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Spindelfabrik wird abgerissen

Die Genehmigung für die Finanzierung ist da. Nun braucht der Turmfalke nur noch ein neues Nest.

© Archiv/André Braun

Von Andreas Neubrand

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Waldheim. Die Stadt Waldheim hat es endlich schriftlich: Die Spindelfabrik kann abgerissen werden. In der Stadtratsitzung am Donnerstagabend erklärte Bürgermeister Steffen Ernst (FDP), dass die Stadt die Genehmigung zum förderunschädlichen Baubeginn erhalten habe. Die Stadt will nun in Vorleistung gehen und den Abriss vorfinanzieren. „Mit dem Bescheid ist ein rückwirkendes Abrufen der Fördermittel möglich“, so Steffen Ernst. „Ohne ihn könnten wir das Geld später nicht erhalten.“ Der nächste Schritt ist die Ausschreibung für den Rückbau der Fabrik, so Ernst.

In der ersten Stadtratsitzung des Jahres hatten noch einige Stadträte Bedenken, dass diese Genehmigung nicht erteilt werde und die Stadt letztendlich auf den Kosten sitzenbleiben würde. Schon damals erklärte Steffen Ernst, dass es sich dabei um eine gängige Praxis handle und „die Behörden immer einen Anfang sehen wollen, bevor sie Geld bewilligen“. Trotz der finanziellen Unsicherheit stimmte der Stadtrat im Januar dem Abriss zu.

Ein Artenschutzgutachten verzögerte bis jetzt den Abriss. Seit die Fabrik leer steht, haben sich dort viele Tiere eingenistet, unter ihnen ein Turmfalke. Damit die Fabrik abgerissen werden kann, muss dieser umziehen. Deshalb stellt die Stadt dem Vogel ein Ausweichquartier im Turm des Rathauses zur Verfügung. „Parallel dazu werden in den nächsten Tagen die Einfluglöcher in der Spindelfabrik provisorisch verschlossen, um den Falken und andere Tiere an einem erneuten Einzug zu hindern“, so Ernst.

Beginnt der Abriss nicht bis spätestens Ende März, müssen die Bagger bis zum Herbst ruhen. „Aber da wäre das Wetter wieder zu unbeständig für einen Abriss“, sagt der Bürgermeister „Dann müssten wir wieder ein Jahr warten.“ Auch stelle der desolate Zustand der Fabrik langsam ein zu hohes Sicherheitsrisiko dar. So sei während des Orkans „Friederike“ ein Baum in die Fabrik gestürzt und es sollen immer wieder Ziegel und Schindel vom Dach fallen. Ein weiteres Problem sei eine vermehrte Ablage von Müll auf dem Fabrikgelände, so Steffen Ernst.

Der komplette Abriss ist mit etwa 572 000 Euro veranschlagt. Davon sollen später 90 Prozent aus dem Fonds zur Revitalisierung von Brachflächen kommen, das hofft zumindest die Stadt Waldheim. Damit wäre das Maximum an Fördermitteln für den Rückbau der Fabrikruine ausgeschöpft.

Lange Zeit war unklar, wem die Fabrik und das 2 865 Quadratmeter große Grundstück gehören. 2016 machte die Stadt die Besitzerin im amerikanischen Bundesstaat Texas aus. Da diese wenig Ambitionen zeigte, in Waldheim zu investieren, kaufte die Stadt der Rentnerin das Areal zum Preis von 120 000 Euro ab.