merken
PLUS Sport

Was der neue Eislöwen-Chef alles verändern will

Matthias Roos, Sportdirektor des Eishockey-Zweitligisten, erklärt im Interview seine Pläne für den Kader – und erzählt, warum er nicht in Dresden wohnt.

Matthias Roos arbeitete zuletzt beim Erstligisten in Krefeld, nun will er als Sportdirektor die Eislöwen-Mannschaft umbauen.
Matthias Roos arbeitete zuletzt beim Erstligisten in Krefeld, nun will er als Sportdirektor die Eislöwen-Mannschaft umbauen. © Foto: Kairospress/Thomas Kretschel

Dresden. Er ist wenige Tage im Amt, derzeit auch nicht in Dresden – und versucht dennoch, erste Spuren bei den Dresdner Eislöwen zu hinterlassen. Matthias Roos, neuer Sportdirektor beim Eishockey-Zweitligisten, stellt zusammen mit Cheftrainer Andreas Brockmann den Profikader für die kommende DEL2-Saison zusammen. Was dem 40-Jährigen dabei besonders wichtig ist, erklärt er exklusiv im Gespräch mit Sächsische.de.

Herr Roos, hatten Sie überhaupt Zeit, die abgelaufene Saison entsprechend auszuwerten, um dann daraus auch sportliche Schlüsse zu ziehen?

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Die Zeit war tatsächlich sehr knapp. Da ist die Frage, wie fair oder konsequent man so eine Analyse dann durchführen kann, um allen gerecht zu werden. Es ist eine gewisse Tendenz zu erkennen, wenn ich mir die sportlichen Leistungen der Eislöwen in den letzten drei Spielzeiten anschaue. Selbst wenn vor drei Jahren am Ende das Halbfinale herausprang, war das auch eine durchwachsene Saison. Deswegen ist für alle klar, da muss man kein Genie sein, dass eine größere Veränderung notwendig ist. Mir ging es zuerst darum festzustellen, in welchen Spielern Andreas Brockmann Potenzial gesehen hat und mit denen er weiter arbeiten will, die wichtig für ihn sind.

Gleich zwölf Spielern hat der Verein kein neues Angebot vorgelegt – weil der Trainer bei denen kein Potenzial mehr gesehen hat?

Es mag den einen oder anderen erwischt haben, der durchaus Potenzial hatte, aber eben auch den größeren Veränderungen zum Opfer fiel – weil entsprechend Plätze frei gemacht werden mussten für den Kader in der neuen Spielzeit. Ich habe mir die letzten zehn Saisonspiele angeschaut und Dinge gesehen, die nicht funktionieren, die man sich anders vorstellt. Andreas Brockmann hat seine Mannschaft in Kaufbeuren, wo er zuvor Trainer war, ganz anders spielen lassen als die in Dresden. Er hat mir gesagt, dass Kaufbeurer System sei mit den Eislöwen nicht möglich, von der Aggressivität, von der Intensität. Wir waren uns einig, dass Änderungen her müssen, weil wir diesen Stil bevorzugen.

Wie sieht, knapp formuliert, das Anforderungsprofil für einen künftigen Eislöwen-Profi aus?

So pauschal lässt sich das nicht beantworten. Für mich ist die Grundvoraussetzung, ganz egal, was ich mache: Es fängt mit der Einstellung an. Ich muss optimal vorbereitet an meinen Arbeitsplatz kommen. Das setzt für einen Eishockeyspieler voraus, dass man topfit ist, dass man gewillt ist, hart zu arbeiten, sich zu entwickeln. Deshalb bekommt jeder Spieler, mit dem ich mich unterhalte, die klare Anweisung: Unsere Saison beginnt nicht am 23. August, 15. September oder 10. Oktober, sondern am 3. Mai. Die Spieler, die jetzt noch in den Play-offs sind, können ein bisschen später anfangen. Aber ab dem Zeitpunkt geht es los, da werden die Grundlagen gelegt. Das Trainerteam erwartet, wenn wir im August loslegen, dass jeder Spieler topfit in Dresden erscheint – und dass wir die Vorbereitung mit einer Intensität bestreiten können, wie es für einen Leistungssportler normal sein sollte.

Das heißt, im Rückblick war das nicht immer so?

Wie die Profis der Eislöwen in den abgelaufenen Spielzeiten im August erschienen sind, kann ich nicht beurteilen. Aber ich informiere mich ja auch. Und da ist durchaus bei dem einen oder anderen Handlungsbedarf gewesen. Ich erwarte, wenn wir Spiele verlieren, das wird logischerweise passieren, dass das andere Team nicht härter gearbeitet hat oder taktisch besser vorbereitet war als wir. Wenn wir Spiele verlieren, dann, weil das andere Team an dem Tag besser gewesen ist.

Sie sprachen den Termin am 3. Mai an. Sind denn bis dahin schon alle neuen Verträge fixiert?

(lacht) Andreas und ich haben eine klare Vorstellung, wie der Kader ausschaut. Und natürlich sind wir weiter, als wir bisher bekannt gegeben haben. Aber das ist ja völlig normal. Wir befinden uns in der finalen Phase unserer Kaderzusammenstellung.

Zuletzt gab es viele Verletzte. Wie groß soll die Mannschaft diesmal werden?

Das Spielpensum war ein Problem, weil da das Verletzungsrisiko steigt. Ich möchte einen großen Kader, mir sind Kooperationen auch wichtig. Nicht nur in Richtung DEL, auch in die Oberliga. Die wird es nächstes Jahr in beide Richtungen geben.

