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Spitzentreffen zur Bombardier-Zukunft

Die Auftragsbücher des Werkes in Görlitz sind rappelvoll. Das macht eine Investorensuche schwierig.

© Bernd Settnik/dpa

Von Ulrich Wolf und Sebastian Beutler

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Berlin/Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Zukunft der Bombardier-Werke in Görlitz und Bautzen zur Chefsache gemacht. Am Freitagvormittag trafen er und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sich mit dem Deutschland-Chef des kanadischen Schienenfahrzeugbauers in Berlin.

Kretschmer sagte nach dem rund einstündigen Gespräch der SZ, er habe auf den Erhalt der sächsischen Standorte gedrängt. Bombardier-Manager Michael Fohrer habe ihm das Konzept des sächsischen Schienenfahrzeugzentrums mit der Spezialisierung der beiden Werke erläutert. Daran halte Bombardier fest. Vonseiten des Konzerns hieß es , der Dialog sei „die Basis für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der sächsischen Politik“.

Vor allem das Görlitzer Werk leidet wegen seines hohen Auftragbestands unter ausbleibenden Investitionen und hohen Kosten. Es scheint daher prädestiniert zu sein fürs Sparen. Bombardier will allein in Deutschland 2200 Jobs streichen, laufende Aufträge sollen vor allem mit Leiharbeitern erfüllt werden. Zwar garantierte Bombardier für Görlitz einen Kündigungsschutz bis Ende 2019, andererseits etablierte das Unternehmen auch ein freiwilliges Ausstiegsprogramm. Zudem lässt es Verkaufsoptionen prüfen.

Nach SZ-Informationen ist mit dem tschechischen Flugzeughersteller Aero Vodochody bereits ein Interessent abgesprungen. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Quantum Capital Partners, der das insolvente Waggonbauwerk in Niesky gehört, stößt beim Betriebsrat wie auch bei der Landesregierung auf wenig Gegenliebe. Geldgeber aus China, wo der größte Schienenfahrzeugproduzent der Welt beheimatet ist, lehnt Bombardier ab. Man stärke damit die Konkurrenz, heißt es.

Im Rennen sind hingegen noch die Finanzinvestoren Aurelius, Adcuram, Mutares und Paradigm Capital aus München sowie die amerikanische Revolution Capital Group. Als weiterer Interessent gilt die ebenfalls bei München ansässige Zeppenfeld-Industriegruppe, die bereits in Halberstadt und Mühlhausen zwei Bahnindustriezulieferer besitzt.

Auch eine Übernahme durch Bombardier eigene Manager ist möglich. Der Finanzfachmann Frank Theileis bemühe sich um Investoren in Hongkong, heißt es in Bankenkreisen. Die Göteborger Beratungsfirma C. I. Pihl hingegen favorisiere ein für das Werk in Görlitz. Die Schweden sind nach eigenen Angaben auf „lokale Entscheidungen in globalen Organisationen“ spezialisiert.

Als größtes Verkaufshindernis erweist sich nach SZ-Informationen der hohe Auftragsbestand in Görlitz. Die rund 1100 Mitarbeiter bauen unter anderem für Siemens die Wagenkasten und Drehgestelle für 220 ICE-4-Züge. Auch ein Großauftrag der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) zum Bau von Doppelstockwagen ist noch längst nicht abgearbeitet.

Die Auslieferung könnte sich nun noch weiter verzögern: Die Dachorganisation der Schweizer Behindertenverbände will erneut gegen die SBB klagen, etwa weil Rollstuhlfahrer die Züge ohne fremde Hilfe nicht verlassen könnten. Die Ausstiegsrampe sei zu steil, heißt es.

Einem Bericht des schweizerischen Fernsehens zufolge ist der SBB-Auftrag am 13. Februar Thema in der nationalrätlichen Verkehrskommission. Bislang hat Bombardier vier Züge übergeben. 21 weitere sollen in diesem Jahr noch folgen. Der Start im Passagierbetrieb ist Ende Februar geplant.