merken
Sport

DSC aus der Quarantäne zum Supercup

Der Auftakt für Dresdens Volleyballerinnen könnte kaum kniffliger sein. Gegen Schwerin geht es am Sonntag gleich um einen Titel. Der Trainer gibt sich wortkarg.

Der DSC holte sich den Pokal, den Supercup gewann das Team aber noch nie. 2016 unterlag man gegen Stuttgart, vor zwei Jahren gegen Schwerin.
Der DSC holte sich den Pokal, den Supercup gewann das Team aber noch nie. 2016 unterlag man gegen Stuttgart, vor zwei Jahren gegen Schwerin. © Lutz Hentschel

Dresden. Es sind verrückte Zeiten, die skurrile Situationen mit sich bringen. Gerade mal eine Woche ist es her, da haben die Volleyballerinnen des Dresdner SC eine zweiwöchige Quarantäne beendet. Nun geht es für das Team von Trainer Alexander Waibl am Sonntag beim Supercup bereits um den ersten Titel der Saison. Die Quarantäne-Bedingungen wurde zwar nach einer Woche so abgeändert, dass die Frauen zum Mannschaftstraining ihre Wohnungen verlassen durften – aber eben wirklich nur dafür.

Dennoch hat sich beim Pokalsieger die Meinung verfestigt, in die neue Spielzeit unter einer gewissen Benachteiligung zu starten. Gegen den deutschen Serienmeister aus Schwerin am Sonntag sowieso. Und das, obwohl der sportlich unbedeutende Supercup zum ersten Mal in Dresden stattfindet. Vor maximal 1.100 Zuschauern – so viele wären angesichts des Hygiene- und Sicherheitskonzepts erlaubt.

Technische Universität Dresden
TU Dresden News
TU Dresden News

Was passiert an der Exzellenzuniversität TU Dresden? Aktuelle News und Informationen finden Sie in unserer Unternehmenswelt.

 Vermutlich werden es angesichts suboptimaler Gruppenbuchungen um die 700 bis 800 Fans, sehr wahrscheinlich alles DSC-Fans. Denn die personalisierten Tickets konnten im Internet nur von Personen mit Hauptwohnsitz in Sachsen gekauft werden. Die Einschränkungen angesichts der Corona-Pandemie hatten eine Bewerbung aus Dresden für das Event möglich gemacht.

Nur drei von zehn geplanten Testspielen fanden statt

„Von zehn geplanten Testspielen konnten wir sieben nicht absolvieren. Das kann man nicht aufholen. Das ist Fakt“, stellt der DSC-Trainer nun fest. Am 3. September musste seine Mannschaft in Quarantäne, weil nach einer Partie beim Testspielgegner Chemik Police eine Spielerin des mehrfachen polnischen Meisters positiv auf das Covid-19-Virus getestet worden war. Körperliche Kontakte zum Gegner hatte es allerdings nicht gegeben. 

Das heißt, gerade in der Zeit, als sich der Dresdner SC mit seinen sieben Neuzugängen unter Wettkampfbedingungen einspielen wollte, war genau das unmöglich. Zum Vergleich: Supercup-Gegner Schwerin bestritt in den vergangenen neun Tagen vier Partien – je zwei gegen Münster und Potsdam.

„Wir Trainer sammeln in der Vorbereitung auch Erfahrungen über unsere Spielerinnen. Wie verhalten sie sich unter Druck, womit tut uns der Gegner am meisten weh. Da werden dir ganz einfach Dinge aufgezeigt, mit denen du arbeiten kannst. Die Informationen fehlen uns jetzt“, verdeutlicht Waibl. In seiner Stammformation gibt es auch deshalb noch drei, vier offene Positionen. Der 52-Jährige verschiebt die Saisonvorbereitung deshalb noch vier, fünf weitere Wochen in die Zukunft. 

„Wir können jetzt wieder normal trainieren und uns vorbereiten – aber nichts ersetzt den echten Wettkampf. Das ist jetzt aber so, das können wir nicht ändern“, sagt Waibl. Sein Trainerkollege aus Schwerin geht indes davon aus, dass Dresden auch ohne normale Vorbereitung ein sehr ernstzunehmender Gegner sein wird. „Stuttgart, Dresden und auch Potsdam verfügen aktuell sicherlich über die stärksten Kader“, sagte Felix Koslowski im Interview mit der Schweriner Volkszeitung.

Keine DSC-Infos, für niemanden

Einen kleinen Vorteil kann auch Waibl der limitierten Vorbereitung abgewinnen. Bei den drei ausgetragenen Testpartien seiner Mannschaft waren weder die vier amerikanischen Neuzugänge noch Nationalspielerin Jennifer Janiska dabei. Alle fünf gelten als Leistungsträgerinnen. „Es hat einen begrenzten Charme, dass die anderen Teams händeringend versuchen, Informationen über uns zu bekommen, die wir selbst nicht haben“, meint der Trainer.

Diese Ausnahmesituation hat den sonst so redelustigen wie sprachgewandten Waibl schweigsamer werden lassen. Über die Quarantäne seiner Mannschaft mag er öffentlich nicht sprechen. Das betrachtet er als politisches Statement. „Ich habe eine klare private Meinung dazu, die werde ich nicht äußern. Das ist Aufgabe von anderen.“ Wer zwischen den Zeilen lesen mag, kann dort ganz sicher eine gewisse Unzufriedenheit und Wut über eine vermeintliche Benachteiligung erkennen.

Der Supercup hat mithin nicht nur eine sportliche Bedeutung. Anhand des Ereignisses lassen sich möglicherweise auch einige offene Fragen beantworten. Eine Generalprobe für die neue, eingeschränkte Realität im deutschen Volleyball-Oberhaus. Dafür absolvieren beide Supercup-Finalisten noch einen abschließenden Corona-Test. Der DSC rechnet frühestens am Freitagnachmittag mit den Ergebnissen.

Weiterführende Artikel

Super-Sport-Wochenende in Dresden mit Zuschauern

Super-Sport-Wochenende in Dresden mit Zuschauern

Bei Dynamos erstem Liga-Heimspiel, dem Volleyball-Supercup der DSC-Frauen und beim Galopp dürfen Fans dabei sein. Nur wollen das weit weniger als gedacht.

Was passiert eigentlich, wenn der Test einer Spielerin positiv ausfällt? Das wird in den Bundesländern völlig unterschiedlich gehandhabt. „Die Situation, die wir jetzt überstanden haben, kann uns jederzeit wieder passieren, und anderen auch. Wir kämpfen hart dafür, dass die Bewertung einer solchen Situation anders ausfallen wird als zuletzt“, sagt DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann. Eine einheitliche Regelung, gleich in welche Richtung, wäre wünschenswert. „Ansonsten haben wir außerhalb des Spielfeldes eine klare Wettbewerbsverzerrung“, betont sie.

Mehr zum Thema Sport