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Sport

Die vierte Liga spielt jetzt im Internet

Ein Streaming-Dienst zeigt alle Tore der Regionalliga Nordost – und das kostenfrei. Doch wer steckt hinter Ostsport-TV?

Heiko Mallwitz ist Kommentator, Firmensprecher und einer von zwei Festangestellten bei Ostsport-TV. Nebenbei arbeitet er weiter für den Sender Sky.
Heiko Mallwitz ist Kommentator, Firmensprecher und einer von zwei Festangestellten bei Ostsport-TV. Nebenbei arbeitet er weiter für den Sender Sky. © Picture Alliance/Wende

Berlin. Die deutsche Fußball-Fernsehlandschaft ist längst ein Flickenteppich. ARD, ZDF, RTL, Sport 1, Sky, DAZN, Magenta-TV, Amazon Prime – all diese Sender und Streaming-Dienste mischen inzwischen mit im Geschäft Live-Übertragung. Den Überblick zu behalten, wer welche Spiele in welchem Wettbewerb zu welchen Preisen zeigt, ist nahezu unmöglich.

Nicht nur auf der großen Fußballbühne hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert, selbst in der vierten Liga gibt es seit dieser Saison einen neuen Anbieter: Ostsport-TV. Dahinter stecken der Berliner Medienanwalt Robert Karehnke und Heiko Mallwitz, der aus Potsdam stammt und als Sportreporter bereits für MDR, ZDF, DSF sowie Sport1 kommentiert hat und weiterhin für Sky arbeitet.

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Das Zwei-Mann-Unternehmen hat das Rechtepaket für die Regionalliga Nordost erworben, in der Traditionsklubs wie Carl Zeiss Jena, Chemie und Lok Leipzig, Energie Cottbus sowie der Chemnitzer FC spielen. Der Vertrag mit dem MDR war ausgelaufen. „Da haben wir zugeschlagen. So ein Konstrukt ist einmalig in Deutschland, das gab es noch nie“, erklärt Mallwitz, der zugleich als Reporter und Firmensprecher agiert.

Es gibt keine Bezahlschranke

Ostsport-TV zeigt über seine Internetseite von allen 380 Spielen der laufenden Saison die Höhepunkte und überträgt an jedem Wochenende zwei bis drei Spiele live in voller Länge – kostenfrei. Es gibt keine Bezahlschranke.

Die Frage, die sich da zwangsweise stellt: Wie finanziert sich das Streaming-Start-up? „Einerseits über den Verkauf von Sublizenzen. MDR und RBB dürfen in dieser Saison insgesamt 50 Spiele zeigen“, erklärt Mallwitz. Die andere Säule ist Werbung. So könnten die Vereinssponsoren beispielsweise sämtliche Zusammenfassungen ihrer Mannschaften präsentieren. Mit der Akquise wurde inzwischen eine Agentur beauftragt.

In Sachen Werbung sei noch Luft nach oben, räumt Mallwitz ein. Eine schwarze Null ist am Saisonende das Ziel. Eine siebenstellige Summe investierten die Jung-Unternehmer in die Senderechte und die technische Abwicklung der Übertragungen. Mit der wurden zwei Produktionsfirmen beauftragt.

„Bei den Livespielen sind wir mit Übertragungswagen, sieben Kameras und 14 Mitarbeitern im Stadion“, erklärt der 54-Jährige. Bei den Partien, von denen lediglich Zusammenfassungen laufen, werden drei Kameras und zwei Mitarbeiter eingesetzt. „An einem Spieltag sind wir mit etwa 50 Leuten unterwegs“, so Mallwitz.

Nach neun Spieltagen bereits 1,5 Millionen Klicks

Mit der Resonanz bisher ist er „unfassbar zufrieden“. Nach neun Spieltagen hat Ostsport-TV 1,5 Millionen Klicks gesammelt. „Zum Vergleich: Der MDR hatte bei seinen Streaming-Angeboten der Regionalliga 4,8 Millionen Klicks – das aber nach fünf Jahren“, sagt er.

Den Spitzenwert mit fast 100.000 Klicks erreichte gleich zum Auftakt das Duell zwischen dem Berliner AK und Carl Zeiss Jena. Kein Derby also und kein Spiel mit großer Historie. Doch bei den Berlinern stand Stürmer Nader El-Jindaoui auf dem Platz, und der hat fast eine Million Instagram-Follower.

Das Echo der Fans sei fast durchweg positiv, erklärt Mallwitz. „Dass sie sich alle Tore ihres Lieblingsvereins kostenfrei anschauen können – das gab es noch nie.“ Die 20 Regionalligisten profitieren ebenfalls vom Vertrag, der über vier Spielzeiten läuft und eine zweijährige Option enthält.

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„Wir haben dem Verband eine Summe X im sechsstelligen Bereich gezahlt, der verteilt sie dann nach einem bestimmten Schlüssel an die Vereine“, erklärt Mallwitz. Ob die TV-Erlöse höher oder niedriger sind als in den Jahren zuvor, als noch der MDR das Rechtepaket besaß, verrät er nicht. Da waren es rund 15.000 Euro pro Verein.

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