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Paddel-Macht an der Elbe rüstet weiter auf

Der Kanuclub Dresden investiert in seine Trainingsbedingungen und noch mehr in seine Athleten – für Medaillen bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio.

Ein starkes Team in Sachsen: Olympiasieger Tom Liebscher (l.), Steffi Kriegerstein, Jonas Draeger und der zum Landestrainer aufgestiegene Jens Kühn (2. v. r.) bereiten sich in Dresden auf Olympia 2021 vor.
Ein starkes Team in Sachsen: Olympiasieger Tom Liebscher (l.), Steffi Kriegerstein, Jonas Draeger und der zum Landestrainer aufgestiegene Jens Kühn (2. v. r.) bereiten sich in Dresden auf Olympia 2021 vor. © Jürgen Lösel

Dresden. Das ist in diesen Tagen kaum zu glauben: Der Kanuclub Dresden macht sich zukunftsfit, so ganz außerhalb von Corona-Regeln und deren vielschichtigen Einschränkungen. Der Verein, in dem mit Olympiasieger Tom Liebscher und der Olympia-Zweiten Steffi Kriegerstein zwei Weltklasse-Athleten trainieren, stellt sich breiter und kompakter auf. Dabei versteht man sich als belebende Konkurrenz zu Leipzig, dem sächsischen Bundesstützpunkt für Kanurennsport. Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) ist seit der Wiedervereinigung der erfolgreichste bei Olympia.

Gerade hat der KC Dresden seinen Kraftraum modernisiert und zwei neue Kraftgeräte bekommen. Die wurden durch das Innenministerium Sachsens gefördert. Die Summe behält der Klub für sich. „Teilweise halten sich pro Trainingseinheit hier 40 Leute auf. Es macht schon Sinn, hin und wieder etwas Neues hinzustellen“, sagt Liebscher, der sich trotz Pandemie irgendwie fit hält. Dessen Trainingsgruppe wird nun in Vorbereitung auf die Olympia-Saison größer. „Die weiteren Investitionen gehen bei uns in Personen“, sagt Vize-Klubchef Heiko Pflanz.

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Der 18 Jahre alte gebürtige Dresdner Tim Stieberitz wurde mit einem Athletenvertrag ausgerüstet und ist damit nach Liebscher, Kriegerstein und Jonas Draeger (22), der seit 2018 zur stärksten Trainingsgruppe der Stadt gehört, erst der vierte Kanute, der einen auch finanziell untersetzten Kontrakt mit seinem Verein unterzeichnete. Der Vertrag mit Draeger, immerhin deutscher Vizemeister über 200 Meter bei Titelkämpfen, bei denen Liebscher leer ausging, wurde etwas aufgebessert. „Er hat in dieser Saison gezeigt, dass er großes Potenzial hat. Das macht Hoffnung für die nächsten Jahre“, sagt Pflanz: „Unser Wunsch ist, das wir die Trainingsgruppe qualitativ erweitern, groß und stark machen und zeigen, dass wir an der Elbe ordentlich Kanu fahren können.“

Tom Liebscher trainiert auf der Elbe.
Tom Liebscher trainiert auf der Elbe. © Robert Michael

Die Ansage und die Investitionen lassen nicht nur angesichts der derzeit verzwickten, weil völlig unklaren Situation wegen der Corona-Pandemie aufhorchen. Bis vor vier Jahren musste der KC Dresden befürchten, dass die Top-Athleten von anderen Vereinen mit besseren Angeboten abgeworben werden könnten. An Liebscher war der KC Potsdam dran. „Es ist und war nie die Frage, ob wir unsere Besten halten wollen. Wir können das jetzt auch aufgrund finanzieller Mittel, die uns als Verein zur Verfügung stehen. Das Umfeld ist entsprechend gewachsen“, sagt Pflanz, der bei Großereignissen wie Olympia daheim mitfiebert.

Dafür ist die Stadt Dresden, die erfolgreiche Sportler der Landeshauptstadt seit 2016 mit Sport-Stipendien unterstützt und mithin an die Region bindet, inzwischen ein wichtiger Faktor. „Es hat sich etwas bewegt, ist etwas entstanden. Das wollen wir auch fortführen.“ Zudem wird die Arbeit von Trainer Jens Kühn anerkannt. Der bisherige Landesstützpunkt- und damit Heimtrainer von Liebscher und Kriegerstein, die auch über Geld redet, wurde per 1. September zum „leitenden Landestrainer“ befördert.

„Leitend mit t in der Mitte, nicht mit d“, scherzt Kühn, der vom Landesverband angefragt wurde. Der 62-Jährige hat nun erweiterte Kompetenzen. „Vielleicht habe ich ein bisschen mehr zu sagen. Das Wichtigste für den Sächsischen Kanu-Verband ist, dass aus dieser Trainingsgruppe im nächsten Jahr Leute in Tokio dabei sind – und Medaillen holen“, erklärt Kühn das Ziel für die Olympischen Spiele.

Steffi Kriegerstein trainiert auf der Elbe.
Steffi Kriegerstein trainiert auf der Elbe. ©  dpa/Robert Michael

Dabei ist der stetig wachsende Qualitätsanspruch auch für den etablierten Liebscher, mit 27 Jahren ein „alter Hase“, eine zusätzliche Herausforderung. „Du findest hier immer jemanden, der Lust auf die Trainingseinheit hat. Jeder hat ja Höhen und Tiefen. Aber wenn du sechs, sieben Leute auf einem Niveau hast, ist das gut. Weil man jeden Tag seine Grenzen aufgezeigt bekommt, auch ich“, sagt der sechsfache Weltmeister. „Wir sind gut gewappnet.“ Zur Trainingsgruppe gehört mit dem Junioren- und U-23-Weltmeister Jakob Kurschat vom WSV „Am Blauen Wunder“ ein weiterer Dresdner von der anderen Elbseite.

Alle werden, so ist es bisher geplant, beim zweiten Indoor-Canoe-Sprint-Cup am 19. Dezember im Bootshaus des KC Dresden starten. Die Hallenpremiere auf Ergometern fand im Vorjahr in der deutschen Paddel-Szene nachhaltigen Anklang. Auf diesem Niveau war es der erste Kanu-Hallenwettbewerb in Deutschland überhaupt. „Wir bereiten jetzt alles so vor, als ob das Event stattfinden könnte, schicken auch die Einladungen raus“, bestätigt Pflanz. Unter welchen Einschränkungen der Cup dann ausgetragen werden kann, wenn überhaupt, ist wie vieles unklar. Notfalls, das könnte sich Liebscher vorstellen, müssten die Rennen ausschließlich per Live-Stream übertragen werden. „Das ist nicht die geilste Lösung, aber so ist das halt.“ Es wäre ein weiteres Puzzleteil.

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Sein Signal zur Standortstärkung setzt der KC Dresden aber bewusst gerade jetzt, denn die Olympiavorbereitung hat begonnen. Allerdings ist Liebscher vorerst der einzige Dresdner, der zum sogenannten Olympiakernteam des DKV gehört. Kriegerstein ist aufgrund von Rückenproblemen und ausbleibender Leistung zunächst außen vor. „Ich trainiere seit September wieder normal, bin auf einem guten Weg“, sagt die 27-Jährige optimistisch.

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