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Das sagt der DSC-Kapitän zum Pokal-Streit

Lena Stigrot sieht keinen Nachteil darin, dass die Dresdner Volleyballerinnen bei dem neuen Modus auswärts antreten müssen. Zoff gibt es trotzdem.

Lena Stigrot ist guter Dinge. Die 25-Jährige freut sich auf das Pokalturnier in dieser Woche. Die heftigen Diskussionen vorab kann sie nur teilweise verstehen.
Lena Stigrot ist guter Dinge. Die 25-Jährige freut sich auf das Pokalturnier in dieser Woche. Die heftigen Diskussionen vorab kann sie nur teilweise verstehen. © Ronald Bonß

Dresden. Improvisieren drängt sich in diesen Zeiten förmlich auf. Die Vereine der Frauen-Volleyball-Bundesliga haben das verinnerlicht – und sich auf einen neuen Pokalmodus geeinigt, um den Zeitplan zu straffen. Viertel- und Halbfinals werden diese Woche als Miniturniere mit jeweils vier Mannschaften ausgespielt. Dass der Ligaverband jedoch für die Spiele am 18. und 19. November ohne Rücksprache Stuttgart und Schwerin als Spielorte festgelegt hat, brüskierte die Konkurrenz.

Der SC Potsdam zog rechtliche Schritte in Erwägung. Pokalverteidiger Dresdner SC monierte den Zeitplan. Wie die Spielerinnen darüber denken, sagt DSC-Kapitän Lena Stigrot im SZ-Interview.

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Frau Stigrot, wie hat die Mannschaft die Entscheidung aufgenommen, die Pokal-Viertel- und -Halbfinals in einer zweitägigen Runde auszuspielen?

Wir finden, es ist eine gute Idee, dass die Liga und die Vereine sich darauf geeinigt haben. Denn danach gibt es zwei Finalisten, und wir sind so wenig gereist wie möglich. Da wir beim normalen Pokalverlauf sowieso zweimal hätten auswärts antreten müssen, ist es für uns eigentlich egal, wo wir spielen. Für uns ist das eine gute Lösung. Ich kann nachvollziehen, dass das Potsdam überhaupt nicht passt. Die hätten normalerweise zweimal Heimrecht gehabt. Das macht einen großen Unterschied.

Der Ligaverband hat die Austragungsorte ohne Rücksprache mit den anderen beteiligten Klubs festgelegt. Wie bewerten Sie das?

Dazu möchte ich mich nicht äußern, weil mir das nötige Hintergrundwissen fehlt.

Ihr Verein kritisiert, dass der DSC sein Viertelfinale am Mittwochabend ab 19.30 Uhr gegen Suhl bestreitet, das andere Viertelfinale aber schon 16 Uhr stattfindet. Ist es tatsächlich ein Wettbewerbsnachteil, dreieinhalb Stunden weniger zur Regeneration vor dem Halbfinale am Donnerstag zu haben?

Wenn das durch die Liga so entschieden wurde, kann sich der DSC sicher drüber beschweren. Wir Spielerinnen stehen auf dem Feld und wollen gewinnen – egal, um welche Uhrzeit. Und egal, ob das andere Team dreieinhalb Stunden mehr Regenerationszeit hat oder nicht. Das ist vergessen, sobald du auf dem Spielfeld stehst. Da willst du einfach nur gewinnen. Es geht ums Pokalfinale, drei Stunden hin oder her. Trotzdem wäre es fairer gewesen, die Reihenfolge der Spiele auszulosen.

Können Sie skizzieren, wie der Abend nach so einem späten Spiel aussieht?

Bei Auswärtsspielen, nach denen wir direkt nach Hause fahren, was normalerweise der Fall ist, dehnen wir uns nach der Partie 20 bis 25 Minuten aus, wie wir das auch nach dem Training tun. Zu Hause machen wir ein Eisbad, Vielleicht bekommen wir das in Schwerin im Hotel hin. Wir haben sehr viele Regenerationsmöglichkeiten durch Geräte unserer Physiotherapeuten. In Schwerin werden wir also, wenn wir ins Halbfinale kommen sollten, schnell duschen und dann ins Hotel, um so zeitnah wie möglich zu essen. Das ist nach der Belastung wichtig. Nach dem Spiel braucht man dann natürlich auch seine Zeit, bis Kopf und Körper runterfahren und man schlafen kann.

Welche Zeitspanne zwischen Spielende und Nachtruhe geht da drauf?

Mindestens vier Stunden, aber eher mehr.

Dann wären Sie weit nach Mitternacht im Bett – keine optimale Vorbereitung fürs Halbfinale am Donnerstag ab 16.30 Uhr, oder?

Es ist trotzdem ein Halbfinale, was man nur einmal spielen kann. Da wird jeder seinen Körper und seinen Geist so vorbereiten, dass es funktioniert. Wir trainieren ja auch zweimal am Tag. Das ist schon machbar.

Einen Nachteil sehen Sie also nicht?

Nein, überhaupt nicht. Sollte Schwerin das Halbfinale erreichen, ist auch der Heimvorteil ohne Zuschauer nicht mehr so richtig gegeben. Wie gesagt, wir hätten auch ohne die geraffte Pokalrunde zwei Auswärtsspiele bestreiten müssen.

Wie ordnen Sie die Konkurrenz ein? Im Viertelfinale spielt der DSC gegen Suhl. Im Halbfinale würde es dann gegen Aachen oder Schwerin gehen?

Gegen Suhl haben wir uns in dieser Saison schon ein spannendes, keineswegs leichtes Spiel geliefert, bei dem sie uns einen Satz abgenommen haben. Suhl ist dieses Jahr sehr stark, hat Optionen von der Bank. Aachen hat vergangene Woche das Bundesliga-Nachholspiel gegen Schwerin 3:2 gewonnen. Ich bin sehr gespannt, ob sie noch mal so eine Leistung zeigen können. Die Schwerinerinnen, meiner Meinung der stärkste Kontrahent, waren eine Woche in Quarantäne. Sie zeichnet aus, dass sie abliefern können, wenn es eng wird.

Verliert der Pokal durch die Runde und durch leere Hallen seinen Reiz?

Es ist so, wie es ist. Wir müssen alle damit leben. Es ist immer noch derselbe wertvolle Titel. Ins Pokalfinale zu kommen, ist nach wie vor ein großer Anreiz. Ich finde die zwei möglichen Spiele nacheinander tatsächlich ganz spannend und cool. Das gab es so auch noch nie. Ich freue mich auf die hoffentlich zwei Tage.

Glauben Sie daran, dass das Pokalfinale am 28. Februar 2021 in Mannheim vor Publikum stattfinden kann?

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Das kann niemand prognostizieren. Gerade sieht es eher nicht so gut aus. Aber man weiß nicht, ob die Politik künftig einen Strategiewechsel plant oder ob bis dahin vielleicht doch ein Impfstoff auf den Markt kommt. Wir leben jetzt im Moment. Wir wollen unbedingt das Finale erreichen. Es wäre dann das i-Tüpfelchen, wenn es vor Zuschauern stattfinden könnte.

Das Interview führte Alexander Hiller.

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