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Dresden - jetzt endgültig Laufhauptstadt

Die besten deutschen Läufer und andere Top-Athleten starten diesmal bei einem besonderen Citylauf im Großen Garten. Es geht um nicht weniger als Olympia.

Asphaltiert, flach und schnell: Das Einladungsrennen im vergangenen November hat bewiesen, dass auch im Großen Garten Top-Zeiten möglich sind. Damals gewann Richard Ringer (vorn) den Halbmarathon in 62:26 Minuten.
Asphaltiert, flach und schnell: Das Einladungsrennen im vergangenen November hat bewiesen, dass auch im Großen Garten Top-Zeiten möglich sind. Damals gewann Richard Ringer (vorn) den Halbmarathon in 62:26 Minuten. © Archiv: Jürgen Lösel

Dresden. Die Situation könnte widersprüchlicher kaum sein, dessen sind sich alle Beteiligten bewusst. „Eigentlich ist es paradox“, sagt André Egger, Geschäftsführer der Laufszene Events GmbH. Dass seit dem ersten Lockdown auch die Dresdner Lauf-Agentur unter den Corona-Einschränkungen leidet, verrät schon der Firmenname. Events, wie Großveranstaltungen neudeutsch heißen, jeglicher Art sind jetzt ziemlich genau ein Jahr verboten. Rennen für Freizeitsportler, mit denen die Laufszene ihr Geld verdient, machen da keine Ausnahme.

Doch ausgerechnet die Pandemie sorgt an diesem Sonntag für Zulauf und internationale Aufmerksamkeit, wie es die Stadt Dresden selbst vor Corona sehr lange nicht mehr erlebt hat. Rund 400 Läufer aus insgesamt 30 Nationen starten beim itelligence Citylauf im Großen Garten – den negativen Corona-Test vorausgesetzt und unter strengen Hygieneregeln, die keine Ausnahmen zulassen. Der britische Marathonläufer und zweimalige WM-Vierte Callum Hawkins darf beispielsweise nicht wie geplant antreten. Die aktuell gültigen Reiseeinschränkungen lassen das auch bei mehrfacher negativer Corona-Testung nicht zu.

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Für Egger und die Laufszene ist dieser Citylauf dennoch ein Novum. „So eine Beteiligung gab es noch nie – so unglaublich das klingt, weil aufgrund der Corona-Regeln alles am Boden liegt. Wir haben da auch etwas Glück im Unglück und jetzt alles daran gesetzt, um hier ein tatsächlich außergewöhnliches Rennen auf die Beine zu stellen“, sagt Egger.

Im Dilemma eine Chance gesehen

Grundlage dafür ist die Corona-Schutzverordnung, die den organisierten Freizeitsport deutschlandweit weiterhin verbietet, Profis und Kaderathleten aber das Trainieren gestattet und ausdrücklich auch Wettkämpfe erlaubt. Nur macht es das speziell für Langstreckenläufer kaum besser. Sämtliche Rennen wie die großen Osterläufe oder auch Stadtmarathons fallen trotzdem aus – und damit nicht zuletzt die Möglichkeiten, die Olympia-Norm für die Sommerspiele in Tokio zu erreichen.

In dem Dilemma hat Egger eine Chance erkannt. Schon im November 2020 veranstaltete die Laufszene ein Einladungsrennen auf einem abgesperrten 2,5-Kilometer-Rundkurs im Großen Garten. Für die Marathonläufer bedeutete das gut 16 Runden, und selbst die halbe Distanz erschien maximal gewöhnungsbedürftig. Die Athleten aber waren froh über die Gelegenheit und offensichtlich nach der ungewöhnlich langen Wettkampfpause so gut trainiert wie nie. Es gab reihenweise Bestzeiten – und noch mehr Lob für die Organisatoren.

So soll es nun auch an diesem Sonntag laufen, nur dass die Starterliste deutlich länger und vor allem prominenter besetzt ist. „Uns ging es darum, den Athleten noch eine Olympia-Qualifikationschance zu bieten. Die Nachfrage ist enorm, sodass wir über 10 Kilometer und im Halbmarathon einen A- und B-Lauf angesetzt haben“, sagt Egger.

Die deutsche Spitze duelliert sich mit dem Europameister

Im Halbmarathon trifft Europameister Koen Naert aus Belgien (Bestzeit 61:42 Minuten) unter anderem auf den Norweger Sondre Moen (59:48) sowie die deutsche Spitze um Arne Gabius (62:09), Richard Ringer (62:10), Amanal Petros (62:18) und Hendrik Pfeiffer (63:17).

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