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Sport

2G in Fußballstadien spaltet Liga, Vereine und Fans

Mancherorts sind wieder mehr Zuschauer erlaubt, doch tun sich Klubs mit Rücksicht auf die aktive Fanszene schwer. Zum Beispiel in Frankfurt und bei Dynamo.

Im Dresdner Harbig-Stadion gilt die 3G-Regel, deshalb kann der K-Block maskenlos mit der Mannschaft feiern.
Im Dresdner Harbig-Stadion gilt die 3G-Regel, deshalb kann der K-Block maskenlos mit der Mannschaft feiern. © dpa/Robert Michael

Von Frank Hellmann und Tino Meyer

Dresden/Frankfurt. Wer etwas über die Hausmacht der Ultras von Eintracht Frankfurt erfahren will, muss nur eine der vielen Baustellen der Mainmetropole ansehen. Neue Fahrspuren wie die Ostumgehung der A661 sind noch gar nicht eröffnet, da prangt auf den Betonfassaden schon das Graffiti der Ultras. Ihre Markierungen prägen nicht nur das Stadtbild, sondern vor der Corona-Krise besaßen sie auch die Stimmungshoheit in der Frankfurter Arena. Und Traditionsduelle wie das Heimspiel gegen den 1. FC Köln wären eigentlich ihre Bühne, doch setzen weite Teil der organisierten Fanszene weiter keinen Fuß aufs Stadiongelände im Frankfurter Stadtwald. Sie wollen erst wiederkommen, wenn ultimativ niemand ausgeschlossen wird.

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24.000 Zuschauer haben am Samstag die Partie live vor Ort verfolgt, nur hatte das Gesundheitsamt Frankfurt signalisiert, dass auch 31.000 Zuschauer erlaubt gewesen wären – vorausgesetzt die 2G-Regel würde im Stehplatzbereich eingehalten. Das heißt also, nur Geimpfte und Genesene dürften rein. Es ist ein Zankapfel, längst nicht nur in Frankfurt.

Ähnlich Erfahrungen macht auch Dynamo Dresden in diesen Tagen. Per Twitter hat der K-Block, das Epi-Zentrum der Ultras im heimischen Rudolf-Harbig-Stadion und auch auswärts oft genug stimmgewaltigen als die gegnerischen Fans, jetzt bekanntgegeben, dass man das Spiel beim FC St. Pauli am nächsten Sonntag boykottieren werde. Dort nämlich gilt die 2G-Regel, was dem Hamburger Kiezklub ein volles Stadion mit fast 30.000 Zuschauern beschert.

Restlos ausverkauft dürfte es nicht sein, denn der Gäste-Block wird wohl leer bleiben. „Kurz und knapp: Wir lehnen diese Methodik ab und werden als aktive Fanszene nicht nach Hamburg fahren. Die Vollauslastung ist ein erster Schritt in Richtung Normalität, jedoch erschließt sich für uns eine Regelverschärfung bei einer Freiluftveranstaltung nur bedingt“, heißt es in der Twitter-Nachricht. Jedem Dynamofan müsse es ermöglicht werden, egal ob geimpft, genesen oder getestet, seine Mannschaft unterstützen zu können.

Die aktiven Fans pochen auf den Zugang auch für Getestete – und machen damit Druck auf den Verein. Wie sich der in Dresden positioniert, ist offen. Die Antwort auf eine SZ-Anfrage aus der vergangenen Woche steht noch aus.

Müssen auch alle Spieler impfen?

In Frankfurt hat man sich bereits entschieden. Die Eintracht hat sich solidarisch gezeigt und verzichtet auf eine Erhöhung der Kapazität – und einen erhöhten Geräuschpegel. „Wir hatten bei aller Freude über den nächsten Kapazitätsschritt gehofft, die Genehmigung zumindest für einen Grundstock an Getesteten auch in einem vollausgelasteten Stehplatzbereich zu erhalten“, kommentierte Eintracht-Justiziar Philipp Reschke die Gemengelage und äußerte Verständnis, dass „für einen Großteil unserer organisierten Fanszene die Rückkehr zur Normalität auch eine Frage der Geschlossenheit ist.“

Die Grundsatzfrage haben die Hessen aufgeschoben: Was tun, wenn die mächtigste Zuschauergruppe auf ihre Haltung pocht? Dieses heiße Eisen muss irgendwann angefasst werden. Die Frage, wer künftig ein Fußballspiel besuchen darf, hat das Potenzial zum Spaltpilz. Wer die 2G-Bestimmung als Grundlage für den Einlass konsequent zu Ende denkt, müsste auch Spieler und Trainer, Service- und Sicherheitskräfte, Polzisten und Journalisten einbeziehen. Doch zeigte sich im Sommer, dass selbst unter den Profis eine erschreckend hohe Zahl offenbar keine Notwendigkeit zur vorsorgenden Impfung sah.

Ist die Lösung 2Gplus?

Als Lösung bietet sich das 2Gplus-Modell vom FSV Mainz 05 an. Der Verein will nach der Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz zwar einerseits den Geimpften und Genesenen „wieder deutlich mehr Freiräume gewähren“ und zum Heimspiel gegen Union Berlin (3. Oktober) erstmals 25.000 Fans zulassen, für sie entfallen sogar Maskenpflicht, Abstandregeln und die Personalisierung der Eintrittskarten. Gleichzeitig werden aber drei Blöcke für ausschließlich Getestete geöffnet, die dann auf Abstand im Schachbrettmuster sitzen. Hier werden 1.000 Karten ausgegeben. Klingt nach einem klugen Kompromiss, nur stellt sich in Mainz eher die Frage, ob auch alle 25.000 Tickets wirklich Abnehmer finden.

An anderen Standorten ist die Sehnsucht nach einer Erhöhung der Auslastung riesig. Zuschauerträchtige Klubs wie Borussia Dortmund und der 1. FC Köln, die ohnehin bis auf wenige Ausnahmen nach der 2G-Regel verfahren, warten händeringend auf eine neue Corona-Verordnung für Nordrhein-Westfalen, die nach der Länderspielpause auch den Einlass von 50.000 Zuschauer erlauben könnte.

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