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Lawinen stoppen sächsische Expedition am Pik Lenin

Die sächsische PMX21-Expedition erreicht ganz neue Höhen. Beim Aufstieg müssen die Gipfelgänger eine Vernunft-Entscheidung treffen.

Unterwegs im Pamir. „Diesmal ist alles anders, vielleicht weil die Dimensionen so viel größer sind“, sagt Elias Betka, der sich hier durch die Schneemassen kämpft.
Unterwegs im Pamir. „Diesmal ist alles anders, vielleicht weil die Dimensionen so viel größer sind“, sagt Elias Betka, der sich hier durch die Schneemassen kämpft. © PMX21

Dresden. Sie wären die ersten auf dem Pik Lenin gewesen in dieser Kletter-Saison. Es sollte aber nicht sein. „Leider war viel zu viel Schnee gefallen, der sorgte für enorme Lawinengefahr am steilen Anstieg zur sogenannten Sichel kurz vorm Gipfelaufbau“, erzählt Elias Betka mit deutlichen, klaren Worten. Die Telefonverbindung ins Basislager im fernen Kirgisistan ist um einiges besser als das Wetter.

Der Dresdner war am 28. Juni mit Milan Lülsdorf bis auf 6.700 Meter gekommen. Für beide Alpinisten ist es ein persönlicher Höhenrekord. Weil sie da aber sahen, was am Steilanstieg zur Sichel an Schneemassen bis zum Gipfel auf 7.134 Metern auf sie hätte zukommen können, entschieden sie sich schweren Herzens, den Gipfelversuch abzubrechen. „Das war die einzig mögliche vernünftige Entscheidung“, sagt Betka. Die Reise der Sachsen aber geht weiter.

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Ihre PMX21-Expedition hat drei Siebentausender-Gipfel im Pamir und Tian Shan zum Ziel, und der Pik Lenin war die erste Station fürs fünfköpfige Team. Alle wussten, dass die Vorsaison ihre speziellen Tücken haben könnte. Wetter, Sturm und Neuschnee sind immer schwer kalkulierbar, erst recht einige Wochen bevor die eigentliche Klettersaison am Pik Lenin beginnt.

Schlechtwetterfront verhindert zweiten Versucht

„Für die vielen Warnungen, die wir vorher hörten, sind wir ziemlich weit gekommen“, erklärt Betka. „Aber wir erlebten auch die Vorzüge dieser Periode, konnten die Einsamkeit genießen, waren alleine am Berg unterwegs. Der ist in den nächsten Wochen extrem überlaufen.“ Das PMX21-Team hatte nur ein paar Österreicher als Mitbewohner im Basislager. Die bauten nach einem abgebrochenen Gipfelversuch schon Tage zuvor die Zelte ab.

Das deutsche Team fühlt sich jetzt bestens akklimatisiert und an die Höhenbedingungen mit reduziertem Sauerstoff angepasst. „Das ist eine gute Grundlage für die nächsten Etappen“, sagt Matthias Nolden, der ursprünglich ebenfalls den Gipfelversuch wagen wollte.

Doch er war einige Tage gesundheitlich angeschlagen und fühlte sich noch nicht wieder fit für einen kraftraubenden Höhengang. So blieb der Dresdner mit Nele Sadler und Philipp Werner im Basislager. Zu fünft hatten sie in gut vier Wochen die Lagerkette bis jenseits der 6.000 Meter aufgebaut, waren immer wieder bergauf gezogen und hatten ihre Erfahrungen mit Schnee, Sturm und Höhenluft gemacht.

Unterwegs sahen sie mehrfach, wie Lawinen abgingen oder ihre Spuren hinterlassen hatten. „Vor allem von der Nordwand stürzten Schneemassen in die Tiefe. Von solchen Lawinen will keiner überrascht werden“, sagt Lülsdorf. Trotz der hochalpinen Gefahr hatten sie den ernsthaften Gipfelversuch unternommen. „Es war die letzte Chance vor einer aufziehenden Schlechtwetterfront, die dann auch noch schneller eintraf als prognostiziert“, erklärt Lülsdorf, warum ihnen am Ende auch noch die Zeit am Pik Lenin davonlief.

„Ich bin froh, dass nichts passiert ist“

Enttäuscht klingen die Alpinisten beim Telefonat nicht. „Ich bin eigentlich ein ehrgeiziger Typ“, sagt Betka. „In den Alpen war ich immer sehr angefressen, wenn ein Gipfelversuch nicht gelingen wollte. Diesmal ist alles anders, vielleicht weil die Dimensionen so viel größer sind. Ich bin froh, dass nichts passiert ist, wir nicht in Bergnot geraten sind.“

Sie haben auch ohne den Gipfelerfolg jede Menge neue Erfahrungen gemacht, und sie trotzten allen Widrigkeiten der Natur in der Höhe. Zudem gab es die persönliche Premiere, jenseits der 6.000 Meter mit Skiern abzufahren. Beim Abstieg waren sie an der Schneegrenze dann von den Brettern auf die Laufschuhe umgestiegen. Die Temperaturen seien nicht zu krass gewesen, in der Höhe nachts von minus zehn bis 15 Grad im Zelt. Dafür waren sie gut gerüstet mit ihren Schlafsäcken.

Im Basislager herrschten tagsüber gut 30 Grad in den Zelten. Dort staunten sie vor allem über die Infrastruktur und das gut funktionierende Internet, worüber der Kontakt in die Heimat lief. Die nächsten Tage sind die Fünf unterwegs in Kirgisistan, müssen Visa erneuern, Verpflegung kaufen, Organisatorisches regeln. Danach brechen sie auf zur nächsten Etappe. Vier bis sechs Tage wird dann ihr Trekking zum Basislager des Khan Tengri dauern. Am 17. Juli soll dort ein Helikopter das Hauptgepäck einfliegen.

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„Wenn das Wetter besser mitspielt, könnte es Ende Juli den nächsten Gipfelversuch geben“, sagt Betka. „Wir hoffen, dort bis jenseits der 7.000 Meter zu kommen.“ Das Matterhorn des Tian Shan, wie der Khan Tengri bezeichnet wird, überragt diese magische Zielmarke um zehn Meter. Das PMX21-Team fühlt sich dafür bestens vorbereitet. Als dritter Gipfel wartet danach noch der 7.439 Meter hohe Pik Pobeda, der schwerste Berg ihrer Trilogie.

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