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Spenderkinder suchen nach ihrem wahren Ich

Wenn ein Paar unfruchtbar ist, hilft eine Samenspende bei der Erfüllung des Kinderwunsches. Doch rechtliche Folgen werden oft nicht bedacht.

© picture alliance / dpa

Von Stefan Kruse, Karlsruhe

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Inga P. (*) hat eine glückliche Kindheit, wird von ihrer Familie geliebt. Als sie 13 Jahr alt ist, lüften ihre Eltern ein bis dahin gut gehütetes Geheimnis: Weil ihr Vater unfruchtbar ist, wurde sie mittels Samenspende eines Unbekannten gezeugt. Die Nachricht wirft Inga nicht aus der Bahn, allerdings will sie nun herausfinden, von wem sie abstammt. Auf die Frage, warum sie das so beschäftigt, antwortet sie mit einer Gegenfrage: „Wer gibt jemandem das Recht, mir meinen biologischen Vater vorzuenthalten? Er macht einen Teil meiner persönlichen Identität aus.“

Menschen wie Inga gibt es viele in Deutschland, wo die künstliche Befruchtung ungewollt kinderlosen Paaren seit den 70er-Jahren bei der Erfüllung ihres Nachwuchswunsches hilft. Sie wollen der Frage auf den Grund gehen, welche Gene sie in sich tragen, welche Charaktereigenschaften sie vielleicht von ihrem biologischen Vater haben.

Dass es reichlich Haken gibt, zeigt ein Fall, mit dem sich der Bundesgerichtshof (BGH) gestern befasste. Zwei Schwestern aus der Nähe von Hannover, heute zwölf und 17 Jahre alt, verklagten eine Reproduktionsklinik, weil diese Auskunft über den biologischen Vater der Kinder verweigerte. Das Amtsgericht Hameln gab der Klage im Juni 2013 statt, das Landgericht Hannover kassierte das Urteil jedoch wieder. Tenor: Unter 16-Jährige seien zu jung, um die Folgen eines solchen Schrittes für alle Beteiligten abzusehen. Nun entschied der Bundesgerichtshof, dass Kinder grundsätzlich ein Recht darauf haben, frühzeitig den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren. „Ein Mindestalter ist nicht erforderlich“, entschieden die Richter.

Jahrzehntelang agierten Samenspender anonym, ließen sich das von Reproduktionszentren oder Samenbanken vertraglich zusichern. Doch seit einiger Zeit räumen Gesetzgeber und Rechtsprechung den Interessen der Spenderkinder tendenziell höheres Gewicht ein. Mit der Folge, dass Spendern nach Preisgabe ihrer Identität theoretisch sogar Unterhalts- oder Erbschaftsklagen drohen könnten.

Das Bundesverfassungsgericht gestand schon 1989 jedem das Recht auf Kenntnis seiner Herkunft zu. 2013 klagte erstmals eine per Samenspende gezeugte Frau ihren Anspruch ein: Das Oberlandesgericht Hamm verpflichtete eine Reproduktionsklinik, den Namen ihres biologischen Vaters zu nennen.

Wie viele Spenderkinder es in Deutschland gibt, ist unbekannt. Der Reproduktionsmediziner Thomas Katzorke schätzte ihre Zahl auf rund 100 000. Jährlich kommen zwischen 1 500 und 5 000 hinzu. (dpa)

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