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Nationalspielerin verlässt den Dresdner SC

Camilla Weitzel gilt als eines der größten Mittelblock-Talente in Europa. Nach sieben Jahren beim DSC zieht es sie nun ins Ausland.

Gegen getrennte Wege: DSC-Cheftrainer Alexander Waibl und Super-Talent Camilla Weitzel.
Gegen getrennte Wege: DSC-Cheftrainer Alexander Waibl und Super-Talent Camilla Weitzel. © Matthias Rietschel

Dresden. Der Abschied hatte sich lange angedeutet. Der Volleyballmeister Dresdner SC muss eines seiner größten Talente ins Ausland ziehen lassen. Die 20-jährige Camilla Weitzel lässt ihren Dreijahresvertrag in Dresden im Sommer auslaufen - und wechselt in die erste italienische Liga zu Reale Mutua Fenera Chieri. Der Sechste der abgelaufenen Saison in der wohl stärksten Liga der Welt bestätigte den Wechsel inzwischen. Weitzel ist die erste deutsche Spielerin in der Geschichte des Vereins.

Auch der DSC hatte der Nationalspielerin ein neues Angebot zu stark veränderten Konditionen vorgelegt. Dass der sechsfache Meister bei Weitzel bis an seine Schmerzgrenze gehen würde, hatte Cheftrainer Alexander Waibl bestätigt. "Wenn ich auf die vergangenen vier Jahre zurückblicke", erklärte er in einer Pressemitteilung des Vereins, "gab es nicht einen Tag, an dem Cami nicht maximal fokussiert und motiviert war. Klar hat sie ihre Fehler gemacht, musste Lehrgeld bezahlen, aber immer mit 100 Prozent Einsatz und Willen."

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Die 1,95 Meter große Weitzel, die 2013 von Landau nach Dresden kam und in der Talenteschmiede des VC Olympia ihre Fertigkeiten verfeinerte, wurde bereits in der Saison 2017/18 in den Profikader befördert - da war die gebürtige Hamburgerin gerade mal 17. "Seit Camilla zu uns gekommen ist, beobachtete ich sie. Ich hätte sie schon mit 16 in die erste Mannschaft nehmen wollen, aber Cami fühlte sich selbst noch nicht bereit. Man musste aber kein Prophet sein, um ihr Talent zu erkennen und vorherzusagen, wohin es gehen kann. Dennoch war es, glaube ich, wichtig, ihr die Zeit zum Reifen zu geben", erklärt Waibl.

Tatsächlich ist Weitzel in dieser Zeit sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft zur unverzichtbaren Stammspielerin gereift - das weckte Begehrlichkeiten ausländischer Klubs. Dass ausgerechnet Weitzel der Matchball zum Titel gelang, ist kein Zufall. Mit 0,8 Blockpunkten pro Satz avancierte die bisherige DSC-Spielerin auf ihrer Position zum zweitbesten Profi der Bundesliga. "Sie musste man eher bremsen als antreiben. Deshalb ist sie jetzt da, wo sie ist. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde: Ich freue mich, dass Cami nun weiterzieht. Ich hätte sie gerne noch ein, zwei Jahre trainiert und in unserer Mannschaft gehabt", sagt Waibl. "Ich freue mich allerdings für sie, dass sie weiß, dass nach dieser siebenjährigen Zeit in Dresden, davon vier erfolgreichen Jahren bei uns in der Bundesliga, die Zeit gekommen ist, sich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen."

Camilla Weitzel schaut positiv in ihre Volleyball-Zukunft, die nun in Italien beginnt.
Camilla Weitzel schaut positiv in ihre Volleyball-Zukunft, die nun in Italien beginnt. © dpa-Zentralbild

Weitzel gilt als enorm lernfähig, manchmal aber als zu verkopft. Sie ist eine, die sich ständig hinterfragt. "Bei mir steht als großes Thema die Selbstkritik, der Selbstzweifel“, gibt sie zu. Der Druck, den sie sich selbst auferlegt, könnte nicht größer sein. Weitzel hat gelernt, damit umzugehen. Vor gut dreieinhalb Jahren hatte sie sogar erwogen, ihre hoffnungsvolle Karriere zu beenden. „Ich kann immer noch nachvollziehen, warum ich damals gezweifelt habe. Aber ich bin froh und zufrieden, wie ich mich entschieden habe. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, und mir gefällt es so, wie es gerade ist, richtig gut“, erzählte sie Sächsische.de im Vorjahr.

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Nun, nach zwei Pokalsiegen und der Meisterschaft in dieser Saison mit dem Dresdner SC folgt sie den Spuren ihres großen Vorbilds Christiane Fürst. Die erfolgreichste Dresdner Volleyballerin aller Zeiten hatte ihre Heimatstadt nach dem Meisterstitel 2007 mit 22 Jahren verlassen - und war zunächst nach Italien gewechselt. Die inzwischen 36-Jährige lebt und wohnt nun wieder in Dresden und arbeitet als Geschäftsführerin des VC Olympia Dresden. "Ich war eine lange Zeit in Dresden, konnte hier volleyballerisch groß werden und habe dann von Alex (DSC-Cheftrainer Waibl/Anm. d. R.) die Chance bekommen, im Erstligateam zu wachsen. Diese Zeit werde ich immer im Herzen bewahren." Möglich, dass auch Weitzel irgendwann in die Elbmetropole zurückkehrt. Die Eltern haben ihrer jüngeren Tochter in Dresden eine Eigentumswohnung gekauft, in der sie bislang wohnte. Von ihrem neuen Verein wird die 20-Jährige so zitiert: "Chieri ist ein Team mit jungen Spielerinnen - und ich denke, es ist das perfekte Umfeld, um persönlich zu wachsen und meine Qualitäten als Volleyballerin zu verbessern. Ich kann es kaum erwarten, einen anderen Stil kennenzulernen und all die kulturellen Unterschiede zu entdecken."

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