merken
PLUS Sport

Das hat der neue Eislöwen-Präsident vor

Bernd Nickel ist Hesse und jetzt der neue Präsident des Dresdner Eishockey-Zweitligisten. Der 53-jährige Unternehmer erklärt seine ersten Ideen.

Bernd Nickel führt die Geschicke der SFB Metallerzeugnisse GmbH in Bautzen und mithin 50 Mitarbeiter. Seit Januar steht er an der Spitze des ESC Dresden.
Bernd Nickel führt die Geschicke der SFB Metallerzeugnisse GmbH in Bautzen und mithin 50 Mitarbeiter. Seit Januar steht er an der Spitze des ESC Dresden. © Arvid Müller

Dresden. Bei den Eislöwen zieht ein neuer Ton ein. Oder treffender ausgedrückt: ein neuer Dialekt. Bernd Nickel ist Hesse – und seit Anfang Januar neuer Präsident des Eissportclubs (ESC) Dresden. Der ist wiederum Stammverein des Eishockey-Zweitligisten Dresdner Eislöwen und hat als einer von vier Gesellschaftern der Spielbetriebsgesellschaft auch gehöriges Mitspracherecht, wenn es um die wichtigen Belange des Profi-Teams geht.

Das sucht gerade den Weg aus der sportlichen Krise – und scheint ihn auch gefunden zu haben. In Bad Tölz gelang am Sonntag mit dem 4:3 (1:1, 0:0, 3:2) der dritte Sieg in Serie. Dadurch hat die Mannschaft von Trainer Andreas Brockmann wieder Anschluss an die Play-off-Plätze gefunden.

Anzeige
Premium-Partner baut Engagement aus
Premium-Partner baut Engagement aus

Die SSS Energietechnik und Netzservice GmbH hat um drei Jahre als Premium-Partner der Dresdner Eislöwen verlängert.

Nickel, geschäftsführender Gesellschafter der SFB Metallerzeugnisse GmbH in Bautzen, ist seit sieben Jahren Mitinhaber einer Vip-Loge in der Energieverbund-Arena, der Eislöwen-Heimstätte. Maik Walsdorf, kaufmännischer Geschäftsführer der Eislöwen, fragte im Sommer bei ihm an – „unter Vortäuschung falscher Tatsachen“, wie der 53-Jährige lauthals lachend erwähnt.

Frau gibt ihr Einverständnis

Letztlich ging es bereits da um die Nachfolge für den bisherigen ESCD-Präsidenten Peter Micksch, der sich im Oktober aus privaten Gründen von diesem Amt zurückgezogen hatte. Nickel erbat sich ein paar Wochen Bedenkzeit, auch um das Einverständnis seiner Frau einzuholen. „Ich hätte nicht zugesagt, wenn sie nicht gesagt hätte: Bernd, ich stehe zu 100 Prozent hinter dir“, betont der Geschäftsmann.

Der will einiges anders machen als sein Vorgänger. Micksch hatte zum Beispiel neben den 50 Prozent Gesellschafter-Anteilen des Stammvereins als Privatmann noch Anteile an der Spielbetriebs GmbH erworben. „Mitgesellschafter zu werden, ist nicht meine Intention“, bekräftigt Nickel. Er sehe sich sonst in einem Interessenskonflikt. „So vertrete ich die Interessen des Stammvereins und kann in dessen Sinne frei entscheiden“, sagt der Wahl-Bautzener.

Auch die Mehrzahl der knapp 600 Vereinsmitglieder, die sich auf vier Abteilungen verteilen, will er wieder mehr mitnehmen. Nickel hat seit Sommer in vielen Gesprächen festgestellt, dass speziell diese Gemeinsamkeit in der Vergangenheit „etwas stiefmütterlich“ behandelt worden sei. „Mitglieder, die nur darauf warten, dass sie abgeholt werden aus dem zweiten und dritten Glied, die sich engagieren wollen“, hat Nickel erkannt.

