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Was DSC-Coach Waibl nach seiner Unterschrift fordert

Der Volleyball-Trainer des amtierenden deutschen Meisters bleibt dem Dresdner SC bis 2026 treu. Doch nicht nur sportlich sieht der 53-Jährige viel Arbeit vor sich.

Von Alexander Hiller
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Alexander Waibl hat mit dem DSC weiterhin viel vor, sieht den Verein strukturell aber im Rückstand.
Alexander Waibl hat mit dem DSC weiterhin viel vor, sieht den Verein strukturell aber im Rückstand. © Matthias Rietschel

Dresden. Die Worte lassen aufhorchen – und sind wahrscheinlich wohl durchdacht. „Ich habe diesmal etwas länger überlegt als sonst“, sagt Alexander Waibl. Damit meint der Chefcoach der Volleyballerinnen des Dresdner SC seine neuerliche Vertragsverlängerung bis 2026 – sein alter Kontrakt wäre erst 2023 ausgelaufen.

Der 53-jährige Stuttgarter erlebt gerade seine 13. Saison in Dresden, hat mit dem Verein zehn Titel gewonnen. Im Prinzip hat Waibl einen Status inne, der dem Verweis „unkündbar“ sehr nahe kommt. Allerdings will der ausgebildete Jurist stetig vorankommen. „Die Arbeit mit unseren Spielerinnen, meinen Trainerkollegen, aber auch in besonderem Maß mit unserem Nachwuchsbereich VC Olympia ist besser denn je. Auf menschlicher Ebene und der Qualität der Arbeit sind wir so gut wie nie zuvor“, sagt er. Sein Ehrgeiz stößt aber in Dresden mittlerweile an Grenzen. Und die sind in erster Linie struktureller Natur. „Das hat mich dazu gebracht, länger nachzudenken, ob ich der Idee, den Vertrag zu verlängern, nachkommen möchte. Die strukturellen Bedingungen, die wir in Dresden haben, sind nicht mehr gut und nicht mehr zeitgemäß“, sagt Waibl.

Margon-Arena entspricht nicht mehr den Anforderungen

Das bezieht sich natürlich auf die Heimstätte des DSC – die Margon-Arena. Das Dach der 1998 errichteten Mehrzweckarena ist seit mehreren Jahren undicht, die VIPs werden an jedem Heimspiel-Wochenende in einem Raum beköstigt und unterhalten, der eher den Namen Umkleidekabine verdient hätte – sagt Waibl. „Unsere Wettkampf- und Trainingsstätte ist nicht mehr gut genug, um den Anforderungen, die unser Sport hat, gerecht zu werden.“

Seit geraumer Zeit gibt es jedoch ziemlich konkrete Wünsche, die Arena aus- und umzubauen. Der Stadtrat hat im September 2020 grünes Licht für den Umbau und die Erweiterung der Halle für geplante 32 Millionen beschlossen. Seither ist nichts passiert oder zumindest kein Fortschritt öffentlich kommuniziert worden. Der eigene Vorstand konnte seinem Erfolgstrainer aber offenbar glaubhaft versichern, dass das Projekt bald umgesetzt wird. Ein wesentlicher Punkt bei der neuerlichen Entscheidung Waibls für die Vertragsverlängerung. „Ich glaube, dass die Stadt Dresden, die Verantwortlichen, den Wunsch haben, hier ein Umfeld zu schaffen, das dem Leistungssport bei einem der Aushängeschilder der Stadt, gerecht werden kann.“

Die Konkurrenz sei in dieser Hinsicht längst enteilt – unterstreicht der DSC-Trainer und nennt die Standorte Stuttgart und Schwerin. „Ich muss darauf setzen, dass das in Dresden auch passiert, damit wir ein bisschen Schritt halten können. Wenn wir das nicht tun, dann wird das, was momentan ist, auf Dauer nicht zu halten sein. Dann wird es nach unten gehen“, warnt Waibl. Und diesen Weg wollen sowohl der Verein als auch der Trainer natürlich nicht einschlagen. „Als ich 2009 zum DSC kam, war die Halle die modernste der Liga, mittlerweile ist sie Nummer acht.“

Druck auf die Stadt wird erhöht

Also versucht das Trio mit DSC-Volleyballboss Jörg Dittrich, Geschäftsführerin Sandra Zimmermann und dem sportlichen Leiter Alexander Waibl, den politischen Druck auf die Stadt zu erhöhen. „Seit der Stadtratsentscheidung laufen Planungen, aber wir sind noch nicht in der Geschwindigkeit, wie wir das gewöhnt sind. Die Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten fehlen uns, doch damit geben wir uns nicht zufrieden“, erklärt Zimmermann.

Jörg Dittrich, Dachdeckermeister und Chef der Dresdner Handwerkskammer, erläutert den gewünschten Zeitplan für das Projekt Margon-Arena. „Im Frühjahr 2022 soll das Planerteam stehen. Dann vergeht mindestens ein halbes Jahr, bis die Grundlagen da sind. Da reden wir noch nicht vom Bauantrag. Die Finanzierung muss bis spätestens Ende 2023 sichergestellt sein, weil man sonst gar nicht beginnen kann.“ Er rechnet mit einer Bauzeit von „locker zwei Jahren.“ Der Baustart könnte im Frühjahr 2024 erfolgen. Der 52-jährige Unternehmer untersetzt seine Worte mit einer klaren Forderung: „Es gibt einen Beschluss, was mit der Margon-Arena passieren soll. Und das fordern wir jetzt ein. Mit einer Dachsanierung ist es nicht getan, die ist auch bautechnisch nicht möglich.“

Unausgesprochen bleibt stehen: Sollte bis zum Ende der Vertragslaufzeit nichts passiert sein, unterzeichnet der dienstälteste Trainer der Frauen-Bundesliga den nächsten Vertrag nicht in Dresden.