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Die Finals – was ist das für ein neues Sportformat?

Kleine Sportarten groß im TV: Das Fernsehen spielt bei den Meisterschaften eine Hauptrolle. Das freut auch die Starter aus Dresden. Alles über das Mega-Event.

Die Dresdner Schwimmerin Leonie Kullmann wirbt auch in Dresden für die Finals, startet dort aber gar nicht.
Die Dresdner Schwimmerin Leonie Kullmann wirbt auch in Dresden für die Finals, startet dort aber gar nicht. © Jürgen Lösel

Vorbild waren die European Championships 2018 in Glasgow und Berlin, als sieben Europameisterschaften innerhalb von zehn Tagen an zwei Orten ausgetragen worden, wobei in Berlin lediglich die Leichtathleten antraten. Die Begeisterung bei den Sportlern wie den übertragenden TV-Sendern war riesig. Im August 2022 ist München Gastgeber der zweiten European Championships. Das Format wurde erstmals 2019 auf nationale Ebene übertragen, in Berlin verfolgten 178.000 Zuschauer zehn deutsche Meisterschaften – insgesamt 5,71 Millionen schauten am Fernsehen zu. Auch das war ein riesiger Erfolg.

Was ist jetzt anders als bei der Premiere vor zwei Jahren?

Viel. Nach der coronabedingten Absage 2020 sind die Finals spürbar gewachsen – es gibt nun mehr Sportarten (18 statt zehn), mehr Gastgeberorte (drei statt einem) und mehr Veranstaltungstage (sechs statt drei). In der Rhein-Ruhr-Region werden Wettkämpfe in zehn Sportarten ausgetragen, in Berlin sind es sieben, die Leichtathleten küren ihre Meister in Braunschweig. Insgesamt starten 2.300 Athleten.

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Warum sind die Finals für die Sportverbände so lukrativ?

Wegen der umfangreichen Fernsehübertragung. Bisher fanden deutsche Meisterschaften – mal abgesehen von denen in der Leichtathletik – überwiegend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung statt. Das ist bei den Finals komplett anders. ARD und ZDF übertragen von Donnerstag bis Sonntag insgesamt 25 Stunden live, hinzu kommen ausführliche Livestreams im Internet. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender sind mit 160 Kameras, 15 Übertragungswagen und 700 Mitarbeitern vor Ort. „Trotz Olympia, Fußball-EM und Tour de France sind die Finals das Sportereignis in diesem Sommer, für den die ARD den größten Aufwand betreibt“, erklärt ARD-Sportchef Axel Balkausky. Sämtliche Signale müssen die Sender selbst produzieren. Die Sportverbände bekommen mit den Finals die Chance, ihre Top-Athleten und auch ihre Sponsoren einem Millionenpublikum zu präsentieren. Deshalb wollen so viele mitmachen.

Dürfen Zuschauer in die Stadien und Hallen?

Lange sah es so aus, als ob niemand kommen kann. In den vergangenen Tagen genehmigten die örtlichen Behörden jedoch unter strengen Hygieneauflagen zum Teil den Zutritt zu den Wettkampfstätten, etwa beim Kanu in Duisburg, dem Reiten in Balve, dem Klettern in Bochum, im Berliner Olympiapark sowie bei den Leichtathleten in Braunschweig. Dort dürfen an den drei Wettkampftagen insgesamt 4.000 Fans ins Stadion.

Geht es bei den Finals um mehr als nur die Meistertitel?

Die Veranstalter werben damit, dass in den kommenden Tagen auch Tickets für die Ende Juli in Tokio beginnenden Olympischen Spiele vergeben werden. Doch das trifft nur auf die Turner, Leichtathleten, Wasserspringer, die als Erste bereits am Dienstag in die Finals gestartet waren, und Dressurreiter zu – und selbst da nur eingeschränkt. In den meisten Sportarten ist die Qualifikation schon vorbei oder wird bei internationalen Wettkämpfen ausgetragen. Durch Corona hat sich da viel verschoben.

Welche Athleten aus Ostsachsen kämpfen um Olympia?

Die Wasserspringer Tina Punzel und Martin Wolfram aus Dresden müssen nach ihrer erfolgreichen Qualifikation nun eine „nationale Normpunktzahl“ nachweisen. Das ist allerdings reine Formsache. Bei deutschen Meisterschaften vergeben die Kampfrichter erfahrungsgemäß mehr Punkte als bei einer EM oder WM. Karl Bebendorf hätte deutlich bessere Chancen auf ein Olympia-Ticket, wenn er in Braunschweig das Rennen über 3.000 Meter Hindernis gewinnt. Sportkletterin Lucia Dörffel, die in Dresden trainiert, startet zwar, kann sich aber nicht mehr für die Spiele qualifizieren. Kanute Tom Liebscher und Schwimmerin Leonie Kullmann sind bereits für Olympia nominiert und fehlen bei den Finals. Liebscher tritt zeitgleich bei der EM in Poznan (Polen) an. Kullmann, die in den vergangenen Wochen auf vielen Plakaten für die Wettbewerbe geworben hatte, ist mit einem Teil des Olympiakaders der Beckenschwimmer im Höhentrainingslager in der spanischen Sierra Nevada.

Wird schon über die Dresdner Bewerbung entschieden?

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Noch nicht. Dresden möchte die Finals 2024 und da besonders die Leichtathletik-DM ausrichten. „Wir sind sehr zuversichtlich, in den nächsten Tagen oder Wochen bekannt geben zu können, wo wir in den nächsten beiden Jahren die Finals stattfinden lassen“, sagte Balkausky. Das wäre 2022 und 2023. Es gibt zudem erste Überlegungen, das Format auf die Wintersportarten zu übertragen.

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