merken
Politik

SPD-Vorsitz: Auch Petra Köpping kandidiert

Sachsens Integrationsministerin bewirbt sich mit einem Partner aus Niedersachsen um das Amt. Auch ein Bundesminister wirft seinen Hut in den Ring.

Petra Köpping, Sachsens Integrationsministerin, und Boris Pistorius, Innenminister von Niedersachsen, haben intern ihre Kandidatur für den SPD-Vorsitz angekündigt.
Petra Köpping, Sachsens Integrationsministerin, und Boris Pistorius, Innenminister von Niedersachsen, haben intern ihre Kandidatur für den SPD-Vorsitz angekündigt. © Robert Michael/zb/dpa

Berlin. In der SPD gibt es ein weiteres Bewerberpaar für den Parteivorsitz. Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping wollen gemeinsam kandidieren, um die SPD aus der Krise zu führen. Das niedersächsische Innenministerium bestätigte am Freitag die Bewerbung von Pistorius. Sachsens SPD-Chef Martin Dulig machte die Kandidatur von Köpping offiziell. Er habe sie gefragt, teilte der Vizeministerpräsident mit und ergänzte: "Es ist ein herausragendes Zeichen, dass sie ihre Bereitschaft erklärt hat."

Köpping ist seit 2009 Landtagsabgeordnete. 2014 ernannte sie der damalige Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zur Gleichstellungs- und Integrationsministerin. Köpping warb für ein gutes Miteinander zwischen Sachsen und Asylbewerbern. Sie regte wie die Vorsitzendenkandidatin Gesine Schwan an, dass Kommunen mehr Entscheidung bei der Aufnahme von Flüchtlingen erhalten - verknüpft mit finanziellen Anreizen. Die SPD-Ministerin sprach zudem von einer Erwartungshaltung, die Flüchlingen mit Blick auf deren Integration entgegengebracht werden sollte. Hartz IV empfand Köpping bei der Einführung als richtig, fordert nun aber eine Überarbeitung. Zudem verlangt die die 61-Jährige eine bundesweite Kommission zur Aufarbeitung des „Unrechts“ aus der Nachwendezeit.

August Holder GmbH
Zuverlässigkeit und Erfahrung
Zuverlässigkeit und Erfahrung

Kettensäge kaputt oder Profi-Gerät für´s Wochenende gesucht? Bei HOLDER kein Problem: Onlineshop, Werkstatt und Leihservice sorgen für funktionierendes und passendes Gerät.

Köpping war von 2001 bis 2008 Landrätin im Leipziger Land. Die diplomierte Staatsrechtswissenschaftlerin, die im thüringischen Nordhausen geboren wurde, trat im Juni 1989 aus der SED aus. Seit 2002 ist die verheiratete, dreifache Mutter in der SPD. Von 1990 bis 1994 war sie im Außendienst einer Krankenkasse beschäftigt. Zudem amtierte Köpping als Bürgermeisterin von Großpösna nahe Leipzig.

Sachsens SPD-Chef Dulig sagte: "Die Bundespolitik hat in den vergangenen Jahren einen einseitigen Westblick gehabt. Mit Petra Köpping in einer Doppelspitze würde sie den Block einer engagierten Kämpferin für den Osten bekommen." Köpping und Pistorius wollen ihre Pläne Dulig zufolge am Sonntag vorstellen.

Der 59-jährige Pistorius ist seit 2013 Ressortchef in Hannover und gilt als einer der profiliertesten Innenpolitiker der SPD. Zuvor war er Oberbürgermeister in Osnabrück. Die 61 Jahre alte Köpping ist in Dresden seit 2014 Staatsministerin für Gleichstellung und Integration. Vor allem Pistorius hebt sich von den bisherigen Bewerbern ab, die überwiegend auf dem linken Flügel der SPD verortet sind.

Bericht: Auch Scholz erklärt Bereitschaft

Nach einem "Spiegel"-Bericht ist unterdessen auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu einer Kandidatur um den SPD-Vorsitz bereit. "Ich bin bereit anzutreten, wenn ihr das wollt", sagte Scholz nach Informationen des Nachrichtenmagazins am Montag in dieser Woche in einer Telefonschalte mit den Interimsvorsitzenden Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel. Seitdem sondiere Scholz im Hintergrund das Feld und suche eine Tandempartnerin, mit der er als Doppelspitze antreten kann. Scholz hatte bisher erklärt, aus zeitlichen Gründen nicht für den Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen.