Mit wem?

Das kann ich derzeit noch nicht sagen, das muss noch abgestimmt werden. Niki Mondt (Sportdirektor der Düsseldorfer EG/Anm. d. R.) kennt uns gut. Deshalb ist klar, dass in diese Richtung unser erster Ansprechpartner die Düsseldorfer EG ist.

War es Ihnen wichtig, bereits im April Ihre Arbeit aufzunehmen?

Normalerweise fängt man damit an, den Kader für die neue Saison im November zusammenbauen, in der Deutschlandcup-Pause. Als die Eislöwen mit mir Anfang März die ersten Gespräche geführt haben, war es fast schon fünf nach Zwölf. Da gab es keine Zeit zu verlieren, das Telefon ist heiß gelaufen. Es gibt bestimmte Spielertypen, die ich haben wollte, die größtenteils auch alle zugesagt haben.

Planen die Eislöwen während der andauernden Corona-Pandemie defensiver mit dem Spieler-Budget?

Das ist unsere Herangehensweise. Ich bin überrascht, teilweise sogar bestürzt, was andere Klubs ausgeben. Auch wenn ich das final nicht beurteilen kann, weil ich an diesen Standorten nicht vor Ort bin. Der kaufmännische Geschäftsführer Maik Walsdorf und ich haben uns schnell auf eine Gehaltstruktur festgelegt, daraufhin haben wir die Spieler verpflichtet.

Was passiert denn, wenn der Cheftrainer und Sie unterschiedlicher Meinung bei einem möglichen Neuzugang sind?

Dann gibt es eine Entscheidung in die eine oder in die andere Richtung. Ich tendiere zu einer jungen Mannschaft, weil ich eher schon die zweite Spielzeit im Blick habe. Andreas als Trainer – und das ist völlig normal – geht es darum: Wie bekomme ich für die nächste Saison das bestmögliche Team aufs Eis. Er wünscht sich dafür manchmal den erfahreneren Akteur. Das sind normale Gespräche und Diskussionen.

Bei Ihrer Vorstellung hieß es, die zeitlichen Daten Ihres Vertrages seien noch nicht fixiert. Was sind denn Ihre Vorstellungen?

Wichtig ist erst mal, dass wir zusammenarbeiten wollen, die gleichen Ziele und Vorstellungen haben. Für mich ist auch wichtig, wie sich etwas entwickelt: Wann spielen wir wieder vor Zuschauern? Wird das Eishockey dann so sein, wie wir es kannten? Oder dürfen wir die nächsten Jahre nicht vor 100-prozentiger Zuschauerauslastung spielen? Das sind alles Dinge, die man nicht abschätzen kann, die aber in die Fixierung des Vertragszeitraums reinspielen.

Salopp ausgedrückt: Die Arbeit muss Ihnen auch Spaß machen?

Richtig. Wir sind das Produkt, das wir auf das Eis stellen. Die Spieler sind Entertainer. Wir wollen Menschen unterhalten, dass sie Spaß haben, vom Alltag abgelenkt werden, vielleicht zwischendurch bei uns ihre Sorgen und Probleme vergessen können. Das steht derzeit alles infrage. Ich habe beispielsweise das erste DEL-Spiel der Saison zwischen Köln und Düsseldorf angeschaut – das ist normalerweise ausverkauft, macht riesig Spaß. Ich war in der leeren Arena, da waren null Emotionen. Auch bei den Spielern auf dem Eis, es fühlt sich an wie ein Trainingsspiel. Der Teil unserer Arbeit, der eigentlich Spaß macht, die Emotionen zu erzeugen und wieder geschenkt zu kommen, der ist derzeit einfach nicht machbar.

Haben Sie deshalb auch noch keine Wohnung in Dresden bezogen?

Weiterführende Artikel

Eislöwen holen Kruminsch zurück

Eislöwen holen Kruminsch zurück

Der Lette heuert zum dritten Mal beim Dresdner Eishockey-Zweitligisten an. Seinen größten Sieg feierte der Lette vor drei Jahren - gegen den Krebs.

Zwei Eislöwen bleiben in Dresden

Zwei Eislöwen bleiben in Dresden

Der Eishockey-Zweitligist gibt die nächsten Vertragsverlängerungen bekannt. Für Eigengewächs Bruno Riedl könnte es allerdings einen Umweg geben.

Eislöwen haben Torhüter-Trio komplett

Eislöwen haben Torhüter-Trio komplett

Dresdens Eishockey-Zweitligist verpflichtet zwei Neuzugänge - und setzt zudem im Tor weiter auf sein Toptalent.

Dresdner Eishockey sucht Geldgeber

Dresdner Eishockey sucht Geldgeber

Der Hauptsponsor der Eislöwen verlängert den Vertrag nicht. Der Zweitligist kann aber auch positive Nachrichten verkünden.

Das haben wir noch nicht intensiv durchgesprochen. Wir waren uns einig: In der eisfreien Zeit besteht keine Notwendigkeit, nach Dresden zu ziehen. Wenn es dann im August losgehen sollte, sieht das natürlich anders aus. Das Wichtigste war: Die Mannschaft zusammenzubauen, da sind wir mittendrin. Das muss jetzt auf den Weg gebracht werden. Die Frage, ob ich dann im Hotel wohne, in einer Wohnung oder ob ich komplett nach Dresden ziehe, steht in der Prioritätenliste nicht ganz oben.

Mehr zum Thema Sport