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Spiel auf Zeit

Kommentar. Uwe Peter über das iranische Atomprogramm.

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Hatten wir das nicht alles schon einmal? Auch die europäische Troika glaubte sich vor einiger Zeit in den Verhandlungen mit Teheran über Irans Atomprogramm schon fast am Ziel. Am Ende stand ein Ergebnis, das sich mit „null Komma nichts“ am besten umschreiben lässt.

Auch die Russen glaubten, einer Lösung nahe zu sein. Schließlich fehlen angeblich nur ein paar Details. Doch genau um diese geht es in dem Streit seit Jahren. Und dass Teheran gerade jetzt und auch noch gegenüber dem nicht eben geliebten großen Nachbarn einknickt, ist nur schwer vorstellbar. Viel eher schon, dass die Mullahs mal wieder auf Zeit spielen, wie schon so oft zuvor.

Natürlich möchte die Führung in Teheran eine Verurteilung vor dem UN-Sicherheitsrat verhindern – übrigens genauso wie die Russen. Die haben wenig Interesse daran, dass ihre Wirtschaftsbeziehungen zum Iran durch mögliche Sanktionen gegen den Iran gefährdet werden. Und Teherans Regime stützt sich derzeit nicht nur auf einen von ihm entfachten neuen Nationalismus im Land, sondern auch auf die Überzeugung, dass weder Amerikaner noch Israelis derzeit einen bewaffneten Konflikt riskieren wollen.

Optimismus ist angesichts dessen fehl am Platze. Möglicherweise ist die UN wirklich der einzige Ort, an dem Teheran versteht, dass es nicht nur dem Westen um weit mehr geht als um Irans vorgeblich nationalen Rechte und Interessen.