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Steht jetzt im Eishockey die Gesundheit auf dem Spiel?

Das Eishockey-Derby zwischen Dresden und Crimmitschau ist auch ein Vergleich zweier dezimierter Kader. Vor einer Woche mit vier Spielen wirft das Fragen auf.

Endlich wieder Grund zum Jubeln: Die Eislöwen feiern den Erfolg im Sachsenderby gegen Crimmitschau.
Endlich wieder Grund zum Jubeln: Die Eislöwen feiern den Erfolg im Sachsenderby gegen Crimmitschau. © Arvid Müller

Dresden. Ein Blick auf die Ersatzbänke genügt. Die sind für Eishockey-Verhältnisse ziemlich leer, wie die Gesichter mancher Spieler. Dabei ist Derby-Zeit. Unter normalen Bedingungen Festtage für alle Beteiligten – voller Adrenalin und Emotionen. Davon ist am 42. Spieltag der DEL 2 beim Duell der Dresdner Eislöwen gegen Crimmitschau am Sonntagabend wenig zu spüren. Auch, wenn der Tabellenzwölfte aus der Landeshauptstadt noch in die Play-offs möchte. Den letzten Platz, der zur Teilnahme an der Meisterschafts-Endrunde berechtigt, nehmen vorerst die Westsachsen ein.

Den Status als derzeit bestes sächsisches Team im deutschen Eishockey können die Eislöwen den Eispiraten noch streitig machen. Die Gastgeber gewannen in der Energieverbund-Arena dank der Treffer von Toni Ritter (19.), Roope Ranta (44.) und Nick Huard mit 3:2 (1:1, 0:0, 1:1; 1:0) nach Verlängerung. Der Rückstand auf die Play-off-Plätze verkleinerte sich für die Dresdner auf acht Punkte. Bei elf noch ausstehenden Partien keine aussichtslose, aber hohe Hypothek. „Wir sind zwar immer noch acht Punkte hinten, es sind aber noch elf Spiele. Der Sieg ist sicher wichtig für die Moral“, sagte Cheftrainer Andreas Brockmann.

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Das ist freilich nicht das einzige Problem seiner Mannschaft. Der 53-Jährige hatte nicht umsonst vor dem Wochenende und dem Mammutprogramm der nächsten Tage gewarnt. „Sechs Spiele in elf Tagen, davon viermal auswärts, da hilft dir jeder Körper in der Mannschaft. Ich bin über jeden Spieler froh, der zurückkommt“, sagt er. Immerhin waren die zuletzt angeschlagenen Bruno Riedl, Steven Rupprich und René Kramer wieder einsatzbereit. Dennoch fehlen derzeit vier Profis verletzt, zudem hat der Trainer Stürmer Christian Neuert wegen mehrerer Disziplinlosigkeiten intern suspendiert. Evan Trupp ist gesperrt. Der dezimierte Kader minimiert die sportlichen Einflussmöglichkeiten von Brockmann. Gerade mal 19 Profis waren am Sonntag einsatzfähig.

Ist die Belastung für die Profis noch vertretbar?

Zudem wirft die personelle Situation durchaus auch Fragen auf. Denn mit dem Problem sind die Dresdner nicht allein. Bei den Crimmitschauern fehlten gleich sechs Profis verletzt oder angeschlagen, 18 einsatzfähige waren in Dresden. Das ist im Einzelfall durchaus nicht ungewöhnlich, aber in dieser Häufung auffällig. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Entwicklung teilweise mit dem extrem dichten Terminplan zusammenhängt, den die DEL 2 gemeinsam mit den Vereinen zurecht gestrickt hat, um in dieser außergewöhnlichen und existenzbedrohenden Zeit einen halbwegs normalen Saisonverlauf hinzubekommen. Einschließlich der Play-offs um die Meisterschaft und des erstmals seit langer Zeit wieder sportlich möglichen Aufstiegs in die DEL. Die Abstiegsrunde wurde immerhin für diese Spielzeit ausgesetzt.

Die Frage, die im Rückblick auf diese Saison zu beantworten sein wird, ist die: Hat die Liga durch das Festhalten am beinahe kompletten Spielplan und am damit erheblich dichteren Zeitfenster für die 52 Spieltage der Hauptrunde die Gesundheit der Eishockey-Profis aufs Spiel gesetzt? Wissentlich ganz sicher nicht.

Zur Erinnerung: Der Liga-Start wurde um einen reichlichen Monat auf Anfang November verschoben. Die Belastungen sind grenzwertig. Jetzt stellt sich der Alltag der DEL-2-Klubs so dar: Spiel, Regeneration, Spiel, Regeneration – bei Auswärtspartien verknappen die mehrstündigen Busfahrten die ohnehin spärliche Zeit. Das zehrt an der Substanz. „Im Training können wir aktuell auch nicht viel machen“, stellt Brockmann sachlich fest.

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Seine Mannschaft muss am Dienstag bereits zum Nachholtermin des 17. Spieltages wieder bei den Löwen in Frankfurt am Main antreten. Bei jenem Team, bei dem sie am vergangenen Freitag nach Penaltyschießen mit 3:4 verloren hatte. Die knapp 940 Buskilometer hätte man unter Umständen sparen können, wenn es noch Zeitpuffer gäbe. „Wir sind am Mittwochmorgen wieder gegen fünf Uhr früh daheim. Das ist sehr, sehr schwer – wer da noch Energie findet“, sagte Brockmann. Für einen Hoffnungsschimmer in Richtung Play-offs hat es gereicht.

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