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Die Frage vor dem Pokalfinale: Wie viel Corona verträgt der DSC?

In Bestform werden die Dresdner Volleyballerinnen beim Pokalfinale gegen Stuttgart nicht sein. Warum sie am Sonntag trotzdem eine Siegchance haben.

Von Michaela Widder
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Alexander Waibl sieht seine Chance im Momentum.
Alexander Waibl sieht seine Chance im Momentum. © Archiv: dpa/Robert Michael

Dresden. Irgendwann trifft es jeden. So jedenfalls ist momentan das Gefühl, wenn es um das Coronavirus geht. Für den Dresdner SC kam die Hiobsbotschaft zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – wenige Tage vorm Pokalfinale, das aus dem Grund um zwei Wochen auf diesen Sonntag, 19.15 Uhr, verschoben wurde. Die Umstände sind unverändert schwierig, und es wird darauf ankommen, ob der DSC genau darin seine Chance sieht gegen den MTV Stuttgart.

Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Alles-oder-Nichts-Spiel.

Wie steht es um die DSC-Spielerinnen nach ihren Corona-Infektionen?

Insgesamt elf Corona-Infektionen gab es in der Mannschaft, das Trainerteam eingeschlossen. In dieser Woche konnte Alexander Waibl das erste Mal seit drei Wochen wieder mit allen Spielerinnen trainieren. In einer Sportart, in der es auf Millimeter ankommt, ist eine exakte Abstimmung gefragt – und dafür blieb nicht viel Zeit.

Dass sich die Folgen der Infektion konditionell auswirken werden, vermutet der Mannschaftsarzt. „Es gibt sicher noch Defizite und man wird sehen, dass konditionelle Unterschiede bestehen“, meint DSC-Doktor Tino Lorenz im SZ-Gespräch, „aber mit einer sehr guten Mentalität kann man viel wettmachen.“ Alle betroffenen Spielerinnen wurden an der Uniklinik getestet – mit Blutuntersuchungen, Herz- und Belastungserprobungen.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus dem Re-Start gegen Straubing ziehen?

Wie erwartet hatte der DSC am Mitwochabend nach der Corona-Pause einen etwas schwierigen Start, fand dann aber immer besser in die Bundesligapartie. Waibl konnte viele Spielerinnen einsetzen, ohne den Sieg zu gefährden. Die Mannschaft hat vor dem Finale noch einmal Selbstvertrauen gewonnen, auch wenn Straubing deutlich schwächer ist als Stuttgart.

„Es ist am Ende ein einziges Spiel, in dem viel passieren kann. Manchmal gibt es einen Moment, in dem der Gegner etwas anbietet, dann muss man die Chance ergreifen“, sagt Waibl. „Wir haben schon viele enge Spiele in dieser Saison gemeistert.“

Wie stark ist der Gegner aktuell einzuschätzen?

Sehr stark. Stuttgart hat diese Saison noch kein Bundesligaspiel verloren. Lediglich im Europapokal gab es zwei Niederlagen für das Team von Tore Aleksandersen – zuletzt am Dienstag im ersten Finalspiel bei Eczacibasi Istanbul. Stuttgart hat viel individuelle Klasse, einige Positionen sind doppelt stark besetzt. Für den norwegischen Trainer, so sagt er, sei es manchmal ein Albtraum zu entscheiden, wen er spielen lässt. Die überragende Angreiferin Krystal Rivers wurde im Europapokalfinale geschont, soll aber am Sonntag wieder spielen.

Wer hat den psychologischen Vorteil in diesem Finale?

Ganz klar der DSC, der wenig bis gar nichts zu verlieren hat. Und jetzt erst recht. Verliert das Team, tritt das unter diesen Umständen Erwartete ein. Anders Stuttgart: Der Favorit könnte innerhalb von drei Tagen gleich zwei Titel aus der Hand geben.

Es ist die Neuauflage des Finals von 2020, das der DSC dramatisch mit 3:2 gewann. Auch 2016 holte der Klub die Trophäe gegen Stuttgart. Die letztjährige Finalserie in der Meisterschaft ging ebenfalls am Ende an Dresden, nachdem Stuttgart in den Play-offs schon 2:0 geführt hatte. Der Druck liegt also klar auf Stuttgarter Seite. Laut Sportdirektorin Kim Renkema soll dieser Titel unbedingt gewonnen werden.

Ihr Klub hat es übrigens bisher noch nie geschafft, das Duell um einen Meistertitel oder den Pokal gegen den DSC und Waibl für sich zu entscheiden. Klappt es diesmal?

Wo kann man das Spiel in Wiesbaden verfolgen?

Auch ohne offizielle Fanfahrt reisen immerhin 150 Anhänger zum Pokalfinale, das kurzfristig in Wiesbaden in der Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit ausgetragen wird. Insgesamt sind 1.500 Zuschauer zugelassen. Sport1 zeigt das Spiel im Free-TV ab 19 Uhr. Als Experte wird der neue Frauen-Bundestrainer Vital Heynen am Mikrofon sitzen. Für ein wenig Live-Stimmung in Dresden hat der Verein ein Public Viewing im Dresdner UCI-Kino organisiert und dazu ehemalige Spielerinnen wie Corina Ssuschke-Voigt, Kerstin Tzscherlich und Heike Beier eingeladen.