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Die Skeleton-Weltmeisterin ist in Altenberg ein Sonderfall

Tina Hermann wird weiterhin vom umstrittenen Ex-Bundestrainer betreut, der nun auch die starken Russen trainiert. Das bringt neue Konflikte mit sich.

So eine WM ist immer ein Fingerzeig, besonders aber für Titelverteidigerin Tina Hermann. Die Skeletonpilotin erlebt eine emotional sehr turbulente Saison.
So eine WM ist immer ein Fingerzeig, besonders aber für Titelverteidigerin Tina Hermann. Die Skeletonpilotin erlebt eine emotional sehr turbulente Saison. © Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Von Frank Kastner und Tino Meyer

Altenberg. Erfolge sind Motivation, manchmal aber auch eine Last, für die deutschen Skeletonis zum Beispiel. Alle drei Titel haben sie im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften in Altenberg gewonnen, dazu fünf von neun möglichen Medaillen. „Ich weiß, dass das Ergebnis schwer zu wiederholen ist. Da hat einfach alles gepasst, und auch die Wetterbedingungen waren sehr gut“, sagt Bundestrainer Christian Baude nun ein Jahr später.

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Wieder ist die WM in Altenberg, doch nicht nur das Ziel hat sich geändert (pro Disziplin eine Medaille), sondern auch die Gemengelage. Mittendrin: die Titelverteidigerin Tina Hermann und ihr langjähriger Heimtrainer Dirk Matschenz, der vergangenes Jahr noch Bundestrainer war.

Direkt nach der erfolgreichen WM im Februar 2020 folgte jedoch die Trennung, die allerdings nur für Außenstehende überraschend kam. Intern gab es schon längere Zeit atmosphärische Konflikte, die dann in einem Schreiben gipfelten – unterzeichnet unter anderem von allen WM-Startern, außer Hermann. Darin kritisierten die Athleten den Führungsstil von Matschenz und forderten seine Absetzung.

Weitere Konflikte sollten vermieden werden

Der gebürtige Ilmenauer gilt in der Branche als Materialspezialist – und als knallharter Trainer. Viele Athleten spürten dabei eine Sonderbehandlung für Hermann und beklagten Matschenz’ Doppelrolle. Der Verband reagierte, zumal die Vorwürfe nicht neu waren. Man habe weitere Konflikte vermeiden wollen, erklärte Verbandschef Thomas Schwab. Das Risiko, Matschenz könnte mit seinem Know-how andere Nationen nach vorne bringen, musste zwangsläufig eingeplant werden. Doch auch der Zutritt zu Trainingsstätten wurde ihm untersagt.

Hermann traf das völlig unerwartet. „Diese Entscheidung hat mir die Füße unter dem Boden weggezogen. Ich habe mich zurückgezogen und einfach nur geheult“, sagte die 28-Jährige vom Königssee. Sie fühle sich vom Verband verlassen und wolle einfach nur mit dem Trainer zusammenarbeiten, der aus ihrer Sicht keinen Fehler gemacht habe. Sogar ein sofortiges Karriere-Ende stand im Raum.

„Das ist ein harter Schlag für die Tina. Aber wenn es in der Zusammenarbeit mit Athleten zu große Probleme gibt, dann muss ein Verband auch die Reißleine ziehen können – und das haben wir im Fall Dirk Matschenz getan“, betonte Schwab indes. Man einigte sich schließlich auf einen durchaus brisanten Kompromiss.

Titelverteidigerin wohnt nicht im deutschen Teamhotel

Matschenz, der mittlerweile bei den starken Russen angeheuert hatte, darf Hermann weiterhin trainieren. „Nach vielen Gesprächen haben wir uns so verständigt. Beim Material und bei den Unterkünften vollziehen wir jedoch eine Trennung vom deutschen Team“, sagt Neu-Bundestrainer Baude.

So wohnt Hermann auch bei der WM in Altenberg nicht im deutschen Hotel, wie sie erklärt. „Ich werde vor Ort von Dirk betreut, und er kümmert sich weiterhin um meinen Schlitten.“

Bezeichnend war die neue Konstellation beim Weltcupfinale direkt vor der WM: Während die Deutschen in Altenberg trainierten, starteten die traditionell am Start dominierenden und nun beim Material erkennbar verbesserten Russen inklusive Hermann in Innsbruck.

WM-Entscheidung ein deutsch-russisches Duell

Ein rein deutsch-russisches Duell ist die WM-Entscheidung. Olympiasieger Alexander Tretjakow liegt nach zwei von vier Läufen knapp vor Felix Keisinger und Titelverteidiger Christopher Grotheer, gefolgt von Jevgeni Rukosuev und Alexander Gassner. Bei den Frauen führt Jaqueline Lölling vor Elena Nikitina und Hermann, die aber die besten Chancen auf den Sieg besitzt.

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