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Corona-Wutrede bringt die Zuschauer zurück

Leipzigs Handball-Chef hatte sich in Rage geredet und dabei Mut und Sachverstand von Politikern infrage gestellt. Mit Erfolg, auch für andere Sportveranstaltungen.

Der Zeitpunkt könnte für Leipzigs Handballer kaum besser sein. Zum Heimspiel gegen Tabellenführer Kiel dürfen erstmals seit November wieder Fans in der Arena dabei sein. Allerdings unter strengen Auflagen.
Der Zeitpunkt könnte für Leipzigs Handballer kaum besser sein. Zum Heimspiel gegen Tabellenführer Kiel dürfen erstmals seit November wieder Fans in der Arena dabei sein. Allerdings unter strengen Auflagen. © Klaus Trotter

Leipzig. Euphorisch ist vom Signal die Rede, auf das Handballfans in Leipzig, Sachsen und ganz Mitteldeutschland gewartet haben. Karsten Günther, wortgewaltiger wie umtriebiger Manager des Bundesligisten SC DHfK und sozusagen der Signalauslöser, spricht sogar von einem Meilenstein. Fakt ist: An diesem Donnerstag darf in Sachsen erstmals seit mehr als einem halben Jahr wieder eine Sportveranstaltung mit Publikum stattfinden. Bis zu 1.000 Zuschauer sind für das Heimspiel der DHfK-Handballer gegen den Tabellenführer THW Kiel in der Arena Leipzig genehmigt worden.

Möglich macht das, so die offizielle Version, das von der Stadt sowie diversen zuständigen Ministerien bewilligte und zudem wissenschaftlich begleitete Modellprojekt „Sportveranstaltungen mit Besuchern in Leipzig“. „Ich bin sehr glücklich, dass es geklappt hat und wir wieder mit unseren Fans und Partnern in die Arena dürfen“, sagt Günther, der eigentlich für die vom Verein schon längst akribisch vorbereitete Zuschauer-Rückkehr verantwortlich ist. Oder besser: seine Wutrede.

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Am Dienstag vergangener Woche hatte der Manager mit reichlich Argumenten und zunehmend mehr Emotionen die unbefriedigende Situation inmitten der Corona-Krise dargestellt – für den Sport allgemein und die Handballer des SC DHfK im Besonderen. Günthers Ausführungen gipfelten in der ernst gemeinten Feststellung: „Unsere Spieler können in der Arena vor 1.000 Zuschauern Volkslieder singen, aber Handball dürfen sie nicht spielen.“ Denn so ist nach wie vor die Sachlage laut aktuell gültiger sächsischer Corona-Schutzverordnung. Paragraf 18 erlaubt die Öffnung von Kulturstätten samt Publikum, während Paragraf 19 den Sportbetrieb weiterhin verbietet – mit Ausnahmen für Profis, Schule und Kinder. Von Zuschauern kein Wort, obwohl es, so Günther, entsprechende Konzepte und geringe Inzidenzen gebe.

„Sinnvolle Lösungen scheinen in diesem Land nicht mehr möglich, weil sich jeder hinter Paragrafen versteckt und immer auf die nächste Instanz verweist“, kritisierte Günther in Richtung politische Entscheidungsträger, ohne Namen zu nennen.

Vorbereitungen laufen seit März

Die Zustimmung war ihm weit über den Freistaat hinaus dennoch sicher, und auch in der Landesregierung bewegte sich plötzlich etwas. Schon am Tag nach seiner Wutrede erfuhr Günther spürbare Bemühungen, dass es mit der Zuschauer-Rückkehr für das Kiel-Spiel klappen könnte, am Mittwochmittag nun folgte die endgültige Zustimmung. Auch der sächsische Datenschutzbeauftragte hatte als letzte noch offene Instanz seine Genehmigung erteilt.

Das Pilotprojekt ist an strenge Auflagen gebunden: Jeder Zuschauer muss unabhängig vom Impf- oder Genesenen-Status einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen. Vorgeschrieben sind zudem: personalisierte Tickets, die Ausweis- und Sitzplatzpflicht sowie das Tragen einer FFP2-Maske. „Für ein absolut sicheres Heimspielerlebnis“, wie der SC DHfK an seine Dauerkarteninhaber, Partner und Sponsoren schreibt, die ein Erstzugriffsrecht haben.

Bereits seit Ende März ist der Verein auf dieses Szenario vorbereitet. Aufgrund der zunächst greifenden Bundes-Notbremse und zuletzt vermehrt „juristischen Winkelzügen“ (O-Ton Günther) konnte des Modellprojekt bislang aber nicht gestartet werden. „Das war ein super Teamwork auf der Zielgeraden“, meint Günther jetzt und bedankt sich ausdrücklich bei Sozialministerin Petra Köpping und Ministerpräsident Michael Kretschmer, „die sich hier persönlich für die Belange des Sports stark gemacht haben“.

Kurzfristig habe man das Modellprojekt umsetzen und mittelfristig für alle Sportveranstaltungen in Sachsen eine Perspektive erarbeiten können. „Diese wird sich in der neuen Corona-Schutzverordnung wiederfinden und damit nachhaltig etwas für den Sport in Sachsen bewirken“, sagt er.

Schon an diesem Sonntag profitiert der Tennisklub Dresden-Blasewitz davon. Beim Bundesliga-Auftakt der Frauen dürfen vollständig Geimpfte und Genesene als Besucher im Waldpark dabei sein.

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