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Diese Dresdnerin arbeitet jetzt für den DFB

Marie-Louise Eta ist nun Co-Trainerin für die Juniorinnen-Auswahl. Die Schlagzeilen macht allerdings vorerst ihr Mann.

In ihrer Heimatstadt Dresden ist Marie-Louise Eta nur noch selten und auch ihr Dialekt klingt inzwischen eher norddeutsch. Aber ihr Herz schlägt noch für Schwarz-Gelb.
In ihrer Heimatstadt Dresden ist Marie-Louise Eta nur noch selten und auch ihr Dialekt klingt inzwischen eher norddeutsch. Aber ihr Herz schlägt noch für Schwarz-Gelb. © Jürgen Lösel

Dresden. Die Frage nach ihrem Mann hat Marie-Louise Eta erwartet. Der steht schließlich plötzlich im Fokus. Benjamin Eta ist Trainer des Oberligisten Bremer SV, der am Mittwochabend im Weserstadion seine erste Runde im DFB-Pokal nachholt: gegen den Rekordgewinner Bayern München. „Das Pokallos ist für den Verein phänomenal. Die Auslosung ist genau auf seinen Geburtstag gefallen“, erzählt seine Frau. So bekam er ein überraschendes Geschenk.

Bis spät nachts sei er damit beschäftigt gewesen, die vielen Nachrichten danach zu lesen. „Trotzdem hatte er am Morgen danach noch ungeöffnete Mitteilungen auf seinem Handy. Das war Wahnsinn“, berichtet die gebürtige Dresdnerin Marie-Louise Eta. Sie hat unter ihrem Mädchennamen Bagehorn eine beeindruckende Karriere hinter sich. U17-Europameisterin, U20-Weltmeisterin, drei deutsche Meistertitel mit Potsdam und der Gewinn der Champions League. Bei Werder Bremen, ihrer letzten Station als Kickerin, wurde sie zum Gesicht der Mannschaft.

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Mit Zuschauern in die neue Saison
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Der Dresdner SC wird am 21. September mit einem Testspiel gegen Schwarz-Weiß Erfurt das Team für die neue Saison präsentieren.

Nicht zuletzt wegen ihrer eigenen Erfahrungen kann sie sich für ihren Mann auf dieses außergewöhnliche Erlebnis freuen, wenngleich es für den Bremer SV mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichzeitig das Pokal-Aus bedeutet. „Es ist noch ein bisschen unreal“, meint sie. In seiner zweiten Saison als Trainer beim BSV habe Benjamin allerdings schon das Ziel, in die Regionalliga aufzusteigen. „Er hat eine super Truppe zusammen“, sagt sie.

Ja zum DFB heißt nicht Nein zu Werder

Beim Spiel gegen die Bayern wird Marie-Louise Eta natürlich im Weserstadion sitzen. „Ich habe zu meinem Mann gesagt: Er müsste mich mit für den Betreuerstab aufschreiben, damit ich mit auf die Bank kann“, scherzt die 30-Jährige. „Aber nein, ich habe ganz normale Karten. Das wird einfach nur ein Erlebnis.“ Bayern erwies sich im Vorfeld als fairer Erstrundengegner, lud die beiden Trainer und den sportlichen Leiter des Bremer SV zum Testspiel gegen Neapel in die Allianz-Arena ein.

Marie-Louise Eta, die ihre Karriere beim FV Laubegast begann und dann von Fortuna Rähnitz nach Potsdam wechselte, ist selbst als Trainerin tätig. 2018 war sie als einzige Frau bei einem Bundesligisten der Männer hauptamtlich angestellt, betreute bei Werder die Jungen in der U13. Es folgten zwei Jahre mit der U14. „Das war für mich ein Topübergang in den hauptamtlichen Bereich, in den ich hinwollte.“

2019 fragte dann der DFB an, Eta war für die U19-Juniorinnen als Assistentin eingeplant. „Ich wurde dafür von Werder abgestellt. Wir waren kurz davor, uns auf die EM-Qualifikation vorzubereiten, dann kam Corona.“ Danach betreute sie die U15 des DFB als Co-Trainerin, immer noch nebenberuflich. Das ist nun anders. Eta hat einen Vertrag beim DFB als Assistenztrainerin der U15-Juniorinnen unterschrieben, zunächst für ein Jahr.

„Es hat mich sehr stolz gemacht, als die Anfrage kam. Dennoch ist mir die Entscheidung schwergefallen, weil mir Werder und die alltägliche Arbeit mit den Jungs sehr am Herzen liegt.“ Eta hat sich für den DFB entschieden, ohne sich ganz von Bremen lossagen zu müssen, obwohl ihr bis 2022 laufender Vertrag mit Werder aufgelöst wurde. Doch die U15-Junioren der Grün-Weißen kann sie nebenberuflich als Assistentin betreuen und weiterhin in ihrer Wahlheimat leben.

DFB-Trainerstab nun mit zwei Mitgliedern aus Sachsen

Marie-Louise Eta wird im Team von Bettina Wiegmann vor allem Lehrgänge für die Nachwuchsspielerinnen durchführen. Zu weiteren Aufgaben gehören die Sichtungsarbeit und der regelmäßige Austausch mit Vereinen, Landesverbänden, Trainern, Eltern und Spielerinnen. Das kommt der kommunikativen Dresdnerin entgegen. „Ich kann extrem viel mitnehmen, mich weiterentwickeln und meine Erfahrungen und Ideen einbringen.“

Dafür will sie ihren Fußballlehrerschein machen, die höchstmögliche Trainerlizenz erwerben. Dass ihr neuer Arbeitgeber in letzter Zeit mit den Präsidiumsquerelen und dem enttäuschenden EM-Aus der Männer im Viertelfinale wenig positive Schlagzeilen schrieb, stört Eta nicht. „Der DFB ist ein sehr großer Verband. Man hat den Fokus schon klar auf seinen eigenen Bereich gerichtet. Es sind so viele Experten und so viele tolle Menschen da, die einen unfassbar guten Job machen. Deshalb hatte ich überhaupt keine Bedenken“, sagt sie. Im Gegenteil. „Ich bin superstolz, ein Teil davon zu sein und mich einzubringen. Ich denke, für die angesprochenen Ebenen kommen auch wieder bessere Zeiten.“

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Neben Eta gibt es mit Flick-Assistent Danny Röhl nur noch einen weiteren Sachsen im hauptamtlichen Trainerstab des DFB. Ihre Heimat hat die 46-fache deutsche Nachwuchs-Nationalspielerin nie aus den Augen verloren, auch wenn die Besuche in Laubegast seltener werden und der Dialekt inzwischen norddeutsch klingt. Mit der neuen Saison der 2. Bundesliga schlitterte die Dresdnerin aber in einen emotionalen Konflikt. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagt sie lachend. „Ich werde versuchen, im September im Harbig-Stadion zu sein. Ich würde jedem Team wünschen, dass sie ihr Heimspiel für sich entscheiden. Ich drücke Dynamo die Daumen“, meint sie. Das gilt aber auch für Bremen.

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