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Corona stoppt Dresdens Top-Kanutin

Steffi Kriegerstein, Olympia-Zweite 2016, spürt die Nachwirkungen ihrer Erkrankungen und fehlt diesmal bei Olympia.

Das Paddel bleibt bei Steffi Kriegerstein derzeit ungenutzt. Die 28-Jährige hofft allerdings, noch in diesem Jahr wieder beginnen zu können.
Das Paddel bleibt bei Steffi Kriegerstein derzeit ungenutzt. Die 28-Jährige hofft allerdings, noch in diesem Jahr wieder beginnen zu können. © Archiv: Robert Michael

Dresden. Für Wehmut oder Melancholie ist im Moment kein Platz bei Steffi Kriegerstein. „Um die Sache kurz zu machen: Nein“, sagt die 28-jährige Weltklasse-Kanutin über einen eventuellen Start am Osterwochenende in Duisburg bei der ersten von zwei nationalen Olympia-Qualifikationen des deutschen Verbandes. Kriegerstein wird fehlen, und damit ist auch klar, dass die Sommerspiele in Tokio ohne die Athletin vom Kanuclub Dresden stattfinden werden.

Zwar sind es noch vier Monate bis Olympia, doch vorab wären starke Auftritte sowohl bei den Qualifikationen als auch danach in den Weltcups nötig – für Kriegerstein derzeit weit außerhalb ihrer Möglichkeiten. Die Olympia-Zweite von 2016 im Vierer hat sich im Dezember mit dem Coronavirus infiziert. Die Erkrankung, verbunden mit der fast vierwöchigen Zwangspause, haben nachhaltige Spuren im Körper der Paddlerin hinterlassen. Die Auswirkungen spürt Kriegerstein noch heute, wenngleich sie von Ende Januar bis Mitte Februar mit dem Nationalteam schon zum Trainingslager im türkischen Belek war.

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Seit Dezember nicht mehr richtig trainiert

„Meine Saison wurde tendenziell bereits da beendet – nach Rücksprache mit dem Verbandsarzt, dem Cheftrainer und dem Bundestrainer. Ich habe ja seit Dezember nicht mehr richtig trainieren können“, sagt sie und erzählt von zwei Wochen lang ununterbrochen Kopfschmerzen nach dem Trainingslager. „Das war wohl alles zu viel und kein Training möglich. Mir war teilweise so schlecht und schwindlig, dass ich mich nicht getraut habe, mit dem Auto zu fahren“, sagt Kriegerstein.

Mehrmals wurde sie inzwischen intensiv untersucht. Die Erkenntnisse sind für die Sportlerin dramatisch. Ihr Herz ist kleiner, das Herz-Lungen-Volumen deutlich geringer geworden. „Ich habe für einen Ausdauersportler ohnehin ein kleines Herz. Im Training habe ich schnell gemerkt, dass da nichts geht. Sobald der Puls über 140, 150 schnippst, bekomme ich ein extremes Druckgefühl im Kopf, die Muskeln werden nicht mit genügend Sauerstoff versorgt, die Lunge brennt. Das alles kommt schubweise“, sagt die Dresdnerin. Der nächste Termin in der Sportmedizin ist nach Ostern vereinbart. „Da lasse ich mein Herz nochmals untersuchen. Die letzten Werte waren okay, aber noch nicht gut.“

Regelmäßig geht sie zur Physiotherapie und zur Osteopathie, das gehört jetzt zu ihrem eingeschränkten Trainingsalltag. Dennoch ist Kriegerstein jeden Morgen, 8 Uhr im Vereinsgelände, macht Stabilitäts- und leichtes Körperkrafttraining. Sie freut sich, wenn sie Fahrrad fahren kann oder 10.000 Schritte am Tag schafft. An mehr ist derzeit nicht zu denken. Kriegerstein nennt das ironisch „Oma- und Rehasport“. Eigentlich ist die Hochleistungssportlerin vier Einheiten am Tag gewohnt.

Karriereende nicht ausgeschlossen

Mit der Gewissheit, sich nicht mehr für Tokio qualifizieren zu können, ist auch ein kleiner psychologischer Rucksack abgefallen. Ein Hintertürchen möchte sie nicht. „Es hat einige Zeit gebraucht, das für mich zu verarbeiten“, sagt Kriegerstein und erkennt auch positive Aspekte für sich: „Ich war zwölf Jahre nur auf Achse, jetzt habe ich mal ein bisschen Zeit für mich.“

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Für Kriegerstein haben sich die Prioritäten momentan verschoben. Die Prognose für die Zweier-Weltmeisterin von 2015 ist eine optimistische, sie kann wieder Spitzenleistungen erbringen. Die Frage ist nur: Wann? „So genau kann mir das niemand sagen. Bis jetzt war ich noch keine Woche seit der Corona-Erkrankung symptomfrei“, erklärt sie und sagt fast trotzig: „Ich will gesund werden und diesen Sommer noch trainieren. Das ist nach wie vor meine erste Priorität.“ An ein vorzeitiges Karriereende habe sie zwischendurch auch schon gedacht: „Das will ich erst mal offen lassen.“

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