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Spendentopf für größere Projekte

Kriebstein will künftig Geld in einer Stiftung sammeln, so die Idee der Bürgermeisterin. Damit weicht sie vom gewohnten Stiftungsgedanken ab.

© André Braun

Von Andreas Neubrand

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Kriebstein. Die meisten Spenden, die die Gemeinde Kriebstein erhält, sind zweckgebunden. Das bedeutet, dass damit ein konkretes Projekt oder eine bestimmte Einrichtung unterstützt werden soll. Doch ab und zu kommt es vor, dass der Gemeinde einfach so Geld geschenkt wird. Für solche Fälle will Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) eine Art Bürgerstiftung gründen. „Mit dem so gesammelten Geld sollen Projekte realisiert werden, die wir sonst nur schwerlich im Haushalt unterbringen können“, erläutert sie und räumt ein: „Wir stehen mit der Idee aber auch noch am Anfang.“

Die Große Kreisstadt Döbeln ist da im Umgang mit Stiftungen erfahrener. „Wir haben zwei Stiftungen. Einmal die Wappenhenschstiftung und eine Bürgerstiftung“, erklärt Stadtkämmerer Gert Wockenfuß. „Bei beiden sind die zurzeit niedrigen Zinsen das Problem. Viel kommt da nicht zusammen.“ Die niedrigen Erträge seien aber nicht allein den niedrigen Zinsen geschuldet, so Wockenfuß. „Da es sich um gemeinnützige Stiftungen handelt, können wir mit dem Geld nicht spekulieren, sondern es nur anlegen. “

Letztes Jahr erhielt die Wappenhenschstiftung 6 500 Euro an Zinserträgen – bei einem Stiftungsvermögen von 536 000 Euro. „Aus der Bürgerstiftung haben wir jetzt 600 Euro erhalten, die wir an Vereine verteilen können“, so Wockenfuß. „Aber wie hoch das Kapital bei der Bürgerstiftung ist, kann ich leider nicht sagen. Das hängt auch immer von den Einzahlungen ab.“

Der Vorteil einer Stiftung sei, dass das Grundkapital nicht angetastet werde. „Hätten wir damals das Geld in den Haushalt gestellt, dann hätten wir damit natürlich auch viel Gutes bewirken können. Doch leider nur einmal“, so Kämmerer Wockenfuß. Aus den Erträgen der Stiftungen könne dagegen jedes Jahr Geld ausgezahlt werden. „Natürlich je nach Zinslage mal mehr und mal weniger“, so Döbelns Kämmerer. Die genaue Verwendung bestimme der Stiftungsrat, „immer im Einklang mit den Zielen der Stiftung“.

Ähnliche Vorteile führt auch Jana Rösch von der Bürgerstiftung der Volksbank Mittweida an: „Jede Spende, die wir bekommen, kommt dann auch an. Außerdem haben so die Bürger die Möglichkeit, sich zu engagieren.“

Doch so weit will Maria Euchler gar nicht gehen. „Ich denke dabei nicht an eine richtige Bürgerstiftung mit Vorstand und Kuratorium. Mir schwebt eher ein Konto vor, auf das die Spenden eingezahlt werden können, die keinen festen Verwendungszweck haben“, sagt sie. Lediglich das Konto solle dann den Namen „Kriebsteiner Bürgerstiftung“ tragen.

Maria Euchler hat auch eine Idee, wie das Geld dann verwendet werden soll: „Mir schwebt vor, erst einige Projekte zu sammeln, bis wir eine kleine Liste zusammen haben. Danach soll aus jedem Ortsteil eine Person in ein Gremium, gewählt werden.“ Ob es sich dabei um einen Angestellten der Gemeinde, um ein Vereinsmitglied oder einen anderweitig engagierten Bürger handelt, sei Nebensache. „Wichtig ist, dass die Bürger der gewählten Person vertrauen“, so Maria Euchler. „Dieses Gremium soll dann das gesammelte Geld einmal im Jahr verteilen. Dafür soll eine Prioritätenliste aufgesellt, und die wichtigsten Projekte mit einer finanziellen Unterstützung bedacht werden.“ Denn wenn für jedes Vorhaben Geld ausgereicht wird, könnte es sein, dass die Summen zu gering sind, um wirklich etwas auf die Beine stellen zu können.

Kriebsteins Kämmerer Wolfgang Hein sieht das Ganze eher skeptisch. „Für mich ist das eine Zweckentfremdung des Begriffs Bürgerstiftung. Eine Stiftung ist für mich eine größere Vermögensmasse, deren Zinsen für einen guten Zweck verwendet werden“, sagt er. Früher habe man über die Verwendung dieses Geldes bei einer Tasse Kaffee in der Frühstückspause entschieden, so Hein. Durch die Bezeichnung Stiftung sei es zu Verwirrungen gekommen. Dabei sollte nur für jeden Spender sichtbar werden, dass das auf das Konto eingezahlte Geld für Bürger verwendet wird.