merken
PLUS Sport

Spitze in der Liga – was hat der DSC davon?

Die Dresdner Volleyballerinnen treffen im Viertelfinale auf Aachen, was aus der Sicht ihres Trainers ein doppelter Nachteil ist.

Das darf kurz gefeiert werden: Der DSC geht als Tabellenerster in die Play-offs. Das gab es zuletzt 2016.
Das darf kurz gefeiert werden: Der DSC geht als Tabellenerster in die Play-offs. Das gab es zuletzt 2016. © Arvid Müller

Dresden. Es sollte eigentlich ein Vorteil sein für die Play-off-Phase: Die Volleyballerinnen des Dresdner SC schließen die Hauptrunde in der Volleyball-Bundesliga als Spitzenreiter ab, was zuletzt in der Meistersaison 2016 gelungen war. Am letzten Spieltag reichte ein eher schmuckloses 3:1 gegen den Tabellenfünften Vilsbiburg, weil sich der bis dato punktgleiche Topfavorit auf den Titel, MTV Allianz Stuttgart, einen Ausrutscher leistete und sein Heimspiel gegen Pokalsieger und Rekordmeister Schwerin mit 0:3 verlor.

Tatsächlich verbessert sich durch die Spitzenposition für die Dresdnerinnen die Konstellation: Wenn in der am Mittwoch startenden K.-o.-Phase alles nach den in der Hauptrunde gezeigten Leistungen läuft, müssten sie sich in einem möglichen Halbfinale mit den unbequemen Potsdamerinnen messen, gingen aber Stuttgart und Schwerin bis zu einem möglichen Finalduell aus dem Weg.

PPS Medical Fitness GmbH
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness

Krankengymnastik, Bewegungsbad, physikalische Therapie, Lymphdrainage, Massagen, Outdoor-Training - PPS Medical Fitness ist für Ihre Unterstützung rundum aufgestellt.

So weit denkt beim DSC jedoch noch niemand, das wäre der zweite Schritt vor dem ersten. Der fünffache deutsche Meister trifft im Viertelfinale zunächst einmal auf den Tabellenachten der Normalrunde, die Ladies in Black aus Aachen. Gespielt wird im Modus „Best of three“. In der Hauptrunde hieß das Ergebnis zweimal 3:0 zugunsten der Dresdnerinnen. Zum ersten Duell tritt der DSC am Mittwoch, 19.30 Uhr, in Aachen an, die zweite Partie steigt am Samstag, 17.30 Uhr, in Dresden. Sollte ein drittes Entscheidungsspiel erforderlich sein, muss das am Sonntag erneut beim DSC ausgetragen werden.

Auf diese verdichtete Spielfolge hat sich die Volleyball-Bundesliga (VBL) mit den Vereinen aufgrund der Corona-Pandemie geeinigt. Doch bei Alexander Waibl kommt diese Änderung nicht gut an, der DSC-Trainer empfindet sie vielmehr als ungerecht. „Dass die bessere Mannschaft erst auswärts spielt, ist ein klarer Vorteil für das schwächere Team“, meint er – und begründet das so: „Die reisen einmal hierher für eventuell zwei Spiele. Wir reisen nach Aachen, dann wieder zurück. Und das zwischen Mittwoch und Samstag.“ Sein Team legt am Dienstag im Bus knapp 650 Kilometer zurück – Mittwochnacht nochmals in umgekehrter Richtung. „Das finde ich nicht korrekt, aber ich kann es nicht ändern“, kommentiert Waibl.

DSC-Trainer Alexander Waibl kritisiert den geänderten Play-off-Modus.
DSC-Trainer Alexander Waibl kritisiert den geänderten Play-off-Modus. © Arvid Müller

Und es ist nicht der einzige Fakt, durch den er seine Mannschaft vor dem Duell benachteiligt sieht. Ein weiterer ist die Aachener Spielhalle an der Neuköllner Straße. Coronabedingt erhielten die Ladies in Black von der VBL eine Ausnahmegenehmigung, nicht nur ihre Heimspiele, sondern auch die Play-offs in der kleinen Arena austragen zu dürfen. Die Halle erfüllt nämlich nicht alle Kriterien der VBL. An der niedrigsten Stelle fordert die Liga in ihrem Lizenzstatut eine Mindesthöhe von neun Metern, die Aachener Spielhalle ist nur acht Meter hoch. Auch Live-Übertragungen im TV sind deshalb nicht möglich.

