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Was ist die Eishockey-Saison jetzt noch wert?

In der zweiten Eishockey-Liga gibt es wegen Corona keine Absteiger – und Fans fragen: Was soll das?

Dresden gegen Weißwasser: ein Keller-Duell. Das ist aber nicht der Grund, weshalb beide Vereine das Aussetzen der Abstiegsregel befürworten.
Dresden gegen Weißwasser: ein Keller-Duell. Das ist aber nicht der Grund, weshalb beide Vereine das Aussetzen der Abstiegsregel befürworten. © Jürgen Lösel

Dresden. Mit einer ungewöhnlichen Änderung sorgte jetzt die zweite deutsche Eishockeyliga für Aufsehen. Die DEL 2 setzt mitten in der Saison die Abstiegsregelung außer Kraft. Kein Klub muss also runter, was vor allem für Sachsens Vereine eine gute Nachricht sein dürfte: Sowohl die Dresdner Eislöwen als auch die Lausitzer Füchse aus Weißwasser stecken schließlich derzeit mittendrin im Tabellenkeller. Der drohende Absturz in die drittklassige Oberliga aber ist damit nun kein Thema mehr.

„Mit dem einmaligen Aussetzen des Abstiegs reagieren wir auf die Abweichungen im Spielrhythmus und damit auf eine teilweise ungleiche Hauptrunde“, erklärt Liga-Geschäftsführer René Rudorisch. Aufgrund der Corona-Pandemie fallen immer wieder Spiele aus, die Tabelle ist ein Zerrbild. Zudem, betont Rudorisch, solle den Vereinen mit dieser Entscheidung auch wirtschaftlich geholfen werden. „Wir wollen den DEL2-Klubs damit den sportlichen und wirtschaftlichen Druck eines Abstieges nehmen und vielmehr bereits jetzt an der Stabilität und den Planungen für die Saison 2021/22 arbeiten“, so Rudorisch.

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Damit aber stellt sich zugleich die Frage, was die derzeit laufende Spielzeit überhaupt noch wert ist. Welchen Sinn hat sie jetzt noch? Wie steht es um die Motivation der Spieler – gerade bei den Teams in der unteren Tabellenhälfte? Und hilft die Neuregelung den Vereinen wirklich weiter?

Manche Vereine mit vier Spielen in Verzug

„Grundsätzlich waren sich alle Zweitligisten einig, die Abstiegsregelung auszusetzen“, sagt Dirk Rohrbach, Geschäftsführer der Lausitzer Füchse, über jene Sitzung, in der sich lediglich der deutsche Verband und die DEL der Stimme enthielten, was nicht unüblich ist. Die Entscheidung steht, Rohrbach ist zufrieden. „Aus meiner Sicht ist das die logische Konsequenz. Aus sportlicher Sicht ist ein fairer Wettbewerb nicht wirklich darstellbar“, sagt er und meint nicht nur die Schräglage in der Tabelle.

Von insgesamt 52 zu absolvierenden Hauptrundenspielen haben manche Teams schon 29 bestritten, andere erst 25. „Die eine Mannschaft hat Quarantäne, andere halten ihren Rhythmus bei, wieder andere Teams kommen aus einer 14-tägigen Zwangspause, haben nicht trainiert und müssen dann zwei Tage später aufs Eis“, beschreibt Rohrbach die Lage.

Am 11. April soll die Hauptrunde abgeschlossen sein, für drei, vier Mannschaften inzwischen eine echte terminliche Herausforderung. „Das ist eine besondere Saison, und wir sind froh, dass wir so weit gekommen sind“, erklärt Rohrbach. Doch sollte in einer Abstiegsrunde wieder Quarantäne nötig sein, sei die Wettbewerbsverzerrung nicht mehr wegzudiskutieren. „An so einem Abstieg hängt einfach zu viel dran“, sagt der Sportchef der Lausitzer.

Jetzt geht es um Image und Vertrauen

Eine Saison ohne Play-downs hat nicht zuletzt auch wirtschaftliche Vorzüge, zum Beispiel entfallen die Lohnkosten für die Spieler, deren Saisonverträge im Falle einer Abstiegsrunde bis in den Mai hinein laufen würden. Zuschauereinnahmen dagegen fehlen, selbst wenn sich die Corona-Regeln womöglich ab Mitte März oder April ändern. Es bliebe ein dickes Minusgeschäft.

Die Frage nach dem sportlichen Sinn, die vor allem Fans stellen, aber bleibt angesichts des abgeschafften Abstiegs. Rohrbach und auch Maik Walsdorf, der kaufmännische Geschäftsführer der Dresdner Eislöwen, widersprechen. Weder die Spieler selbst noch die Vereine könnten sich nun hängen lassen, schließlich gehe es um Image und Vertrauen für die nahe Zukunft.

„In der neuen Serie wird es keine öffentlichen Zuschüsse mehr geben. Die Pandemie hat nicht nur Auswirkungen auf diese Saison, es geht um die Wirtschaftlichkeit für die folgenden Jahre“, mahnt Rohrbach. Das funktioniert allerdings nur mit den beiden einzahlungsfreudigsten Partnern: Fans und Sponsoren. Denen soll und muss also auch in den nächsten Wochen etwas geboten werden: gute Leistungen idealerweise verbunden mit erfolgreichen Spielen.

Profis spielen auch um neue Verträge

Liga-Chef Rudorisch sagt, er könne die Kritik der Fans verstehen, die Klubs aber seien sich einig. „Ich glaube, jedem Verein ist momentan daran gelegen, seine aktuelle Situation zu verbessern oder weiter dafür zu kämpfen, dass man in den Play-offs spielt – gerade mit Blick auf die Fans und Sponsoren.“ Und Walsdorf verweist zudem auf die Spieler. „Man muss auch bedenken, dass jeder auch für sich und Verträge in den nächsten Jahren spielt.“

Auch Rohrbach ist überzeugt, dass es an der Motivation nicht mangeln wird. „Dafür gibt es mehrere Gründe: Jeder Spieler hier ist doch froh, dass er seinem Job nachgehen kann, dass er in Lohn und Brot steht. Der zweite Fakt: Alle sind Profis und wollen erfolgreich sein. Natürlich spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Die meisten Spieler erhalten auch bei uns Bonuszahlungen für das Erreichen der Play-offs“, führt der Weißwasseraner an, was auch in Dresden bei den Eislöwen gilt.

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Dass es erstmals seit langer Zeit wieder ein Aufsteiger in die DEL schaffen kann, könnte ein zusätzlicher Ansporn sein – allerdings nur für ein Trio. Lediglich Frankfurt, Bietigheim und Kassel hinterlegten vor der Saison die dafür nötige Bürgschaft in Höhe von 816.000 Euro. Dresden, das vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls noch vom Aufstieg sprach, verzichtete indes aus wirtschaftlichen Gründen.

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