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Vom Leben ins Koma und zurück

Stephan Swat lag mit einer Covid-19-Erkrankung fast zwei Monate auf der Intensivstation. Der Trainer des EHV Aue kämpft sich wieder in ein normales Leben.

„Eine heimtückische Krankheit“ – sagt Stephan Swat über Corona.
„Eine heimtückische Krankheit“ – sagt Stephan Swat über Corona. © dpa/Ronny Hartmann

Von Sebastian Wutzler

Aue. Kämpfer, Optimist, Realist: Stephan Swat wirkt im Gespräch so, wie ihn seine Spieler und sein Umfeld kennen. „Die Lust und die Sehnsucht, in die Halle zurückzukehren, werden immer größer. Aber momentan wäre noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Die Belastung würde ich wahrscheinlich noch nicht verkraften“, sagt der Trainer des Handball-Zweitligisten EHV Aue.

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Dass der 43-Jährige überhaupt wieder darüber nachdenkt, auf die Trainerbank zurückzukehren, bezeichnet EHV-Manager Rüdiger Jurke als ein „kleines Wunder“. Denn vor wenigen Wochen bangten Swats Familie, seine Freunde und Bekannte um sein Leben. „Im Nachhinein habe ich erfahren, dass meine Überlebenschance bei unter 20 Prozent lag“, erzählt Swat.

Mitte November hatte sich der Trainer mit Corona infiziert. Was mit grippeähnlichen Symptomen wie Halsschmerzen und leichtem Fieber begann, nahm bei Swat innerhalb kürzester Zeit einen dramatischen Verlauf. „Es ging rapide abwärts. Ich bekam am zweiten Tag 40,5 Grad Fieber, mir tat alles weh und ich wurde kurzatmig. Am 25. November kam ich schließlich ins Krankenhaus“, berichtet der Familienvater.

Transport im Krankenwagen wäre tödlich gewesen

Sein Zustand aber verschlechterte sich weiter. Am 8. Dezember entschieden sich die Ärzte, Swat in ein künstliches Koma zu versetzen: „An dem Tag war ich so schlapp, dass mir die Ärzte sagten, dass es erforderlich sei, mich zu intubieren. Weil ich körperlich am Ende war, habe ich meine Zustimmung gegeben. Ich habe daraufhin meiner Frau geschrieben, dass ich mein Handy jetzt ausschalte.“

Zwölf Tage lang befand sich der gebürtige Hoyerswerdaer im Koma. 16 Stunden lag er täglich auf dem Bauch, die restlichen acht Stunden auf dem Rücken. „Aber davon habe ich nichts mitbekommen“, sagt Swat, der sogar nach Leipzig ausgeflogen werden sollte. „Das Wetter war aber so schlecht, dass der Flug nicht möglich war. Die Ärztin hat gemeint, dass ich einen Transport im Krankenwagen nicht überleben werde. Das habe ich alles im Unterbewusstsein mitbekommen – in diesem Moment setzte wieder die Kämpfernatur in mir ein.“

Seine Werte verbesserten sich, Swat erwachte aus dem Koma. „Als ich meine Frau und meine Kinder am Intensivbett gesehen habe, hat mir das zusätzlich sehr viel Kraft gegeben“, sagt der Trainer. Kraft, die ihm körperlich fehlte. Denn der stattliche Kerl von einst 95 Kilogramm hat durch die Corona-Tortur 24 Kilo verloren.

Dass Swat offen über seine schwere Covid-19-Erkrankung spricht, hat für ihn einen ernsten Hintergrund. Er will diejenigen sensibilisieren, die Corona verharmlosen. „Ich habe kein Verständnis für diejenigen, die Covid-19 mit einer Grippe vergleichen. Corona kann jeden treffen, nicht nur Personen aus den Risikogruppen, sondern auch junge Menschen ohne Vorerkrankung. Es ist eine heimtückische Krankheit“, erklärt Swat.

Lugenvolumen von 59 auf 75 Prozent gesteigert

Bis Ende März wird er in der Reha-Klinik Flechtingen bei Magdeburg behandelt. Auf dem Programm steht vor allem viel Bewegung. „Als ich hierher kam, lag mein reines Lungenvolumen bei 59 Prozent, aktuell sind es 75. Problematisch ist der Gasaustausch. Das Blut nimmt noch nicht so viel Sauerstoff auf, das schränkt schon ein“, sagt Swat. Dazu sind seine Nerven im rechten Arm aufgrund der Lagerung während des Komas geschädigt.

Im April oder Mai will sich Swat mit Manager Jurke und den Ärzten zusammensetzen, um über den Zeitplan seiner Rückkehr auf die Trainerbank zu sprechen. „Wir haben Stephans Vertrag, der Ende Juni ausgelaufen wäre, nach dem Beginn seiner Erkrankung bis 2022 verlängert. Aber wir sind uns einig, dass er vorerst weiter Geduld braucht. Und die Ärzte müssen es auch vertreten können“, meint Jurke.

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Bis zum Saisonende trainiert Runar Sigtryggsson die Auer Mannschaft, die derzeit im Tabellenmittelfeld der 2. Liga rangiert. „Er macht das sehr gut, ich schaue mir die Spiele alle am Laptop an. Aber ich halte mich komplett zurück und lasse die Jungs machen“, sagt Swat – um anschließend seinen nächsten Termin in der Reha-Klinik wahrzunehmen: eine Runde auf dem Ergometer für den Weg zurück in ein normales Leben. (dpa)

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