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„So ein Druck ist etwas super Schönes“

Die Dresdner Volleyballerinnen sind seit neun Spielen ungeschlagen und Spitzenreiter in der Bundesliga. Was hinter dem Erfolg steckt.

Lena Stigrot spielt seit 2018 für den Dresdner SC. Sie ist als Kapitän eine der Leistungsträgerinnen im Team von Alexander Waibl.
Lena Stigrot spielt seit 2018 für den Dresdner SC. Sie ist als Kapitän eine der Leistungsträgerinnen im Team von Alexander Waibl. © Archiv: Robert Michael

Dresden. Gehetzt wirkte Lena Stigrot nach ihrem Auftritt keineswegs. Warum sollte sie auch? Wobei die Volleyballerinnen des Dresdner SC am Dienstag mit dem 3:1-Erfolg über Suhl an die Tabellenspitze vorstießen und mithin in die Rolle des Gejagten schlüpften. „So einen Druck zu haben, ist doch etwas super Schönes“, erklärt die Nationalspielerin gelassen.

Sie gehört mit ihren 26 Jahren zu den erfahrensten Profis im jungen Dresdner Team mit einem Altersdurchschnitt von nur 22 Jahren. Die Mischung aus gestandenen Spielerinnen und hochveranlagten Talenten passt, was ein wichtiger Pfeiler für das derzeitige Hoch des DSC ist. „Ich glaube, das Alter spielt eine relativ geringe Rolle. Es hilft natürlich manchmal, wenn man schon ein bisschen mehr erlebt hat“, meint Alexander Waibl.

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Der Trainer vermeidet es meist prinzipiell, einzelne Spielerinnen herauszuheben. Einerseits versteht er die Stärke seiner Mannschaft als Summe ihrer Einzelteile, andererseits weiß er aus Erfahrung, dass jeder Profi dem Team tatsächlich weiterhelfen kann.

In dem kommt Spielführerin Stigrot nicht nur Kraft ihres Amtes eine besondere, eine tragende Rolle zu. Die gebürtige Bayerin ist in Sachen Athletik, Disziplin und professioneller Einstellung jederzeit ein Vorbild, an dem sich jüngere Spielerinnen orientieren können.

„Ja, Leni springt am höchsten“, bestätigt Waibl, erwähnt aber im gleichen Atemzug, dass Maja Storck den härtesten Schlag besitzt und Jennifer Janiska derzeit mit der höchsten Effizienz und Präzision unterwegs ist. „Entscheidend ist, dass sich jeder in seiner Rolle authentisch bewegt“, sagt der Chefcoach.

Jennifer Janiska beim Fotoshooting für den DSC-Kalender im September 2020.
Jennifer Janiska beim Fotoshooting für den DSC-Kalender im September 2020. © Christian Juppe

Und genau das passiert offenbar – nicht nur auf dem Feld. In der Kabine wird auch Tacheles geredet, wenn es sein muss. Stigrot macht das eher ruhig und sachlich. Co-Kapitänin Jennifer Janiska könne auch mal ziemlich gallig werden. Die ebenfalls 26 Jahre alte Nationalspielerin, die vom Klubweltmeister Conegliano nach Dresden kam, verlangt von allen Kolleginnen jenen Einsatz und jene Konzentration ab, die sie bereit ist, in jeder Einheit, jedem Spiel zu geben.

Ihr Anspruch ist hoch, bestätigt Janiska den Eindruck. „Wenn ich mich mal hängen lasse, bekomme ich auch etwas von Lena oder Lenka Dürr zu hören. Wir dürfen nie zufrieden sein – das macht ein erfolgreiches Team aus. Ganz egal, ob wir jetzt da oben stehen“, erklärt Janiska. „Wir haben fünf, sechs Persönlichkeiten, die vorangehen. Das zeichnet ein gutes Team aus, dass man viele Charaktere im Kader hat, die diese Aufgabe erfüllen könnten.“

Mit Erfahrung die Talente führen

Darauf setzt auch Waibl mit seinem Trainerteam. „Ich glaube, dass es wichtig ist, in der Kabine Führungsspielerinnen zu haben, die den Jüngeren sagen, wo es langgeht – und sie eben auch mitführen“, unterstreicht der 52-Jährige. Davon profitieren die Talente.

„Unsere erfahreneren Spielerinnen treten sehr, sehr konstant auf hohem Level auf. Das gibt uns unheimlich viel Sicherheit – und macht in dieser Saison das Besondere auch“, betont Camilla Weitzel, die trotz ihrer 20 Jahre zu den Leistungsträgerinnen gehört. „Wir Jüngeren müssen uns somit keinen Stress machen und werden in dem Sinne gut geführt.“

Das heißt für einige aber auch, geduldig zu sein. „Sie verfügen über eine gewisse Disziplin, ordnen sich auch ein, klagen nicht, obwohl einige wenig spielen“, erklärt Waibl. Das betrifft zum Beispiel Zuspielerin Sarah Straube (18) oder Mittelblockerin Monique Strubbe (19). „Ich finde es bedeutsam, dass sich jeder in seiner Rolle bewegt.“ So hat sich das US-Trio Jenna Gray, Madeleine Gates und Morgan Hentz eingefügt, ohne zu fremdeln.

Der Kapitänin kommt in dem Gebilde eine besondere Verantwortung zu. „Sie ist lustig, sie sorgt für Harmonie im Team und besitzt ein gutes Gefühl dafür, dass ein paar wichtige Dinge nicht einschlafen“, sagt Janiska über Stigrot. Weil gemeinsame Teamabende derzeit wegen der Corona-Einschränkungen nicht möglich sind, werden die Busfahrten auf Auswärtsreisen gern für sogenannte teambildende Maßnahmen genutzt.

Es passt sportlich und menschlich

„Lena hat immer ihre Karten dabei – bei Uno Flip zocken wir schon mal zwei, drei Stunden am Stück. Das ist auch nicht selbstverständlich“, verrät Jennifer Janiska.„Wir haben eine Gruppe, die in sich sehr harmoniert und trotzdem sehr leistungsorientiert ist“, sagt Waibl. Das war schon anders, gibt er zu.

„Das Emotionale ist nicht der entscheidende Grund, weshalb wir im Moment so gut dastehen. Es sind hauptsächlich volleyballspezifische Inhalte, die durch die Persönlichkeiten noch mal stärker zum Tragen kommen“, meint der Trainer. Tiefer will er bei seiner Analyse der Kabinen-Hackordnung gar nicht gehen. „Was da passiert, sollte der Trainer nur begleiten. Das geht niemanden etwas an.“

In seinem Team passt es derzeit sportlich wie menschlich. „Jede bringt ihren Teil ein“, bestätigt Spielführerin Lena Stigrot.

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