Offiziell ihre Bewerbung für den SPD-Vorsitz erklären wollen an diesem Freitag Gesine Schwan und Ralf Stegner. Das Interesse der Vorsitzenden der SPD-Grundwertekommission und des stellvertretenden Parteivorsitzenden war bereits vorab bekanntgeworden. Mit Stegner will der erste Vertreter der Parteispitze kandidieren.

In den vergangenen Tagen hatten sich viele in und außerhalb der SPD immer drängender die Frage gestellt, ob sich auch Schwergewichte aus den Reihen der Minister oder Ministerpräsidenten für den Parteivorsitz bewerben werden. Dies ist bisher nicht der Fall. Baden-Württembergs SPD-Chef Andreas Stoch hatte der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt, er erwarte, "dass auch Leute, die in der ersten Reihe der Partei stehen, Farbe bekennen". Die Kandidatur von Schwan und Stegner genüge ihm da nicht.

Um die Nachfolge der Anfang Juni zurückgetretenen Parteichefin Andrea Nahles haben sich bisher unter anderem mehrere Zweierteams beworben: Europa-Staatsminister Michael Roth und die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann, die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie die Oberbürgermeister Flensburgs und Bautzens, Simone Lange und Alexander Ahrens. Zudem kündigte der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, seine Kandidatur an. Auch der frühere Bundestagsabgeordnete Hans Wallow hatte mitgeteilt, dass er sich bewerben wolle.

Um die Nachfolge der Anfang Juni zurückgetretenen Parteichefin Andrea Nahles haben sich bisher unter anderem mehrere Zweierteams beworben: Europa-Staatsminister Michael Roth und die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann...
Um die Nachfolge der Anfang Juni zurückgetretenen Parteichefin Andrea Nahles haben sich bisher unter anderem mehrere Zweierteams beworben: Europa-Staatsminister Michael Roth und die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann... © dpa
...die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer ...
...die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer ... © dpa
...sowie die Oberbürgermeister Flensburgs und Bautzens, Simone Lange und Alexander Ahrens.
...sowie die Oberbürgermeister Flensburgs und Bautzens, Simone Lange und Alexander Ahrens. © Screenshot/SZ
Nach einem "Spiegel"-Bericht ist auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu einer Kandidatur um den SPD-Vorsitz bereit. 
Nach einem "Spiegel"-Bericht ist auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu einer Kandidatur um den SPD-Vorsitz bereit.  © dpa
Zudem kündigte der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, seine Kandidatur an.
Zudem kündigte der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, seine Kandidatur an. © dpa

Mit Franziska Giffey nahm sich am Donnerstag eine parteiinterne Hoffnungsträgerin selbst aus dem Rennen. Giffeys Dissertation wird derzeit wegen Plagiatverdachts überprüft, sie muss um ihren Doktortitel bangen.

Weiterführende Artikel

Morddrohungen gegen Ministerin

Morddrohungen gegen Ministerin

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping hat Morddrohungen erhalten. Es ist nicht das erste Mal, dass SPD-Politiker hier mit dem Tod bedroht werden.

Ahrens und Lange für Austritt aus der Groko

Ahrens und Lange für Austritt aus der Groko

Die Oberbürgermeister von Bautzen und Flensburg wollen SPD-Vorsitzende werden. In Leipzig stellten sie zum ersten Mal gemeinsam ihr Pläne vor.

Ahrens: Darum will er SPD-Chef werden

Ahrens: Darum will er SPD-Chef werden

Der Bautzener Rathauschef bewirbt sich gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin von Flensburg um das Spitzenamt. 

Die Bewerbungsfrist bei der SPD läuft noch bis 1. September. An diesem Tag muss die SPD zugleich herbe Verluste bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen fürchten. Die neue SPD-Spitze soll dann in einer Mitgliederbefragung faktisch bestimmt und auf einem Parteitag Anfang Dezember gewählt werden. (SZ/ale/dpa)

Mehr zum Thema Politik