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Deutschlands Champion von morgen - ohne Wettkampf

Jessica Degenhardt aus Dresden gewinnt einen großen Titel, dabei sind alle Rennen ausgefallen. Jetzt konzentriert sich die Rodlerin erst mal auf die Abiturprüfung.

Jessica Degenhardt war die beste Junioren-Rodlern der Welt. Folgt nun ihr Durchbruch bei den Frauen?
Jessica Degenhardt war die beste Junioren-Rodlern der Welt. Folgt nun ihr Durchbruch bei den Frauen? © dpa/Sebastian Kahnert

Altenberg. Die Ehrung kommt so verdient wie unverhofft. Das Magazin go!d der Deutschen Sporthilfe hat die Dresdner Rennrodlerin Jessica Degenhardt mit zwei anderen deutschen Top-Nachwuchsathleten zu den „Champions von morgen“ gekürt. Die eigentliche Wahl zu den Juniorsportlern des Jahres 2020 musste mangels Wettbewerbe aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen, und auch Degenhardt, die für den RRC Altenberg startet, blieb im zurückliegenden Winter ohne Wettkampf.

Im Gegensatz zu den Rennrodel-Profis, die in ihrer Corona-Blase neun Weltcups und auch die Weltmeisterschaft ausfahren konnten, wurden im Junioren- und Nachwuchsbereich alle Termine abgesagt. „Meine Erfolge liegen ja schon eine Saison zurück. Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl“, sagt Degenhardt. Zumindest das Training war möglich. „Ich war schulbedingt als Kontaktperson zwei Wochen in Quarantäne – ansonsten konnten wir komplett durchtrainieren“, erzählt sie.

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In der Saison davor war die 18-Jährige die beste Junioren-Rodlerin der Welt. Gold bei den Olympischen Jugendspielen im erstmals ausgefahrenen weiblichen Doppelsitzer, dazu Silber im Einzel, danach der WM-Titel bei den Juniorinnen, garniert mit WM-Gold mit der Teamstaffel sowie der Gewinn des Gesamtweltcups bei den Juniorinnen (Einzel & Doppel) – eine erstklassige Bilanz. Zudem durfte Degenhardt zum Abschluss der Vorsaison ihren ersten Weltcup absolvieren, sie wurde als damals noch 17-Jährige beachtliche Elfte.

„Ich fahre für mich“

Umso härter traf sie die neue Corona-Realität. Degenhardt brauchte eine ganze Weile, um der neuen Situation auch positive Seiten abzugewinnen. „Am Anfang der Saison war ich schon traurig, dass wirklich nichts stattfindet, man hat quasi auf nichts hintrainiert. Sonst sieht man immer ein Ziel vor Augen. Das gab es einfach nicht“, blickt sie zurück. „Es war beispielsweise geplant, dass ich noch die deutsche Meisterschaft mitmache, das ist dann auch geplatzt.“

Die Rodlerin hat die Lage für sich analysiert und beschlossen, nach vorne zu blicken. „Es war ein Prozess, mir zu sagen: Ich muss mich jetzt auf andere Dinge konzentrieren, einfach mehr in mich gehen und für mich selbst trainieren. Das ist mir gelungen“, erzählt Degenhardt und spricht von Fortschritten. „Materialtechnisch, aber auch für mich persönlich. Ich habe wieder extrem viel mehr Spaß am Fahren, ich konnte die Zeit genießen. Ansonsten“, meint sie, „geht genau das manchmal ein bisschen unter bei all den Wettkämpfen und der Hektik.“ Ihre wichtigste Grunderkenntnis: „Ich fahre für mich, weil es mir einfach so viel Spaß macht. Das war das Große an der Saison.“

Degenhardt erhielt vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) einen neuen Schlitten, der genau auf ihre Bedürfnisse und körperlichen Voraussetzungen zugeschnitten ist. „Der musste komplett neu aufgebaut werden, neben der Wanne auch die Schienen und Kufen. Das erfordert Zeit und Arbeit, das geht nicht von heute auf morgen“, sagt sie.

Apropos morgen: Die vom Sporthilfe-Magazin verliehene Auszeichung könnte auch als zusätzlicher Ballast verstanden werden. Degenhardt, die von Junioren-Bundestrainer Steffen Sartor trainiert wird, sagt dazu einfach: „Nö.“ Und sie erklärt ihre unverkrampfte Herangehensweise. „Die Leute, die den Titel vergeben haben, haben sich mit meiner Leistung beschäftigt und trauen mir das offenbar zu. Warum sollte ich mir das nicht auch zutrauen“, fragt sie und gibt die Antwort gleich selbst. „Das bestärkt mich eigentlich noch, ich freue mich sehr doll über die Auszeichnung.“

Olympia 2022 kommt wohl noch zu früh

Der nächste Karrieresprung wird allerdings wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, zwei Jahre darf Degenhardt noch im Juniorenbereich starten. Bei den Olympischen Spiele in Peking im Februar 2022 sieht sich die Dresdnerin selbst noch nicht. Auch, weil Deutschland die Rodel-Nation schlechthin ist und die nationale Konkurrenz immens groß. „Ich würde mir zutrauen, dass ich in den nächsten Jahren auf jeden Fall da vorn mitspielen kann. Ob das nächstes Jahr ist, in zwei, drei oder vier Jahren, wissen wir nicht. Ich bin ja noch jung“, sagt sie und setzt vielmehr auf die Winterspiele 2026 in Mailand. „Realistischer ist für mich 2026, es ist auch völlig in Ordnung, das so zu formulieren. Wenn es eher kommt, freue ich mich auch drüber. Aber ich habe 2026 fest vor Augen“, betont sie.

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Jetzt stehen erst einmal die Abiturprüfungen an. In den drei Leistungskursen Sport, Mathe und Englisch wird Degenhardt geprüft – sowie in Deutsch und Geografie. Unter Corona-Bedingungen alles andere als ein Selbstläufer. „Das Problem ist, dass wir derzeit nur Unterricht in den Prüfungsfächern haben. Alle anderen Fächer müssen wir nachholen, weil wir die Noten auch für das Abi brauchen. Nach den Prüfungen haben wir also weiter Unterricht“, erklärt sie.

Danach will das große Rodel-Talent in die Fördergruppe der Bundespolizei in Bad Endorf aufgenommen werden, ihre Bewerbung hat sie schon abgeschickt.

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