merken
Sport

So jubelt der neue Profibox-Weltmeister

Robin Krasniqi bestraft die Überheblichkeit von Dominic Bösel. Er hat im ersten ARD-Kampf seit sechs Jahren mehr Biss und die bessere Taktik.

Robin Krasniqi trägt jetzt die Gürtel der Verbände IBO und WBA. Er ist durch einen überraschenden Erfolg gegen Dominic Bösel neuer Weltmeister im Halbschwergewicht.
Robin Krasniqi trägt jetzt die Gürtel der Verbände IBO und WBA. Er ist durch einen überraschenden Erfolg gegen Dominic Bösel neuer Weltmeister im Halbschwergewicht. © dpa/Ronny Hartmann

Magdeburg. Mit einer krachenden Rechten schickte Robin Krasniqi den überraschten Titelverteidiger Dominic Bösel auf die Bretter. Dann ging er zu Boden. Krasniqi sank in die Knie, schloss die Augen und ließ einen sekundenlangen Urschrei folgen. "Dieser Kampf war nicht nur heute. Er hat 15 Jahre gedauert", sagte der neue Box-Weltmeister im Halbschwergewicht emotional aufgewühlt im Ring.

Der Wahl-Augsburger, der nach seiner abenteuerlichen Flucht aus dem Kosovo nach Deutschland im Boxen Halt und Perspektive fand, ist endlich am Ziel seiner Träume angelangt. Im dritten Anlauf bestieg der 33-Jährige unerwartet den WM-Thron. Bei der Box-Gala am Samstagabend vor 2.000 Zuschauern in der Magdeburger Getec-Arena nahm er Bösel durch technischen K. o. in der 3. Runde den WBA-Interimstitel und den Gürtel des kleineren Verbandes IBO ab.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Im SES-Boxstall hatte man sich für den ersten ARD-Boxkampf seit knapp sechs Jahren einen anderen Ausgang des internen Duells gewünscht. Der technisch hochbegabte Bösel ist spätestens seit dem WM-Sieg 2019 das große Zugpferd. Doch der 30-Jährige, der sich im Vorfeld hart an der Grenze zur Überheblichkeit geäußert hatte, war sich seiner Sache zu sicher gewesen. Die blitzschnellen Rechten seines ehemaligen Sparring-Partners hatte er jedenfalls nicht kommen sehen. "Wenn man extrem konzentriert ist und damit rechnet, passiert es einem vielleicht nicht so schnell, als wenn man das nicht einplant", kritisierte ARD-Experte Henry Maske. "Dominic war sträflich offen."

Nach dem heftigen Niederschlag in Runde drei lag Bösel benommen und mit glasigen Augen minutenlang auf dem Boden. Bevor er zur Vorsorge ins Krankenhaus gebracht wurde, musste der Verlierer noch fürs Fernsehen seine zweite Niederlage im 32. Profikampf bewerten. Viel mehr als ein "Ich bin erschrocken" und "Mit so etwas rechnet man nicht" kam dabei nicht herum.

Klar ist: Ein Rückkampf ist vertraglich festgelegt. Früher oder später dürfte es dazu kommen. Bis dahin will Krasniqi, der nur als Ersatzkämpfer für den wegen der Corona-Maßnahmen verhinderten Australier Zac Dunn eingesprungen war, das Glücksgefühl auskosten. "Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, geweint", sagte der zweifache Europameister im niedrigeren Supermittelgewicht. "Wir sind jetzt da, wo wir hingehören." Dies sei "der größte Tag meines Lebens". Zuvor hatte Krasniqi in seiner Karriere die WM-Kämpfe gegen Nathan Cleverly (2013) und Jürgen Brähmer (2015) verloren.

Krasniqis Sieg, der sich schon in der 2. Runde bei einem klaren Treffer angedeutet hatte, war auch taktisch begründet. "Sie haben es einstudiert", sagte SES-Promoter Ulf Steinforth. "Sie haben gesehen, dass da eine Lücke ist. Die Taktik ist aufgegangen." Der ehemalige Weltmeister Maske, der viele seiner Kämpfe ähnlich gewonnen hatte, meinte: "Für Robin freut es mich, daran wird er wachsen." Dem unterlegenen Bösel gab Maske einen Rat mit auf dem Weg: "Eine gesunde Vorsicht schützt vor Gefahr."

Weiterführende Artikel

„Alle schauen auf uns" - und haben Existenzangst

„Alle schauen auf uns" - und haben Existenzangst

Der ostdeutsche Boxstall SES darf mit Ausnahmegenehmigung wieder Zuschauer an den Ring lassen. Ein Gespräch über die Angst einer ganzen Branche.

Die ARD hätte sich bei ihrem Comeback im Boxen sicherlich einen etwas längeren Kampf gewünscht. Die Einschaltquote von durchschnittlich 2,5 Millionen Zuschauern dürfte die Verantwortlichen dennoch zufriedenstellen. Ob auch ein Rückkampf im ARD-Hauptprogramm laufen würde, ist offen. Ein langfristiger Vertrag wie zu besten Box-Zeiten existiert nicht. (sid)

Mehr zum Thema Sport