merken
PLUS Sport

So funktionieren die Corona-Hilfspakete im Sport

Dresdens Volleyballerinnen sind trotz abgebrochener Vorsaison schuldenfrei – noch. Der Abteilungsleiter schlägt Alarm. Er rechnet jetzt mit dem Schlimmsten.

Jörg Dittrich und die Mitstreiter beim DSC haben das eine Finanzloch gerade geschlossen. Jetzt öffnet sich das nächste.
Jörg Dittrich und die Mitstreiter beim DSC haben das eine Finanzloch gerade geschlossen. Jetzt öffnet sich das nächste. © Robert Michael

Dresden. Alarmismus ist nicht seine Kernkompetenz. Jörg Dittrich, Dachdeckermeister und Präsident der Handwerkskammer Dresden, weiß auch als Chef der Volleyballerinnen des Dresdner SC genau, was er tut und sagt. Sachlich, bedacht und argumentativ stichhaltig tritt der 51-Jährige auf. Diese Fassung zu bewahren, ist angesichts der aktuellen, coronabedingten Begleitumstände jedoch nicht immer einfach. Denn auch die DSC-Frauen, für Dittrich ein sportliches Aushängeschild Sachsens („Nur wir spielen neben RB Leipzig auf europäischer Bühne“), sehen sich wie so viele Vereine in dieser Zeit einer existenziellen wirtschaftlichen Notlage ausgesetzt. Das führt fast zwangsläufig zu Ängsten, auch bei ihm.

Die neuerliche Verschärfung der Corona-Regeln hat die Sorgen nun noch vergrößert. Zwar spielt die Bundesliga weiter, doch Zuschauer sind ausgeschlossen. Das erste von mindestens zwei Geisterspielen für Dresden steht an diesem Mittwoch, 18.30 Uhr, gegen Stuttgart an. Es ist die Neuauflage des Pokalfinals.

Anzeige
Spaß und Nervenkitzel pur
Spaß und Nervenkitzel pur

Im Laserland Dresden können auch Erwachsene mal wieder Kind sein: Ein einzigartiges Erlebnis für Kollegen, Freunde und Familie und ideales Geschenk!

Dabei geht es dem DSC, der das Endspiel im Februar spektakulär für sich entschied, noch vergleichsweise gut. Das zeigt der Saisonetat von 1,8 Millionen Euro. Und trotz der wegen der Pandemie vorzeitig abgebrochenen Vorsaison drücken den fünffachen deutschen Meister keine Schulden.

Das befürchtete Finanzloch von knapp 300.000 Euro blieb aus. „Wir haben für die alte Saison alles hinbekommen“, sagt Dittrich. Er meint damit eine schwarze Null. Die fehlenden Einnahmen aus dem letzten Heimspiel der Normalrunde und wenigstens einem Play-off-Heimspiel konnte man mit den „staatlichen Maßnahmen, Kurzarbeit im Verein und der vorzeitigen Auflösung von Verträgen abfedern“, erklärt Dittrich. Als einer der ersten Vereine in Sachsen hatte der DSC ein zinsloses Darlehen in Höhe von knapp 200.000 Euro aus dem 20-Millionen-Euro-Förderpaket des Freistaates erhalten. Erst ab Juni 2023 muss die Summe schrittweise zurückgezahlt werden.

DSC-Volleyball-Abteilungsleiter Jörg Dittrich haut jetzt auch verbal auf die Pauke.
DSC-Volleyball-Abteilungsleiter Jörg Dittrich haut jetzt auch verbal auf die Pauke. © Ronald Bonß

„Wesentlich größeres Kopfzerbrechen bereitet uns die jetzige Saison, weil die Unwägbarkeiten sehr groß sind, wie wir jetzt sehen“, verdeutlicht Dittrich. Denn es wird vermutlich nicht bei den beiden Geisterspielen im November bleiben. Hohe sechsstellige Einnahmeausfälle sind zu befürchten. Mittwoch-Gegner Stuttgart, der seinen Etat zwischen 1,6 und 1,7 Millionen Euro ansiedelt, beziffert die Einnahmen aus dem Ticketing der vergangenen Saison auf etwa 300.000 Euro. Beim DSC dürfte es noch etwas mehr sein. Seit Jahren ist Dresden der unangefochtene Zuschauer-Krösus der Liga. Durchschnittlich 2.660 Fans besuchten die neun Heimspiele der Vorsaison.

Die Zuschauerbeschränkungen treffen den Klub demnach härter als andere. „Das ist der Fluch der guten Tat“, meint Dittrich ironisch. Deshalb hat der DSC weitere Hilfen beantragt, auch aus dem vom Bund mit insgesamt 200 Millionen Euro gefüllten Topf der Corona-Nothilfe. Bis zu 80 Prozent der Ticketeinnahmen aus der Vorsaison, so hieß es, könne man beantragen, maximal 800.000 Euro. Der Antrag der Dresdner wurde jedoch erst einmal abgelehnt. „Nach den Förderkriterien würden wir streng genommen nichts bekommen. Das liegt daran, dass nur Einnahmeverluste zwischen Mai und August betrachtet werden. Da haben wir keine Saison“, sagt Dittrich.

Doch es gibt eine Hintertür. „Uns wurde geraten, trotzdem den Antrag zu stellen und auf eine Einzelfallentscheidung zu hoffen. Aber erstens wissen wir nicht, ob diese Entscheidung kommt. Zweitens beinhaltet es nur Ausfallhilfen bis Dezember, und drittens“, so Dittrich, „reicht das auch nicht.“ Das Darlehen des Freistaates würde wohl auf die mögliche Hilfe des Bundes angerechnet werden. „Aus Angst, dass jemand etwas bekommt, dem es nicht zusteht, hat man die Regularien so verpackt, dass kaum einer etwas kriegt“, kritisiert Dittrich, der auch schon beim Deutschen Olympischen Sportbund nachfragte und feststellte: „Der DOSB arbeitet wie verrückt daran. Aber momentan will keiner zuhören.“

Weiterführende Artikel

Die Corona-Frage: Wer ist Profi und wer nicht?

Die Corona-Frage: Wer ist Profi und wer nicht?

Die 2. Volleyball-Bundesliga darf und soll trotz des Sportverbotes weiterspielen. Das bringt drei sächsischen Klubs reichlich Stress.

DSC-Volleyball-Frauen siegen vor einer Minus-Kulisse

DSC-Volleyball-Frauen siegen vor einer Minus-Kulisse

Der Dresdner SC zeigt vor 150 Fans gegen den USC Münster eine starke Partie. Der Grundstein dafür wurde mit einer Ansprache in der Kabine gelegt.

So geht der DSC mit dem plötzlichen Saisonende um

So geht der DSC mit dem plötzlichen Saisonende um

Fast alle ausländischen Profi-Volleyballerinnen lösen die Verträge auf. Dabei könnte es im Europapokal noch weitergehen.

Weil ein über das Jahresende geltender finanzieller Rettungsschirm immer noch fehlt, rechnet Dittrich mit dem Schlimmsten. „Wir haben Sorge, dass unsere Wettbewerber aus den Latschen kippen und das Gesamtsystem ins Rutschen kommt“, sagt er. Anhaltspunkte dafür gäbe es bislang nicht. Aber die Saison, von der keiner weiß, wie sie sich durchziehen lässt, hat gerade erst begonnen. „Ich bin Optimist. Es muss irgendwie weitergehen. Wir sehen aber momentan kein Licht am Ende des Tunnels. Uns fehlt ein Ziel vor Augen, selbst wenn es eben erst Weihnachten 2021 ist.“

Mehr zum Thema Sport