther nicht aus. Festlegen will er sich aber nicht. Bislang hatte er den Chefposten im Ortsverein immer abgelehnt. „Ich bin schon Stadt- und Kreisrat. Das sind sehr zeitintensive Ämter. Außerdem bin ich ja auch noch berufstätig. Es wäre schön, wenn sich für den Parteivorsitz jemand findet, der die Zeit hat, die Aufbauarbeit zu leisten, die jetzt nötig ist.“ Näther schaut voraus. Angst, dass auch Riesa ein weißer Fleck auf der SPD-Landkarte werden könnte, hat er nicht. Inzwischen treffe sich der Ortsverein wieder regelmäßig. „Wir sortieren uns neu. Dann wollen wir in der Öffentlichkeit wieder präsenter werden“, so Näther. Eins macht ihm Hoffnung: Fünf der rund 20 Mitglieder sind unter 50 Jahren. „Immerhin ein Viertel.“