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Spitzenklasse im deutschen Mittelstand

© Jens Trenkler

Am Freitagabend wurden die Stadtwerke Görlitz ausgezeichnet. Wei das Unternehmen so innovativ ist.

Von Sebastian Beutler

Görlitz. Die Stadtwerke Görlitz gehören zu den 100 innovativsten Firmen des deutschen Mittelstandes. Am Freitagabend nahm Vorstand Matthias Block die Auszeichnung im Schloss von Ludwigsburg (Baden-Württemberg) aus den Händen des bekannten Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar entgegen. Neben Yogeshwar war die Veranstaltung weiterhin hochkarätig besetzt: So begleitete der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, den Abend, und die Tagesschausprecherin Linda Zervakis übernahm die Moderation.

Matthias Block kann zu Recht stolz auf die Mitarbeiter der Stadtwerke sein. © Ralph Schermann

Um in den erlauchten Kreis der 100 Unternehmen vorzustoßen, mussten sich die Stadtwerke einem unabhängigen Auswahlverfahren stellen. Seit 1993 wird das Top-100-Siegel für besondere Innovationskraft vom Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien sowie der Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung und des Bundesverbandes der mitteldeutschen Wirtschaft vergeben. „Wir sind sehr stolz, dass wir zu den 100 besten Innovationsunternehmen des deutschen Mittelstands gehören“, sagte Matthias Block. Die 100 Unternehmen kommen aus allen Teilen Deutschlands und widerspiegeln die ganze Bandbreite der Wirtschaft: vom Maschinenbau über die Chemieindustrie bis hin zu Medizintechnik und Finanzdienstleistungen. Für Block war die Preisverleihung innerhalb weniger Tage ein zweiter Grund zur Freude. Zuvor war bereits sein Vorstandsvertrag bei den Görlitzer Stadtwerken um weitere fünf Jahre verlängert worden. Block führt das Unternehmen seit zehn Jahren.

Die Stadtwerke haben durch verschiedene Maßnahmen die Prüfer überzeugt. So gibt es in jeder Abteilung einen Innovationsscout, also einen Mitarbeiter, der nach potenziell wertschöpfenden Ideen forscht. Seit 2017 werden sie von drei Mitarbeitern unterstützt, die in der Hälfte ihrer Arbeitszeit neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Sie sind für diese Zeit von ihren sonstigen Arbeiten freigestellt, wurden extra geschult und arbeiten gemeinsam mit dem Vorstand.

Energiewende für den Görlitzer

So ist ein Klima für Innovationen in dem Unternehmen mit seinen 365 Mitarbeitern geschaffen worden, dass sich auch in den Produkten widerspiegelt. Die Stadtwerke versorgen seit 2017 ihre privaten und kleingewerblichen Kunden ausschließlich mit Ökostrom und Kohlendioxid-neutralem Gas. „In unserer vom Kohletagebau geprägten Gegend war die komplette Umstellung ein Wagnis“, sagt Vorstandsvorsitzender Matthias Block. Daher freue es ihn nun, dass die Kunden mitziehen. Auch die Anlagen zur dezentralen Energieversorgung in der Altstadt gehören zu den modernen Projekten. Die Stadtwerke hatten bereits vor acht Jahren einen Prozess gestartet, um sich vom Versorger zum „Umsorger“ zu entwickeln. Angesichts der Energiewende, der Digitalisierung und der Veränderungen in der Energiebranche setzen die Stadtwerke verstärkt auf zusätzliche Dienstleistungen wie schnelles Internet, Elektromobilität, Car-Sharing und individuelle Energieprojekte. So sollen die Arbeitsplätze und das lokale Engagement, beispielsweise für das Straßentheaterfestival „Viathea“, erhalten werden. Dort sind die Stadtwerke einer der wichtigsten privaten Geldgeber und richten jedes Jahr am Freitagabend den Empfang des Festivals aus.

Auch in den kommenden Jahren wollen die Stadtwerke sich dem Vergleich stellen und sich erneut von der renommierten Preis-Jury überprüfen lassen.