Bislang musste Aachen für die Play-offs nach Düren oder gar ins belgische Maaseik ausweichen. Im Frühjahr 2019 auch gegen den DSC, der damals nach einer durchwachsenen Saison im Meisterschafts-Viertelfinale gegen Aachen scheiterte. „Das ist eine irreguläre Halle und eine super besch … lange Reise“, sagt Waibl deutlich und fragt sich, warum man nicht hätte stattdessen nach Düren ausweichen können? „Die Aachener Halle ist so hoch wie meine Garage zu Hause“, spitzt er bewusst zu und legt nach: „Ein Volleyballspiel läuft dort so: Man guckt, dann macht es Bumm, und der Ball geht an die Decke. Das passiert bei jedem fünften Ball, das ist nicht toll. Ich will da aber nicht drüber nachdenken. Es ist so, wie es ist.“

Seine Mannschaft hat in dieser Saison gezeigt, dass sie mit schwierigen Situationen umgehen kann. Die am Samstagabend war insofern speziell, dass sie das Ergebnis des eine Stunde eher gestarteten Spiels in Stuttgart bereits kannte. „Als wir wussten, dass wir als Erster durch sind, haben wir natürlich versucht, Kräfte zu schonen, den Mädels von der Bank ein bisschen Raum zu geben. Das war vielleicht ein bisschen viel, was ich da probiert habe“, schätzt Waibl nach den vier umkämpften Sätzen (25:19, 25:23, 15:25, 25:18) selbstkritisch ein.

Weiterführende Artikel

DSC: Dramatischer Einzug ins Halbfinale

DSC: Dramatischer Einzug ins Halbfinale

Die Volleyballerinnen verlassen beim Heimspiel gegen Aachen die Kräfte, beißen sich am Geburtstag von Chefcoach Waibl dennoch durch - aber erst im Tiebreak.

DSC-Volleyballerinnen gewinnen in Aachen

DSC-Volleyballerinnen gewinnen in Aachen

Der Gewinner der Bundesliga-Hauptrunde wird seiner Favoritenrolle gerecht. Nun fehlt den Dresdnerinnen noch ein Sieg für das Halbfinale.

DSC-Frauen entzaubern Pokalsieger

DSC-Frauen entzaubern Pokalsieger

Dresdens Volleyballerinnen gehen nach einer Gala beim Erzrivalen Schwerin als Spitzenreiter in das letzte Hauptrundenspiel.

Wie lange jubeln sie noch zusammen?

Wie lange jubeln sie noch zusammen?

Dresdens Volleyballerinnen sind wieder einer der großen Favoriten. Doch Vertragsgespräche überlagern das Saisonfinale.

Über das Abschneiden nach der Hauptrunde ist der 52-Jährige aber überglücklich. „Mit der jungen Mannschaft auf Eins zu sein, damit konnte man nicht rechnen“, meint Waibl – und lobt sein Team: „Wir spielen in allen Ebenen sehr konstant. In den meisten Spielen, in denen es eng wurde, konnten wir noch eine Schippe drauflegen.“ Angreiferin Jennifer Janiska nennt einen weiteren Grund für den Erfolg: „Wir sind das Team, das jede andere Mannschaft zu 100 Prozent ernst nimmt, wir unterschätzen niemanden.“ Erst recht nicht Aachen. „Wir sind selbstbewusst, wir haben jetzt Bock auf die Play-offs, dürfen aber noch nicht an ein Finale oder den Titel denken. Es geht jetzt erst los.“ Von einer Regeländerung lassen sie sich nicht beirren.

Mehr zum Thema Sport