Der Wecker klingelt 5.30 Uhr

Der drahtige Mann in seinem Sakko aus feinem Zwirn mit dem Einstecktuch in der Brusttasche wirkt auf den ersten Blick nicht so, als wüsste er aus dem Effeff, wo der Hase an der Sportbasis langläuft. Doch dieser Eindruck täuscht.

Denn Nickel hat mit drei Jahren auf einem zugefrorenen Teich das Schlittschuhlaufen gelernt, zwei Jahre später zog er sich die Fußballschuhe über, kickte aktiv bis ins 40. Lebensjahr – unter anderem in der Region in Neschwitz. Zwischendurch war er Leichtathlet, probierte Tennis, danach ging er Golfen, in Bautzen dann zum Crossminton – 2012 und 2013 wurde er für den MSV Bautzen dabei deutscher Altersklassenmeister.

„Mindestens viermal pro Woche rappelt mein Wecker 5.30 Uhr. Ich habe im Keller ein bisschen was eingerichtet“, sagt Nickel über seinen Fitnessraum. „Dort mache ich 35 bis 45 Minuten mein Ding, obwohl mir 20 Ausreden einfallen, warum ich nicht aufstehen sollte. Es ist jeden Morgen eine Überwindung, aber ich starte dann anders in den Tag, ich brauche das auch“, sagt er.

Nachwuchsarbeit soll noch weiter ausgebaut werden

Klingt nach einem, der von sich viel verlangt, aber auch von anderen. Nickel will die Vereinsarbeit deshalb auf eine „breitere Ebene stellen. Das fängt im Präsidium an, geht bis in die Arbeitsgruppen der Abteilungen, um noch mehr Leute abzuholen“, wie er sagt. Seine erste Vorstandssitzung leitet Bernd Nickel am Dienstag als Videoschalte.

Dabei wird es auch um die Vertiefung der exzellenten Nachwuchsarbeit gehen. Mit Arne Uplegger, Lucas Flade, Joe-Richardt Kiss, Nick Jordan Vieregge, Bruno Alexander Riedl und Matej Mrazek haben gleich sechs Akteure aus dem aktuellen Dresdner Profi-Team die eigene Nachwuchsschule durchlaufen.

„Das muss man weiter ausbauen. Es wäre ja fatal, wenn man dieses Potenzial vor sich hindümpeln ließe“, findet Nickel. Und das immer mit dem Hintergedanken, dass der Standort selbst von Liga-Konkurrenten als DEL-tauglich angesehen wird. „Das Ziel ist da, das hat man vor Augen, noch eine Liga höher zu gehen“, bekräftigt Bernd Nickel. „Dazu muss man sich die Zeit nehmen, Geduld haben, um die Rahmenbedingungen vernünftig aufzubauen“, sagt er. Dazu gehört, dass im Nachwuchs entsprechende offene Trainerstellen neu besetzt werden.

Trotz Pendelei Präsenz zeigen

Nickel, in zweiter Ehe mit einer Bautznerin verheiratet, will diesen Weg vorantreiben, auch wenn er dafür einen privaten Spagat hinlegen muss: zwischen Unternehmen und dem zeitaufwendigen Ehrenamt, zwischen Bautzen und Dresden.

Weiterführende Artikel

Dresdens Weg aus der Corona-Krise

Dresdens Weg aus der Corona-Krise

Der Eishockey-Zweitligist präsentiert einen neuen Gesellschafter und legt für die Eislöwen-Profis eine Gehaltsobergrenze fest.

„Ich möchte trotz der Pendelei ein Präsident sein, der für alle greifbar und ansprechbar ist, der Präsenz zeigt. Das heißt für mich, nicht nur im Vip-Bereich zu sein, wenn die Eislöwen spielen, sondern mich bei den Kleinsten auch im Training oder zu Turnieren sehen zu lassen.“ Sein Dialekt dürfte dabei zweitrangig sein.

Mehr zum Thema Sport