merken
Sport

DSC präsentiert einen "Alt-Neuzugang"

Die belarussische Nationalspielerin Kristina Kicka heuert zum zweiten Mal in Dresden an - und beweist Mut mit einem heiklen politischen Statement.

Nach dem Viertelfinale zwischen Dresden und Aachen redeten Alexander Waibl (r.) und Vorstand Jörg Dittrich bereits ausführlich mit Kristina Kicka.
Nach dem Viertelfinale zwischen Dresden und Aachen redeten Alexander Waibl (r.) und Vorstand Jörg Dittrich bereits ausführlich mit Kristina Kicka. © Lutz Hentschel

Dresden. Der deutsche Volleyballmeister Dresdner SC vermeldet die nächste Neuverpflichtung; und die ist in Dresden keine Unbekannte. Die Weißrussin Kristina Kicka kommt zurück. Unter ihrem Mädchennamen Mikhailenko spielte sie bereits von 2013 bis 2016 beim DSC und errang gemeinsam mit Cheftrainer Alexander Waibl drei Meistertitel und einen Pokalerfolg.

Waibl stellt Kicka deshalb bei der digitalen Pressekonferenz als „Alt-Neuzugang“ vor. Nach ihrer ersten DSC-Phase reiste Kicka durch die halbe Welt, spielte in der Türkei, Rumänien, Südkorea, Polen und zuletzt beim Ligarivalen Aachen. Mit ihren 29 Jahren bringt die Diagonalangreiferin also einen riesigen Erfahrungsschatz mit. „Wir hatten immer Kontakt, hatten auch ein gutes persönliches Verhältnis“, erklärt der Trainer.

Anzeige
Fachkraft für Digitale Transformation gesucht
Fachkraft für Digitale Transformation gesucht

Die KURZ TYPOFOL GmbH sucht einen Manager Digital Transformation und ERP-Betreuer (m/w/d).

Er hat für die Weißrussin die Position knapp hinter der etatmäßigen Diagonalangreiferin Maja Storck vorgesehen, um die Schweizerin erstens zu entlasten und zweitens die Mannschaft flexibler zu besetzen. „Sie hat im nächsten Jahr die Aufgabe, Maja zur Seite zu stehen“, sagt der 53-Jährige, der für sein Team mit knapp 40 Partien plant – in Meisterschaft, Champions League, Pokal und Supercup. „Wir brauchen Spielerinnen, die uns verbessern, wenn wir sie einwechseln. Eigentlich kann in der kommenden Saison keine Spielerin von Beginn an jedes Spiel durchspielen“, verdeutlicht Waibl.

Kristina Kicka kann auch Feierbiest: Mit dem DSC holte sie bereits vier Titel, hier 2015 die Meisterschaft.
Kristina Kicka kann auch Feierbiest: Mit dem DSC holte sie bereits vier Titel, hier 2015 die Meisterschaft. © Robert Michael
Waibl will Kristina Kicka nach der Geburt ihrer Tochter wieder auf ihr früheres Niveau bringen. Mindestens.
Waibl will Kristina Kicka nach der Geburt ihrer Tochter wieder auf ihr früheres Niveau bringen. Mindestens. © Robert Michael

„Ich bin aufgeregt und glücklich. Ich will mich aber nicht so sehr mit dem Thema Rückkehr beschäftigen. Was jetzt kommt, ist neu: eine neue Mannschaft, eine neue Situation, eine neue Rolle“, sagt Kicka. Seit April 2020 ist sie Mutter einer Tochter – und wird die einzige Mama im Profiteam des fünffachen Meisters sein. Neben Beachvolleyball-Olympiasiegern Laura Ludwig gehört die 29-Jährige zu den wenigen prominenten Müttern im deutschen Profivolleyball.

Die gebürtige Minskerin ist ein Mensch mit geschärftem charakterlichen Profil. Sie verzichtete in diesem Jahr auf einen Einsatz in der Nationalmannschaft von Belarus, ihr entgeht damit eine EM. Kicka ist mit der Politik von Machthaber Alexander Lukaschenko ganz und gar nicht einverstanden. „Der Verzicht hat mit meiner politischen Ansicht zu tun. Es ist kein Geheimnis, was in Belarus passiert. Ich habe mich entschlossen, mein Land und unseren Präsidenten nicht zu vertreten. Andere Spielerinnen verschließen davor die Augen – ich nicht“, erklärt sie.

Ihr Trainer fragt bei der Vorstellung extra noch einmal nach, ob sie diese deutlichen Aussagen auch öffentlich äußern möchte. Mit politischen Aussagen halten sich die meisten DSC-Profis zurück - Waibl mahnt meist auch dazu an. Doch Kicka, die nach ihrer Hochzeit mit ihrem polnischen Mann nun auch die polnische Staatsbürgerschaft besitzt, steht zu ihren Worten.

Mehr zum Thema Sport