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Bundes-Turntrainerin übt Selbstkritik

Im Zusammenhang mit den Vorfällen am Olympiastützpunkt Chemnitz mahnt Ulla Koch, ein Nein der Sportler muss auch als Nein verstanden werden.

Ulla Koch, Cheftrainerin der deutschen Turnerinnen.
Ulla Koch, Cheftrainerin der deutschen Turnerinnen. © Archiv: dpa/Thomas Kienzle

Tokio. Nach der jüngsten Debatte über Missbrauchsvorwürfe im Turnen hat die deutsche Cheftrainerin Ulla Koch Veränderungen angekündigt und auch Selbstkritik geübt. Sie habe "keine gute Zeit hinter mir die letzten Wochen und Monate, weil ich mich bei all dem, was passiert ist und was berichtet wird, natürlich auch mitschuldig fühle", sagte Koch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Turnerinnen des Olympiastützpunktes Chemnitz hatten ihrer ehemaligen Trainerin Gabriele Frehse vorgeworfen, sie schikaniert, ihnen unerlaubt Medikamente verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben. Frehse bestreitet die Vorwürfe und geht juristisch gegen ihre Kündigung vor.

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Sie sei "lange Jahre in dem System, und ich weiß auch, wo es bei mir gehakt hat, wo unsere Vorbilder waren, wer uns da geprägt hat", sagte Koch nun und betonte: "Aber ich finde, es ist wichtig, dass man erkennt, dass man Veränderungen schaffen muss."

Bundestrainerin Ulla Koch (l) trainiert mit Emilie Petz, Elisabeth Seitz und Pauline Schäfer, Mitglieder des deutschen Turn-Teams, am Schwebebalken für die Olympischen Spiele in Tokio.
Bundestrainerin Ulla Koch (l) trainiert mit Emilie Petz, Elisabeth Seitz und Pauline Schäfer, Mitglieder des deutschen Turn-Teams, am Schwebebalken für die Olympischen Spiele in Tokio. © kyodo/dpa

Auf die Frage, wie ihre Definition von psychischer Gewalt laute, sagte die 66-Jährige unter anderem: "Wo psychische Gewalt anfängt und was nicht sein darf, ist, wenn Menschen in ihrem Selbstwertgefühl geschwächt werden, immer wieder Druck ausgeübt und die Persönlichkeit des Menschen negiert wird."

Aus den Gesprächen der vergangenen Monate habe sie gelernt: "Wir müssen alle sensibler werden für Athleten, die sagen: Ich kann nicht mehr, ich brauche jetzt Ruhe. Und wir müssen den Athleten beibringen zu sagen: Ich kann jetzt nicht mehr."

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Das Wort Nein müsse man auch als Nein verstehen. "Da müssen wir in der Trainer-Aus- und Fortbildung noch eine Menge optimieren. Ich bin der Meinung, dass man nicht mit psychischer Gewalt Hochleistungssport erzwingen kann, weil die Athleten vorher zerbrechen", sagte Koch. (dpa)

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